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Eckernförder Zeitung

24. August 2017 | 11:06 Uhr

Schrittweise Annäherung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm hat gestern in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Namensartikel veröffentlicht, der voll und ganz meine Position widerspiegelt. Blüm erklärt, die Bundeskanzlerin habe eigentlich etwas Selbstverständliches getan, „nämlich Menschen aus der Not zu retten.“ Er stellt weiter die Frage, ob sie die „Alten, Kinder, Gebrechlichen, Verzweifelten auf der Autobahn weitermarschieren“ lassen sollte. Die Flüchtlinge hätte es bereits gegeben, „schon bevor Merkel überhaupt den Mund aufgemacht hatte. Die Menschen fliehen vor islamischen Kopfabschlägern, vor Assads Fassbomben, vor einer syrischen Regierung, die Giftgas einsetzte.“ Norbert Blüm hat Recht. Die Diskussion wird oft so geführt, als habe Angela Merkel mit ihrem Verhalten die Flüchtlingswelle ausgelöst. Das ist aber nicht die Frage. Vielmehr ist den Skeptikern entgegenzuhalten, dass sich der Flüchtlingsstrom nicht wie ein Wasserhahn auf- oder zudrehen lässt. Nicht mit einer Obergrenze und auch nicht mit Grenzschließungen.

Wir wissen aber sehr gut, dass es dennoch eine Grenze der Kapazitäten in Deutschland gibt. Viele Kommunen und zahlreiche freiwillige Helfer stoßen an ihre Grenzen. Die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Horst Seehofer, haben sich auf gemeinsame Maßnahmen verständigt. Wir wollen Menschen in Not helfen, die Zuwanderung steuern und die Zahl der Flüchtlinge senken. Deshalb fordern wir Transitzonen, in denen für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern ein beschleunigtes Asylverfahren durchgeführt wird. Deutschland und Österreich werden schnellstmöglich an einem besseren Grenzmanagement arbeiten. Zudem wollen wir den Familiennachzug begrenzen. In einem einheitlichen Flüchtlingsausweis sollen alle Registrierungen und Erfassungen gebündelt werden. Die SPD ist jetzt am Zug, sich zu bewegen und ihren Widerstand gegen Transitzonen oder auch gegen die Begrenzung des Familiennachzuges aufzugeben.

Die Sorgen, die sich viele Menschen in Anbetracht der Flüchtlingswelle machen, verstehe ich sehr gut. Auch hier sei an ein Zitat von Angela Merkel erinnert: „Wir haben kein zu viel an Islam, sondern ein zu wenig an Christentum.“ Die im Grundgesetz verankerte „Würde des Menschen“ findet sich noch viel klarer in der Heiligen Schrift. In Matthäus 25:40 heißt es: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan ..." Wer das Gleichnis aber weiter liest, der findet auch dessen Spiegelbild. Was ihr nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.

Unsere globalisierte Welt ist im Wandel. Gerade weil die Gefahren von außen nicht an der Staatsgrenze Halt machen, ist es gut, die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Deutschland ist stark genug, das auszuhalten. Ich bin mir sicher.

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erstellt am 03.Nov.2015 | 09:49 Uhr

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