Schrittmacher gegen eine überaktive Blase

Miniaturgerät im vergangenen Herbst erstmalig an der Imland-Klinik implantiert / Harndrang wird durch Minimalstrom auf normales Maß reduziert

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31. August 2018, 10:42 Uhr

Schrittmacher gibt es nicht nur fürs Herz. Im vergangenen Herbst wurde an der Imland-Klinik der erste Blasenschrittmacher implantiert. Urologie-Chefarzt Dr. Andreas Bannowsky, leitete die Operation. Die betreffende Patientin hatte unter einer starken Blasenfunktionsstörung gelitten und musste mehrfach täglich ihre Harnblase über Katheter entleeren. Darauf kann sie seit der Operation verzichten.

In 50 bis 80 Prozent kann der Schrittmacher bei Harnblasenüberaktivität helfen und den Harndrang auf ein normales, oder zumindest zufriedenstellendes Maß reduzieren. Die Steuerung der Blase funktioniert normalerweise vollautomatisch. Bei Männern setzt ab einer Füllmenge von etwa 350 bis 500 Millilitern Urin ein Harndrang ein, bei Frauen ab etwa 250 bis 500 Millilitern. Die Blase meldet ans Gehirn, dass ihre Kapazität erreicht ist. Das Gehirn wiederum meldet zurück, dass die Blase entleert werden sollte. Im Normalfall geschieht dies fünf- bis zehnmal am Tag. Gerät das System jedoch aus den Fugen, erfolgt die Meldung ans Gehirn weitaus früher. Mediziner sprechen von einer Drang-Symptomatik („Überaktive Harnblase“) bis hin zu einer Drang-Inkontinenz. „Die Blase meldet dann ständig, dass sie voll ist“, schildert Chefarzt Bannowsky das Problem der Betroffenen. Die Funktionsstörung kann zudem zu plötzlich auftretendem Urinverlust führen. Der Blasenschrittmacher sorgt dafür, dass die Falschmeldungen ans Gehirn verringert werden oder sogar ganz unterbleiben. Ein Minimalstrom überlagert dabei die Impulse, die die Blase über Nervenfasern ans Rückenmark weitergibt. Die Batterien des Schrittmachers haben eine Lebensdauer von sieben bis acht Jahren und müssen dann operativ ausgetauscht werden. Forscher arbeiten daran, die Batterien künftig induktiv aufzuladen – also durch die Haut.

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