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Eckernförder Zeitung

22. August 2017 | 07:37 Uhr

Schrittweise Annäherung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Fall der Mauer am 9. November 1989 und der Tag der Einheit am 3. Oktober 1990 gehören zweifellos zu den Sternstunden, wie sie ein Volk nur selten erleben darf. Dennoch ist das Zusammenwachsen der Deutschen in Ost und West ein langfristiger Prozess. Ich glaube, dass wir heute einen Großteil dieses Weges zurückgelegt haben. Die Wirtschaftskraft der neuen Bundesländer hat enorm zugelegt. Nach dem Zusammenbruch der maroden DDR-Wirtschaft haben viele alte und neue mittelständische Unternehmen Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten.

Eine große Herausforderung war die Sanierung der Städte und Gemeinden, ebenso die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur. Die ehemalige DDR kannte keine Rücksicht auf die Umwelt und die Natur. Oft wird vergessen, dass auch die ökologische Sanierung von Chemiebetrieben sowie dem Uran- und Braunkohletagebau zum Aufbau Ost gehörte. Ein besonderes Beispiel der Solidarität ist aus meiner Sicht die Integration des Rentensystems der DDR in das umlagefinanzierte System der Bundesrepublik. Das war in der Tat nur möglich, indem sich die Angleichung der Renten bis heute schrittweise vollzieht. Nach dem Beitritt des DDR-Territoriums zum Geltungsbereich des Grundgesetzes und zur NATO mussten fast eine halbe Million sowjetische Soldaten und Zivilisten Ostdeutschland verlassen. Sie kehrten mit Hilfe der Bundesregierung in ihre Heimat zurück. Das war eine gewaltige logistische Meisterleistung, zumal der Vertragspartner, die Sowjetunion, 1991 in 15 Einzelstaaten zerfiel.

Dennoch sind nicht alle Hoffnungen der Menschen Wirklichkeit geworden. Die große Abwanderung aus Ostdeutschland hat die demografischen Probleme verschärft. Die Arbeitslosigkeit ist im Osten noch immer höher als im Westen. Zahlreiche ungeklärte Eigentumsverhältnisse haben den wirtschaftlichen Aufschwung verzögert.

Der Aufbau Ost bleibt dennoch eine beispiellose gesamtdeutsche Erfolgsgeschichte. Viele Menschen haben über Jahrzehnte auf die Wiedervereinigung hingearbeitet, auch wenn sie selbst nicht geglaubt haben, diesen Tag zu erleben.

Die CDU ist die Partei, die das mit besonderer Konsequenz getan hat. Auch deshalb bin ich Mitglied der CDU geworden. Helmut Kohl wird zurecht als „Kanzler der Einheit“ bezeichnet, weil er die Vorbehalte der Alliierten und der Nachbarstaaten vor einer deutschen Einheit ausgeräumt hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat betont, Deutschland sei heute ein anderes Land als 1990. Es ist richtig, dass das Zusammenwachsen der Deutschen in Ost und West unser Land verändert hat. Wir leben in einem weltoffenen und toleranten Deutschland. Der ehemalige polnische Außenminister Radoslav Sikorski sagte 2011, er fürchte deutsche Macht „heute weniger als deutsche Untätigkeit“. Nichts könnte diese Veränderung besser belegen.

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erstellt am 06.Okt.2015 | 11:37 Uhr

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