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Neubau mit Café geplant : Schnäppchenjäger am Jungfernstieg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Haus Nr. 32 steht seit zehn Jahren leer, am Sonntag konnte alles kostenlos mitgenommen werden. Neuer Eigentümer plant Neubau mit Café, Ferienwohnungen und Tiefgarage.

Eckernförde | Der Kalender, der in dem alten Haus im Jungfernstieg 32 noch an der Wand hängt, zeigt das Datum vom 24. April 2007. Seit zehn Jahren steht das Haus, in dem ehemals die Firma Importgroßhandel Walter Hofacker untergebracht war, leer. 2016 hat Dirk Jesaitis das knapp 900 Quadratmeter große, L-förmige Grundstück, das direkt an die Promenade grenzt, gekauft – und mit ihm das Haus. Der geschäftsführende Gesellschafter des Ingenieurbüros Plan 8 möchte es abreißen und stattdessen einen Neubau errichten. Doch in dem Haus gab es immer noch viele Hinterlassenschaften seiner früheren Bewohner, angefangen von Möbeln, Büchern über komplette Badezimmereinrichtungen, Lampen und Küchengeräten bis hin zu Federbetten, Brettern und Fliesen – bis gestern. Denn Roma Jesaitis hatte die Idee, über Facebook diese Dinge zum kostenlosen Abholen anzubieten. Und das ließen sich die Leute nicht zweimal sagen.

Bereits weit vor 13 Uhr versammelten sich über 100 Interessenten vor dem Schuppen, der ebenfalls zur Liegenschaft gehört. Viele hatten sich gut vorbereitet und Werkzeug dabei. So Katharina Landschoof aus Rieseby. Die Zahntechnikerin hat vor kurzem einen Resthof in Rieseby erworben und ist auf der Suche nach Türen und Lampen. Im Erdgeschoss des Hauses im Jungfernstieg entdeckt sie eine alte barock anmutende Deckenlampe. „Wunderbar – die kommt bei mir in die Tenne“, so Landschoof. Christian Schulz aus Damp findet eine alte fahrbare Stereoanlage, die nur Radio und Kassettenteil hat, entscheidet sich dann doch für eine Personenwaage. Sabine Holz aus Barkelsby ist auf der Suche nach Geschirr und Besteck, verliebt sich dann aber in Gläser, die sie im Wohnzimmerschrank sieht. „Wir sind Schnäppchenjäger aus Leidenschaft“, bekennt Florian Wittenberg aus Barkelsby, der für seine Nachbarin Sonja Quaas eine Lampe abschraubt, die bei ihr im Vorflur einen neuen Platz finden soll. Sie hätte auch zu gerne ein rosafarbenes, noch völlig intaktes Waschbecken mitgenommen: „Das ist doch retro und schon wieder modern.“

Dirk und Roma Jesaitis sind sehr überrascht angesichts der großen Resonanz auf ihre Facebook-Ankündigung. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass so viele kommen“, sagt der Geschäftsführer. Er plant an der Stelle des alten Hauses einen Neubau, in dem an der Seite zur Promenade hin ein Café eingerichtet werden soll. In dem Staffelgeschoss, das auch zwei Ferienwohnungen beinhalten soll, möchte Jesaitis mit seiner Familie oben selbst eine Wohnung beziehen. Dort, wo jetzt noch der Schuppen steht, soll ein Gebäude mit sieben Ferienwohnungen entstehen. Eine Tiefgarage vervollständigt den Neubau. „Die Pläne sind fertig. In der nächsten Woche wollen wir den Bauantrag bei der Stadt einreichen“, erklärt er.

In dem Haus, dem Schuppen und dem Büro des ehemaligen Importgroßhandels verbergen sich viele kuriose Dinge. Kevin aus Eckernförde findet Originalverpackte Kartons, in denen Seidentücher für die Städte Wuppertal, Düsseldorf, Bad Homburg, Saarbrücken und Stuttgart liegen. Es handelt sich um Souvenirs aus längst vergangenen Tagen für Touristen. Seine Mutter Angela Lüdrichsen entdeckt Siegelringe für Kappeln. Während viele Interessenten sich mit Kleinigkeiten wie Topflappen oder Schaumkelle begnügen, sind andere dabei, auf einen bereitstehenden Hänger Bretter zu laden. „Alles viel zu schade zum Wegwerfen“, sagt ein Eckernförder, „und im Baumarkt muss ich dafür viel Geld zahlen.“

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erstellt am 26.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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