Fit im Winter : „Schneeschieben ist wie Sport“

Noch liegt Laub, das Uwe Rückert, stellvertretender Chefarzt der Orthopädie II der Rehaklinik Damp mit dem Schneeschieber bewegt– bald kann es schon Schnee sein, der den Rücken und die Kondition herausfordert.
Noch liegt Laub, das Uwe Rückert, stellvertretender Chefarzt der Orthopädie II der Rehaklinik Damp mit dem Schneeschieber bewegt– bald kann es schon Schnee sein, der den Rücken und die Kondition herausfordert.

Orthopäde Uwe Rückert vergleicht Schneeschieben im Winter mit Sport. Mit Aufwärmübungen und ausreichend Zeit will er den Umfang der Rückenschmerzen durch hektischen und unvorbereiteten Winterdienst vorbeugen.

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
08. November 2013, 06:00 Uhr

Funktionelle Kleidung und passendes Sportgerät, die Muskulatur aufwärmen, den Kreislauf anregen und Zeit haben – wer Sport macht, weiß das und beugt so Verletzungen vor. Wer morgens auf die Schnelle vor der Haustür Schneeschaufeln und Schieben muss, der verzichtet oft darauf – Hexenschuss und andere Beschwerden sind oft die Folge, hat Uwe Rückert, Orthopäde der Helios Rehaklinik Damp festgestellt. „Schneeschieben müsste man wie Sport einstufen“, sagt er.

„Man muss sich die Mengen mal vorstellen, die man in so einem Winter wie in diesem Jahr bewegt“, sagt Rückert. Drei bis vier Kubikmeter Schnee kämen da schnell nach Neuschnee bei einer Garagenauffahrt oder auf dem Gehweg um das Reihenendhaus zusammen. Auf die Idee, solche Mengen Sand am Strand zu bewegen, käme keiner. „Das ist echt eine körperliche Herausforderung“, sagt Rückert. Im Winter müsse das aber sein. Es werde dann so ziemlich alles falsch gemacht, was geht. Man läuft unaufgewärmt mit der falschen Bekleidung raus. Bereit steht vermutlich noch ein alter schwerer Schneeschieber aus Holz. Im Hauruckverfahren und mit viel Stress wird der Schnee weggeschaufelt. Die Zeit ist knapp, die Fahrt zur Arbeit bei so einem Wetter doppelt so lange. Die Kleidung wird nicht gewechselt, es droht eine Erkältung, und dann noch der Rücken. Gab wohl eine falsche Bewegung, jedenfalls schmerzt er jetzt.

Deutlich mehr Patienten waren im Frühjahr wegen Rückenbeschwerden oder auch mit Knochenbrüchen in der Klinik, berichtet Rückert, der stellvertretender Chefarzt der Orthopädie II der Rehaklinik ist. Wer fit und sportlich ist, für den seien die Tipps sicher überflüssig, aber wer eh schon etwas Rückenschmerzen habe und über wenig Kondition verfüge, dem könne es doch helfen.

„Wenn Schnee liegt, locker bleiben“, gibt Rückert als Tipp. Es sei wichtig ausreichend Zeit für das Schneeräumen einzuplanen, gegebenenfalls früher aufstehen. Statt bisher vielleicht zehn Minuten mit Stress, lieber 15 Minuten mit Ruhe. Wer morgens die Zeit nicht hat, der kann vielleicht mit Nachbarn Unterstützung verabreden. Funktionelle Kleidung, die Körperfeuchte verdunsten lässt, zugleich aber Verdunstungskälte vorbeugt sowie feste Schuhe, auch mit Spikes, sind genauso wichtig wie Bewegungsübungen zum Aufwärmen noch im Haus, sagt Rückert. Ein paar Minuten auf der Stelle laufen, Arme und Oberkörper kreisen lassen, das reicht. Draußen steht dann ein leichter Schneeschieber griffbereit. Leicht in die Knie gehen und lieber kürzere Wegstrecken schieben. Bei Eis einen Eisschieber einsetzten, der den Rücken schont. Auch eine kurze Verschnaufpause hilft, damit „das Schneeschieben zum Sporterlebnis wird“, so Rückert.

„Wer im Winter in Skiurlaub fährt, der bereitet sich auch mit Gymnastik vor“, sagt der Orthopäde. Auf den Winter zu Hause könne man sich daher auch vorbereiten. Positiver Nebeneffekt sei, die Kondition verbessere sich, man bekomme viel frische Luft in die Lungen und die Muskulatur stabilisiere sich. Das wiederum beuge Rückenschmerzen vor. „Jetzt muss es nur noch schneien“, sagt Rückert, „ich bin vorbereitet.“

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