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Eckernförder Zeitung

26. September 2017 | 07:26 Uhr

Schrittweise Annäherung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 30.Jun.2015 | 09:55 Uhr

Der Bundestag berät in dieser Woche über die gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe. Das Thema ist sehr persönlich und emotional. Es berührt auch mich.

Die Frage ist, ob und in welchem Umfang organisierte Sterbehilfe für schwerstkranke und pflegebedürftige Menschen in der letzten Phase ihres Lebens möglich sein soll. In der Diskussion im Bundestag haben sich dazu vier Positionen herausgebildet, zu denen auch entsprechende Anträge erarbeitet wurden. Wir sprechen über eine Entscheidung, die zutiefst das eigene Gewissen und das persönliche Werteempfinden anspricht. Deshalb sind diese Positionen auch partei- und fraktionsübergreifend formuliert worden.

Eine Gruppe von Abgeordneten möchte entsprechenden Vereinen die nicht-kommerzialisierte assistierte Sterbehilfe erlauben. Eine zweite Gruppe wirbt für den ärztlich assistierten Suizid. Die Sterbehilfe wird dann in die Hände eines Arztes gelegt, der dem Patienten vertraut ist. Eine dritte Gruppe von Abgeordneten möchte die Hilfe oder Anstiftung zum Suizid generell unter Strafe stellen. Und eine vierte Gruppe, zu der auch ich gehöre, tritt für das Verbot geschäftsmäßiger Suizidbeihilfe ein, jedoch werden Angehörige und nahe stehende Personen strafrechtlich geschützt, wenn sie Hilfe zum Suizid leisten.

Aus familiärer Erfahrung weiß ich, wie sehr eine lebensbedrohliche Erkrankung das Wesen und den Körper eines Menschen verändert. Der Wunsch zu sterben, dabei zu helfen oder zumindest nichts mehr dagegen zu unternehmen, ist mir verständlich. Deshalb möchte ich, dass die Entscheidung für einen Suizid und die Beilhilfe von nahestehenden Personen straffrei bleibt. Niemand kann gegen seinen Willen zum Leben gezwungen werden, auch nicht vom Staat.

Die geschäftsmäßige und organisierte Hilfe zu einem Suizid lehne ich aber ab. In vielen Dingen unseres Lebens neigen wir dazu, ökonomisch zu denken. Wir machen eine Kosten-Nutzen-Analyse. Schwerstkranke und pflegebedürftige Menschen aber kosten viel Geld. Sie brauchen außerdem viel Zuwendung. Gerade hier verbieten die Menschenwürde und mein Respekt als Christ vor dem von Gott gegebenen Leben, eine Kosten-Nutzen-Analyse überhaupt nur in Erwägung zu ziehen.

Wichtig ist mir, dass wir in der liebevollen Fürsorge von schwerstkranken und pflegebedürftigen Menschen weiter vorankommen. Hier haben wir in den letzten zehn Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Wir sind heute so weit, die Palliativmedizin in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Hospize erhalten künftig mehr Geld. Die Sterbebegleitung wird Teil der sozialen Pflegeversicherung. Die Krankenkassen sind gefordert, Beratungsangebote zu unterbreiten. Das ist nach meiner Überzeugung die richtige Antwort.

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