Verschmutzung der Schlei : Schleswiger Plastik-Skandal wirft Fragen auf

Helfer wie Fabian Schönfuß sammeln Plastikteilchen auf der Halbinsel Reesholm.
Fabian Schönfuß ist einer der Helfer, die mit Plastik versetztes Schilf von der Halbinsel sammelten.

Die Schleswiger Politik stellt sich hinter den Stadtwerke-Chef. Dabei gab es wohl früh Hinweise auf die Verschmutzung.

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16. März 2018, 06:03 Uhr

Schleswig | Rolf Hoffmann wollte gar nicht lange drum herum reden. „Was ich davon halte? Eine Riesenschweinerei ist das“, schimpfte der Schleswiger. Er wolle Antworten hören, sagte Hoffmann. Antworten darauf, wie und warum aus der Schleswiger Kläranlage Millionen von kleinen Plastikteilchen in die Schlei gelangen konnten, die gab dann insbesondere Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs. Und er versuchte noch einmal, den Ausschussmitgliedern und Gästen die Chronologie der Umweltkatastrophe darzulegen. Die Sitzung des Werkausschusses am Mittwochabend sollte Klarheiten bringen. Doch es bleiben noch Fragen.

Vor der Sitzung des Werkausschusses lud Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs zur Besichtigung der Kläranlage ein.
wim
Vor der Sitzung des Werkausschusses lud Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs zur Besichtigung der Kläranlage ein.
 

Am 19. Januar seien Mitarbeiter des Kreises erstmals zu Untersuchungen im Klärwerk gewesen. Drei Tage später habe er dann von dem „bedauerlichen Vorfall“ erfahren, so Schoofs. Am 6. Februar habe er dann Kontakt zur Firma Refood aufgenommen, die die mit Plastik versetzten Essensreste an die Stadtwerke geliefert hat. Am selben Tag habe er Bürgermeister Arthur Christiansen und die Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Stadtwerke und des Werkausschusses informiert. Nun setze man alles daran, den entstandenen Schaden zu beseitigen. Dabei arbeite man eng sowohl mit dem Kreis als auch mit beauftragten Biologen zusammen. Zudem werde man in den kommenden Tagen eine eigens eingerichtete Internetseite aktion-schlei.de freischalten, um die Bevölkerung über den Stand der Dinge auf dem Laufenden zu halten.

Unzählige kleine Plastikteile bleiben jetzt im neuen Filter der Kläranlage hängen.
Sven Windmann

Unzählige kleine Plastikteile bleiben jetzt im neuen Filter der Kläranlage hängen.

 

Politik sieht „hervorragendes Krisenmanagement“

Ein Großteil der Ratspolitiker sprach dem Stadtwerke-Chef daraufhin das Vertrauen aus. Sowohl Holger Ley als auch Helge Lehmkuhl von der CDU betonten das vorbildliche und transparente Vorgehen der Werksleitung. Auch Sönke Büschenfeld von der SPD, zugleich Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsichtsrates, sprach von einem „hervorragenden Krisenmanagement“. Eine Meinung, der sich auch Ausschussvorsitzender Michael Ramm (SSW) anschloss.

Ganz so euphorisch waren einige Zuschauer nicht. Dorothee Tams etwa, die für die Grünen in der Ratsversammlung saß, wollte wissen, wieso man die Öffentlichkeit erst Anfang März informiert habe. Sie frage sich, ob dies mit einem anonymen Brief zu tun habe, in dem von einem von den Stadtwerken initiierten Umweltskandal die Rede war – und der am 28. Februar in Umlauf geraten war. „Wenn das nicht passiert wäre, wann hätten Sie den Leuten denn dann etwas gesagt?“

Bürgerbeschwerden ignoriert

 

Auch andere Besucher wunderten sich. Schließlich habe der Kreis spätestens Anfang Januar von der Umweltverschmutzung gewusst, die Stadtwerke wenig später ebenfalls. Erst zwei Monate danach aber wurde der Fall öffentlich – und erst jetzt laufen die ersten Säuberungsmaßnahmen an.

Das stößt auch Monika Vertens sauer auf. Sie hatte bereits im März 2016 beim Kreis Alarm geschlagen, als sie im Bereich der Klensbyer Stollerwerft erstmals Massen von Plastik entdeckte. Und sie war es auch, die am 5. Januar dieses Jahres wieder beim Kreis vorstellig wurde. Dass man sowohl dort als auch bei den Stadtwerken nun darauf beharrt, dass es sich 2016 um einen einmaligen Vorfall gehandelt habe, der nichts mit der Kläranlage zu tun hätte, und die aktuelle Verschmutzung allein aus dem Januar 2018 stamme, halte sie für einen schlechten Scherz. „März 2016 und Januar 2018, das war dasselbe Zeug“, sagte sie. „Nur weil ich in der Zwischenzeit nicht ständig wieder nachgesehen und Druck gemacht habe, ist nichts passiert“, meinte sie. „Hier wird kleingeredet, dass zwei Jahre lang Plastik in die Schlei eingeleitet wurde.“

Auch Werner Kuhr, Nabu-Referent für die Halbinsel Reesholm, ist weiterhin sauer. Auch er habe im Januar beim Kreis Alarm geschlagen. „Da hat man mir gesagt, dass man nichts machen könne, wenn man den Verursacher nicht kennt. Erst als ich darauf gedrängt habe, dass es sich um eine Straftat handelt und die Polizei rufen wollte, hat man sich bewegt.“

 
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