Ausgenutztes Mitleid : Schmutzige Geschäfte der Spendenmafia

In den Straßen sind neben echten Obdachlosen auch Bettelbanden unterwegs.
In den Straßen sind neben echten Obdachlosen auch Bettelbanden unterwegs.

Es gibt tatsächlich viel Leid auf den Straßen, aber auch skrupellose Banden, die gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen.

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08. März 2017, 14:18 Uhr

Vor fast 30 Jahren hatte ich in einer kleinen, gepflegten Stadt in Bayern ein einschneidendes Erlebnis, das meine Lebenseinstellung von Grund auf geändert hat. Eine junge Frau saß auf einer zusammengefalteten Wolldecke in der belebten Hauptstraße an eine Hauswand gelehnt. Sie hatte ein hübsches Gesicht, aber sehr traurige Augen und lächelte mich zögerlich an. Eine kleine, helle, etwas zerbeulte Metallschale hielt sie in der Hand, in der ich einige Groschen und ein Markstück erkennen konnte. Sie tat mir schrecklich leid, und ich legte ihr mit einem freundlichen Lächeln einige Geldstücke in das Gefäß. Sie bedankte sich sehr zaghaft und höflich. Meinem Inneren tat es gut dieser jungen Frau, die vielleicht ein krankes Kind zu Hause hatte, eine kleine Unterstützung zukommen zu lassen.

Wie der Zufall es wollte, war ich am selben Tag am späten Nachmittag noch einmal in dieser Gegend unterwegs, sah, wie diese junge Frau von einem Kombi-Pkw abgeholt wurde, in dem bereits mehrere junge Leute saßen, schallend lachten, anscheinend ganz aus dem Häuschen waren und hämische Faxen machten. Auch meine vormals so traurige Frau, war mit einem Mal wie umgewandelt, so als hätte sie einen höchst erfreulichen Tag hinter sich.

Erst einige Zeit später hörte ich von einer sogenannten Spenden-Mafia (schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid). Sie soll morgens junge Menschen in verschiedenen Orts- und Stadtteilen aussetzen, und sie unter Androhung von Strafe zwingen, Geld zu erbetteln, das sie ihnen zum größten Teil abends abnimmt. Ich sollte plötzlich Unterstützerin einer Spendenmafia geworden sein? Mein ehrlich verdientes Geld sollte Betrüger bereichern, die sich, nicht nur auf meine Kosten, schmutzigen Geschäften widmen und sich ein Leben in Saus und Braus genehmigen? Das war mir eine Lebenslehre und würde mir nie wieder passieren.

Im Laufe der vielen Jahre sind mir durch die Medien immer mehr erschreckende Spendenskandale bekannt geworden. Nun sind natürlich nicht alle Organisationen, Vereine, Gesellschaften, Clubs oder Geschäftsinhaber Betrüger, aber irgendwo sitzt doch anscheinend oft ein „schwarzes Schaf“, das sich Geld in die eigene Tasche wirtschaftet. Plötzlich fehlen Beträge in Millionenhöhe - und keiner hat‘s gemerkt, bis das Geld verschwunden war.

In Eckernförde hat einige Jahre lang ein junges Pärchen, verkleidet mit Micky Maus-Ohren, einen größeren Wagen mit der Aufschrift „Helfen Sie krebskranken Kindern“, vor sich her geschoben. Ein Fernsehteam hat diese jungen Leute auf dem Weg zurück zu ihrem Initiator begleitet. In einem schicken Bungalow wurde die Tür geöffnet und ein Herr im mittleren Alter konnte auf Fragen nach dem Verbleib der Spenden nur sehr wenige Überweisungsbelege über 100 Euro an Hilfsorganisationen vorlegen. Auf die Frage der Reporter, womit er denn seine fünf Luxuskarossen, die in einem Carport neben dem Pracht-Bungalow standen, bezahlt hätte, lächelte er nur, gab keine weitere Auskunft und schloss die Haustür.

Wenn Sie jetzt der Meinung sind, dass ich ein Spenden-Muffel bin, dann irren Sie sich. Spenden ist für mich eine ganz persönliche und private Herzensangelegenheit. Dafür habe ich mir hier in Eckernförde kleine, mir lieb gewordene Vereine und Privatpersonen ausgesucht, die ich gerne seit Jahren finanziell unterstütze. Das wird nicht an die große Glocke gehängt, und gibt mir ein zufriedenes und gutes Gefühl.


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