zur Navigation springen

Oldies mit zwei Rädern : Schmidts Bastlerherz schlägt für alte Zweiräder

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Hüttener Werner Schmidt ist leidenschaftlicher Motorradfan.

15 D-Mark so viel hat Dr. Werner Schmidt (72) für sein erstes Motorrad bezahlt. 14 Jahre alt war er, als er die Miele 98 aus den 40er-Jahren auf dem Schrottplatz „Radommel“ kaufte. 15 D-Mark, das war der Schrottpreis. Aber Schmidt machte sich ran und die Maschine wieder fahrtüchtig. Einen Führerschein hatte er damals noch nicht und so konnte er nur zum Spaß auf dem Gelände der Torpedo-Versuchsanstalt in Eckernförde seine Runden drehen. Sein Motorrad hatte einen defekten Vergaser, deswegen hatte er einen Gastank hinten aufgeschnallt. Sein nächstes Motorrad war eine DKW, die er Anfang der 60er-Jahre auf dem Sperrmüll gefunden hat. „Damals haben alle Autos gekauft“, erinnert sich Schmidt.

Das ist rund 50 Jahre her. Mittlerweile hatte der Orientalist und Betreiber des Hüttener Kruges, Dr. Werner Schmidt, rund 50 Motorräder. Die DKW tauschte er gegen eine BMW. So ging es weiter. Eine Maschine nach der anderen. Die unterschiedliche Typen interessierten ihn. „Motorräder waren damals erschwinglich“, sagt Schmidt. 200 D-Mark hat er für die BMW bezahlt. Aber der Wert der Maschinen stieg: Für 700 D-Mark hat er sie wieder verkauft und konnte sich von dem Geld ein anderes Motorrad kaufen.

Auch während seines Studiums in Kiel und Bonn hat er Motorräder besessen. Das Praktische daran: „Man kann nach Madrid fahren und mit dem Motorrad in der Stadt fahren. Das kann man mit einem Auto nicht“, berichtet Schmidt und betont, dass es ihm wichtig ist, immer einen Parkplatz zu bekommen. Der Hüttener ist viel verreist. Er war mit dem Motorrad mehrmals in Italien, Spanien, Marokko, Algerien und der Tschechoslowakei. „Man ist richtig in der Natur“, schwärmt er.

Dabei hat er einiges erlebt: „Man kommt an Orte, an die man sonst nicht kommt“, so Schmidt. Er war mit seinem Motorrad in Moulay Idris, einem Wallfahrtsort in Marokko, den man mit dem Auto nicht erreicht. „Mir kommt es darauf an, mit den Menschen Kontakt zu haben.“ Er sei stets gastfreundlich empfangen worden. Als in der Sierra Nevada bei seinem Motorrad das Licht nicht mehr ging, begleitete ihn die Guardia Civil.

Als der Kolben seiner BMW R25/3 in Spanien kaputt ging, besorgte er einen ähnlichen Kolben von einer Dukati. Den Zylinder setzte er am Straßenrand mit einer Papierdichtung höher und feilte von dem Kolben möglichst viel mit einer Nagelfeile ab. Reperatur erfolgreich – es konnte weitergehen. „Mit modernen Motorrädern kann man das nicht machen.“

Dr. Werner Schmidt mag alte Motorräder. Bis Baujahr 1956. Die später gebauten Maschinen findet er hässlich. „Die Motorräder bis 1956 sind schön und sie haben einen Nutzen.“ Bis heute hat sich der 72-Jährige seine Leidenschaft für Oldtimermotorräder erhalten. Er kauft alte Motorräder und restauriert sie. Seine älteste Maschine ist eine französische Magnat-Debon aus dem Jahr 1936. Beim Fitmachen der alten Schätze kommt es ihm nicht darauf an, dass sie hinterher blitzen und blinken. „Ein altes Motorrad muss auch alt aussehen.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen