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flohmarkt auf der Deponie : Schnell sein lohnt sich

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Über 50 000 Euro wurden bei den Flohmärkten auf der Deponie eingenommen. 2017 soll ein Repair-Café das Angebot vor Ort erweitern.

Alt Duvenstedt | 7500 Euro wanderte nach dem Flohmarkt in die Kasse des Vereins „Plietsch und stark“, der damit sozial benachteiligten Kindern Schwimmunterricht ermöglicht. 5500 Euro gab es für den Helferkreis aus Alt Duvenstedt und seine Flüchtlingsarbeit und über gut 3000 Euro freute sich der Helferkreis des Naturfilmfestivals Green Screen. Am 20. November war es dann noch einmal das Aktionsnetzwerk „Garten der Vielfalt“, die bei rund 800 Besuchern knapp 6000 Euro kassierten. Die Flohmärkte auf dem ehemaligen Deponiegelände der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) in Alt Duvenstedt sind ein Erfolg. Gegenstände, die sonst auf dem Sperrmüll oder im Restmüll landen würden, werden hier zu Geld gemacht. „Über 50  000 Euro in diesem Jahr“, berichtet Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der AWR über den Gesamterlös der neun Märkte. Im vergangenen Jahr waren es bei acht Märkten rund 30  000 Euro.

Viele Bürger geben direkt auf den Recyclinghöfen Sachen ab, für die sie keine Verwendung mehr haben. Und auch die AWR-Mitarbeiter auf den Höfen sortieren die Dinge aus, die noch für den einen oder anderen Euro verkauft werden können. Mit Irene Husser hat die AWR jemanden eingestellt, der auf den Recyclinghöfen die Flohmarktartikel zusammensucht. So würden nicht nur die Vereine profitieren, sondern durch die Müllvermeidung auch die Umwelt. Schnell kommt da ein großer Fuhrpark an Fahrrädern zusammen, außerdem Spielzeug, Porzellan, Kleinmöbel, Elektrogeräte oder auch Dekorationsartikel. „Hier gibt es wirklich Schnäppchen“, sagt Hohenschurz-Schmidt. Wenn sich um 9 Uhr die Tore zum Gelände öffnen, stürmen die Besucher los, jeder will der erste sein. Zwischen 9 und 10 Uhr sei es dann rappelvoll, berichtet er.

Vereine und Institutionen können sich bei der AWR bewerben, um den Verkauf auf der Deponie zu organisieren. Dazu gehört der Aufbau am Freitag und die Standbetreuung am Sonntag von etwa 7 bis 14 Uhr. Dafür erhalten sie am Ende des Tages die kompletten Einnahmen. Je nach Verhandlungsgeschick können dass dann zwischen 3000 und 8000 Euro werden. „20 bis 25 Helfer müssten es schon sein“, rät Christine Schulte, die die Bewerbungen sichtet (c.schulte@awr.de). Daher empfehle sie auch manchem Verein, sich mit einem anderen zusammenzutun, um den personellen Aufwand zu stemmen. Vor Ort werden die Helfer von Mitarbeitern der AWR unterstützt, auch die Feuerwehr aus Alt Duvenstedt ist dabei.

Die Bewerbung des Vereins, so erläutert Schulte, muss eine Projektbeschreibung enthalten, in der die Ziele und Vorhaben skizziert werden. Denn der Bewerber sollte sich mit Themen wie Umwelt- und Klimaschutz oder Bildung befassen.

Im nächsten Jahr wird die AWR 25 Jahre alt. Dann sind zehn Termine geplant, alle verbunden mit Sonderaktionen. So wird es im März einen Gartenflohmarkt geben, im Sommer einen Markt mit Live-Musik. Für zwei bis drei Termine können sich noch Vereine bewerben. Den Auftakt machen am 22. Januar die dänischen Pfadfinder aus Rendsburg, die Schrebergärten zu Naturgärten gestalten.

Für die zweite Jahreshälfte plant die AWR eine besondere Neuerung. Das Prinzip der Wiederverwendung soll weiter ausgebaut werden. Auf dem Deponiegelände soll eine Flohmarktwerkstatt entstehen, ein so genanntes Repair-Café. Ein entsprechender Zuschussantrag bei der Aktiv Region Eider und Kanalregion über rund 95  000 Euro wurde bereits positiv beschieden. Insgesamt kostet das Projekt, inklusive der Personalkosten, etwa 200  000 Euro. In der Werkstatt sollen dann gebrauchte Gegenstände, die beispielsweise auf dem Flohmarkt erworben werden, repariert werden. Wer bei sich zu Hause nicht über das notwendige Werkzeug, die Ersatzteile oder Know-How verfügt, bekommt hier Hilfe. Bei der Zerlegung und Reparatur von Geräten oder auch nur dem Flicken eines Fahrradreifens seien viele Menschen überfordert, Ersatzteile auch über den Fachhandel oftmals nicht zu bekommen. „Wir wollen keine Konkurrenz zur den örtlichen Werkstätten sein“, betont AWR-Mitarbeiterin Carolin Jürgens. Hilfe zur Selbsthilfe heiße hier das Prinzip. Klar sei, dass in der Werkstatt keine hochwertigen Geräte wieder flott gemacht werden sollen, das sei dann Sache des Handels, sagt auch Hohenschurz-Schmidt. Für dieses Projekt wird die AWR drei Personen einstellen, zwei von ihnen mit jeweils einer halben Stelle sollen aus dem Kreis der Flüchtlinge kommen oder Menschen sein, die keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt haben.

Geplant ist auch eine mobile Werkstatt, die beispielsweise an Schulen und anderen sozialen Einrichtungen Station macht, um dort gemeinsam Dinge zu reparieren. Auch könnten Workshop angeboten werden. Über eine App soll es möglich sein, ein Blick auf die Materialliste der Werkstatt werfen zu können. Hier erhofft sich die AWR auch eine Vernetzung mit anderen Reparatur-Cafés, wie sie unter anderem von Flüchtlingsinitiativen betrieben werden.

 

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erstellt am 08.Dez.2016 | 06:08 Uhr

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