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Eckernförder Zeitung

21. August 2017 | 18:02 Uhr

Schmerzfrei nach 22 Jahren

vom

Junge Russin bekommt nach langem Leidensweg in der Imland-Klinik Eckernförde ein neues Hüftgelenk

Eckernförde | 22 Jahre lang musste Karina Mikhailenko aus der russischen Drei-Millionenstadt Nischni Nowgorod mit ihrer angeborenen schweren Fehlstellung ihres rechten Hüftgelenks leben. Trotz ihrer starken Schmerzen, den übrigen Beeinträchtigungen und mehrerer fehlgeschlagener Operationen in ihrer Heimat hat sie Abitur gemacht und ihr Englischstudium abgeschlossen. Die Schmerzen dürften endgültig der Vergangenheit angehören: Am 24. Juli hat ihr Gelenkspezialist Dr. Steffen Oehme im Zentrum für Gelenkersatz der Imland Klinik Eckernförde ein neues Hüftgelenk implantiert. "Mir geht es gut, ich habe keine Schmerzen mehr", sagt die junge Frau überglücklich. Noch muss sie im Rollstuhl sitzen und kann sich nur mit einem Gehwagen langsam fortbewegen. Aber in einigen Wochen dürfte sie mit Gehstützen zurechtkommen und irgendwann kann sie wohl auch darauf verzichten. "Karina macht dank der täglichen Therapie sehr gute Fortschritte", sagt Dr. Oehme.

Die Operation war auch für ihn als erfahrenen Operateur eine außergewöhnliche Herausforderung. Allerdings eine, die er zu meistern wusste. Durch die angeborene Fehlstellung sind Knochen und Muskeln der rechten Körperhälfte nicht richtig ausgebildet, die Muskeln verkürzt. Oehme hat in dem 90-minütigen Eingriff - üblich sind 40 Minuten - ein Titan-Hüftgelenk mit Kunststoffpfanne eingesetzt und die Fehlstellung korrigiert. Dadurch konnte er das vorher um drei Zentimeter kürzere rechte Bein bis auf einen Zentimeter an die Normalstellung angleichen.

Seit dem erfolgreichen Eingriff kümmert sich die leitende Physiotherapeutin Astrid Eickhoff täglich um die junge Russin. Sie wendet in diesem besonderen Fall eine Doppeltherapie aus orthopädischer und neurologischer Behandlung an. Als besonders hilfreich hat sich die komplexe Bobath-Therapie erwiesen, die bei Störungen des zentralen Nervensystems sowie sensomotorischen Auffälligkeiten, kognitiven Beeinträchtigungen und anderen neurologischen Erkrankungen zum Einsatz kommt. Gleichgewichtstraining und Muskeldehnung stehen auf dem Programm. "Wir haben viel Spaß miteinander", sagt Eickhoff, die sich in einem Sprachmix aus Deutsch, Englisch und Russisch mit ihrer Patientin unterhält. Am Sonnabend kann Karina die Station verlassen, bleibt aber zwei weitere Wochen in der Region und kommt täglich zur ambulanten Therapie in die Imland Klinik, um gut stabilisiert die Heimreise nach Russland antreten zu können.

Die operative und therapeutische Hilfsaktion ist durch private Kontakte von Oberarzt Dr. Peter Thomsen nach Nischni Nowgorod ins Rollen gekommen. Er nahm Röntgenbilder mit nach Eckernförde, zeigte sie seinem Kollegen Oehme, schnell war man sich in der Imland Klinik einig, in diesem Einzelfall helfen zu wollen. Die Ärzte operierten honorarfrei, die Implantathersteller sponserte das Hüftgelenk, die Orthopädiefirma Rieger aus Kappeln stellte Gehhilfen zur Verfügung, die aus Kasachstan stammende Aussiedlerin Elsa Moor aus dem Imland-Seniorenhaus übersetzte und Privatpersonen sorgten für die Unterkunft. Dadurch hielt sich der Aufwand für die russische Familie, die dennoch an ihre finanzielle Grenzen geriet, im Rahmen und belief sich in etwa auf die Hälfte der üblichen Kosten für eine Hüft-OP.

Karina und ihre Mutter Irina - selbst Ärztin in Nischni Nowgorod - können ihr Glück kaum fassen, dass ihnen in Eckernförde zuteil geworden ist. "Tausend Dank", sagte Mutter Irina gestern in der Imland-Klinik. Sie dankte den Ärzten, Physiotherapeuten, Krankenschwestern und all jenen, die sie unterstützt haben. Wenn sie am 22. August wieder abreisen, haben sie die Prognose von Dr. Oehme im Gepäck: Karina wird wieder schmerzfrei gehen können. Und das dürfte Ansporn genug sein, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen: Die 22-Jährige möchte noch Psychologie studieren.

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erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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