Eckernförder Classics 2015 : Schöne Kurven und heiße Motoren

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Bei den 12. Eckernförder Classics zeigten sich die Schmuckstücke von damals

shz.de von
27. Juli 2015, 06:04 Uhr

Als in der Nacht zum Sonnabend in Eckernförde mit einem brachialen Gewitter der Regen in Sturzbächen vom Himmel fiel, wird mancher Teilnehmer der Eckernförde Classics wohl unruhig geschlafen haben.

Zum zwölften Mal trafen sich in unserer Stadt Oldtimerfreunde vorrangig aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen, um ein Wochenende unter dem Motto „Prinz-Heinrich-Fahrt“ mit gemeinsamen Ausfahrten in die Hüttener Berge und Schwansen zu verbringen.

Die weiteste Anreise der 123 bewundernswerten Fahrzeuge hatten ein Fiat 500 Giadiniera – die Kombiversion des bekannten Fiat 500 mit gerade 19 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern aus Mainz und historische Honda-Motorräder aus Siegen.

Mit Aufstellung der Oldtimer direkt am Hafen startete nach kurzer Begrüßung durch Bürgermeister Jörg Sibbel der erste Programmpunkt. Die Fahrzeuge wurden von Waldemar Behn ausführlich vorgestellt und zur Ausfahrt zum Lufttransportgeschwader 63 in Hohn/Rendsburg für die Besichtigung einer Transall verabschiedet.

Zuerst wurden den Zuschauern die richtig alten Autos präsentiert, beispielsweise ein Horch, der auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann. Der Oldtimer aus dem Jahr 1931 befindet sich von Anfang an in Familienbesitz und wurde ideenreich während der Kriegsjahre eingemauert, damit er nicht konfisziert wurde. Es folgte neben einem Studebaker mit Baujahr 1920 und einem Dodge aus dem Jahre 1924 ein rechtsgelenkter Rolls Royce, der 1934 immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometer erreichte.

Mit dem Spruch „zwei Pfund Blech und ein Pfund Lack – fertig ist der Hanomag“ kündigte Waldemar Behn das nächste Vorkriegsfahrzeug an.

Es folgten mehrere DKW: ein DKW F8 (das „F“ steht für Frontantrieb) mit laut Behn so genannten „Selbstmördertüren“, die nämlich nach vorne öffnen und dabei den Fahrer leicht mit aus dem Sitz rissen, und andere liebevoll im Originalzustand erhaltene oder restaurierte. DKW (Deutscher KraftWagen) war Teil der Auto Union, dem ersten deutschen staatlichen Automobilkonzern, der aus der Fusion der Automarken DKW, Horch, Wanderer und Audi entstand. Das Firmenzeichen der vier verschlungenen Ringe symbolisierte diesen Zusammenschluss und ist noch heute das Logo aller Audi.

Als Startnummer 22 rollte das „Mäuschen“ heran – der Fiat Topolino – der es als Vorgänger des legendären Fiat 500 mit seinen 13 PS und seinen stolzen Besitzern immerhin bereits auf 60  000 Kilometern und Reisen nach Rom und in die Toskana gebracht hat.

Nach einigen top gepflegten Zweirädern mit und ohne Beiwagen lenkten nun die VW Käfer Cabrios die Aufmerksamkeit der Zuschauermenge auf sich – ob nun spartanisch als „Brezelkäfer“ mit der geteilten Heckscheibe oder vielfältigen Accessoires wie Blumenvase, Weißwandreifen oder Hutzen auf den Scheinwerfern ausgestattet. Waldemar Behn dazu: „Merken Sie sich den Namen Erwin Komenda, der im Ingenieurbüro bei Ferry Porsche arbeitete und die Karrosserie-Pläne für den Käfer zeichnete. Damit ist Komenda der eigentliche Entwickler des Käfer.“ Bis 2003 wurden insgesamt 21,5 Millionen Käfer gebaut und einige besonders schöne Exemplare durften am Sonnabend am Eckernförder Hafen bewundert werden.

Die nächsten vorfahrenden Oldtimer lassen noch heute jedes Frauenherz höher schlagen: der Karmann Ghia – immerhin wurden bis 1974 in Osnabrück 450  000 Stück gebaut, davon 80  000 als Cabrio. Hierbei sprach Behn die richtige Aussprache des „Ghia“ an, nämlich mit einem einfachen und harten „G“ und nicht, wie fälschlich oft zu hören, als weiches „Dschi“, denn schließlich – so Behn – „sagt man auch nicht Spadschetti, sondern Spaghetti“.

Das Fahrzeug mit den meisten Kilometer auf dem Tacho rollte vor: ein Autobianchi A 112 aus dem Fiat Konzern mit einer Gesamtleistung von 711000 Kilometern bei 44 PS. Dass dieser „kleine Italiener“ bei der Oldtimerralley in Namibia teilnahm, veranlasste die Zuschauer zu einem Spontanbeifall.

Endlich erschienen die klassischen englischen Oldtimer in der typischen Farbgebung „british racing green“. Und ein ganz standesgemäßer Engländer: ein Bentley im absoluten Originalzustand ganz traditionell mit Chauffeur und einem sehr besonderen Gast: die Schirmherrin der Classics, Edwina Herzogin zu Mecklenburg von Posern und ihr Ehemann hatten im Fond Platz genommen. Die Urenkelin von Prinz Heinrich von Preußen hat gestern am Herrenhaus Gut Hemmelmark für die Teilnehmer der Eckernförde Classics einen Empfang geben.

Die Mercedes-Oldtimer bildeten den Abschluss dieses wertvollen Konvois und präsentierten sich top restauriert in allen denkbaren Karrosserieformen, ob nun als Limousine, Coupé oder Cabrio, als Zwei- oder Viersitzer, ob in dunkelblau, grau oder dunkelrot, nichts schien im Mercedes-Werk unmöglich zu sein.

Ein Toyota Landcruiser und ein Mercedes L319 Abschleppwagen aus 1964 rollten vorbei und haben sich ebenso wie die vorausgefahrenen Schmuckstücke gestern vor dem Herrenhaus für das Abschlussfoto der Classics 2015 einreihen.

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