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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 17:58 Uhr

Schrittweise Annäherung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 08.Jun.2016 | 11:19 Uhr

Aus vielen Gesprächen mit Landwirten in meinem Wahlkreis weiß ich, wie existenzbedrohend die Lage der Milchbauern derzeit ist. In unserer ländlich geprägten Region hängen Familienbetriebe und Arbeitsplätze daran. Dabei gehört die Milchwirtschaft mit deutschlandweit 30  000 Arbeitsplätzen zu einer der wichtigsten Branchen und Arbeitgeber der Nahrungswirtschaft. Deutschland produziert ein Fünftel der europaweit hergestellten Milch.

Noch 2013 hatten die Milchbauern die höchsten Preise in Europa. Die Absatzprobleme begannen zum Jahresbeginn 2015. Derzeit liegt der Preis für die Herstellung von einem Liter Milch bei unter 20 Cent, die Kosten der Herstellung und die Verarbeitung aber etwa bei 40 Cent. Wie alle Produkte ist auch der Preis der Milch abhängig von Angebot und Nachfrage. Für den Preisverfall gibt es zwei Gründe.

1984 wurde in Europa ein Überschuss an Milch erwirtschaftet, der die Milchproduktion unrentabel machte. Die Europäische Gemeinschaft führte daraufhin Milchquoten ein. Mit den Quoten wurde das Angebot an Milch verknappt, um den Preis zu stabilisieren. Seit 2006 führte die Europäische Union die Quote schrittweise zurück, bis sie 2015 schließlich auslief. Der zweite Grund ist die schwierige Suche nach neuen Absatzmärkten. Die Nachfrage in Ländern wie China oder Russland ist eingebrochen, im Nahen Osten ist sie gedämpft. Zudem hat Russland ein Einfuhrverbot für europäische Produzenten erlassen. Lediglich in den USA steigt die Nachfrage nach Milch an.

Die CDU-geführte Bundesregierung hat gehandelt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat den Milchbauern finanzielle Soforthilfen versprochen. Wir wollen verhindern, dass Kleinbauern aufgeben müssen. Mit dem Agrarmarktstrukturgesetz haben wir notwendige Voraussetzungen dafür geschaffen. Für einen begrenzten Zeitraum von sechs Monaten können Mengenabsprachen getroffen werden, um die Rohmilchproduktion zu reduzieren. Die Option auf eine Verlängerung besteht.

Es ist allerdings keine politische Entscheidung, wie viel Milch produziert und zu welchem Preis sie auf den Markt gebracht wird. Vielmehr ermächtigt das Gesetz das Bundeslandwirtschaftsministerium Regelungen zu erlassen, um freiwillige Vereinbarungen anerkannter Agrarorganisationen für allgemein verbindlich zu erklären. Gefordert sind nun die Genossenschaften, sich nicht gegenseitig zu unterbieten. Die Milchproduzenten wissen besser als die politischen Entscheider, welche Mengenregelungen angemessen sind.

Allerdings wird eine nationale Regelung nicht reichen. Die Milchpreise zeigen eindrucksvoll, dass wir die Globalisierung nicht umgehen können. In jedem Fall wird Milch auch in Zukunft noch ein sehr gefragtes Lebensmittel ist. Für stabile Preise brauchen wir auch hier eine freiwillige europäische Lösung.


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