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VISUAL ART AM KURSTRAND : Schneebett vor maritimer Kulisse

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Installationskünstler Idan Hayosh aus Israel verwandelte am Dienstag den Strand in ein begehbares Kunstwerk. Die MS Deutschland bildete einen würdigen Hintergrund.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 05:40 Uhr

Eckernförde | Hatte es bei strahlendem Sonnenschein geschneit? Strandbesucher und Spaziergänger rieben sich gestern verwundert die Augen – lag doch am Kurstrand auf Höhe des Spielschiffes etwas Weißes, das den Betrachter sofort an Schnee erinnerte. Und die vier Kästen kurz vor dem Wassersaum – waren das etwa Kühlschränke? Idan Hayosh nickt zustimmend. Genauer gesagt handele es sich um vier nagelneue Gefrierkombinationen, erklärt der 38-Jährige aus Tel Aviv.

Der Israeli ist neuer Stipendiat des Schleswig-Holsteinischen Künstlerhauses in der Ottestraße und seit vier Tagen in Eckernförde. Aber seit Januar, kurz nach der Zusage des Stipendiums, habe er bereits gewusst, dass er eine Installation am Eckernförder Strand errichten wolle. „Spring 5“ (Frühling) ist das Kunstwerk betitelt, das in einer Reihe von Spring-Werken steht. Auf einer rund 30 Quadratmeter großen Fläche hat Idan Hayosh mit Unterstützung der Künstlerin Isabell Schulte Kunstschnee auf dem Sand verteilt. Über 3 Stunden hat die Aktion, die morgens um 6 Uhr begann, gedauert. Vier Gefrierkombinationen bilden eine unsichtbare Linie vor dem Wassersaum. Hayosh arbeitet nahezu obzessiv: „Wenn ich Schnee im Sommer sehen will, dann tue ich es“, erklärt der Installationskünstler. Und Schnee ist nun mal vergänglich – auch aus diesem Grund haben Hayosh und Schulte gestern am frühen Abend das Kunstwerk vom Strand entfernt. Hat der Künstler eine Idee im Kopf, bereitet er sie zu 90 Prozent vor – der Rest ist dem Ort der Installation geschuldet. „Ich reagiere dann spontan auf die lokalen Bedingungen“, sagt der Israeli. Der 38-Jährige freut sich über die Reaktionen, die seine Installation bei den Spaziergängern auslöst. Die MS Deutschland, die im Hintergrund auf dem Wasser zu sehen ist, fügt sich perfekt in die Installation ein. Viele bleiben auf der Promenade stehen, andere betrachten das Kunstwerk aus unmittelbarer Nähe, einige öffnen sogar die Kühlschränke. „Ich möchte Kommunikation. Wenn ich meine Kunst draußen installiere, habe ich Publikum, das ansonsten nicht den Weg in eine Ausstellung findet“, so Hayosh. Eine ähnliche Installation (Spring 2) hat er bereits 2016 in den Alpen errichtet.Im Winter verlegte er im Schnee eine Kunstrasenfläche, an deren Ende er Heizstrahler stellte.

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