Land-Art-Projekt : Schilfhalme machen den Klimawandel deutlich

„Borderline“ erstreckt sich über 300 Meter
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„Borderline“ erstreckt sich über 300 Meter

Mit seinem Klimakunstwerk „Borderline“ zeigt der Eckernförder Künstler Rüdiger Ziegler den zu erwartenden Küstensaum des Jahres 2100 an.

shz.de von
22. Januar 2015, 06:32 Uhr

Eckernförde | Rüdiger Ziegler (48) und Michael Packschies (57) stehen im dichten Nebel am Eckernförder Strand. Nach eineinhalb Stunden Arbeit haben die Männer den Aufbau des neuesten Land-Art-Projekts des Künstlers Rüdiger Ziegler beendet – eine etwa 300 Meter lange Linie aus senkrecht im Sand steckenden Chinaschilfhalmen. „Es heißt Borderline“, erklärt der Künstler. „Man kennt das Wort in Verbindung mit der Krankheit, es bedeutet aber auch ‚Grenze’. Es soll die Grenze sichtbar machen, die das Wasser erreicht, wenn der Meeresspiegel durch den Klimawandel um einen Meter angestiegen ist.“

In den vergangenen 20 Jahren hat der 48-Jährige schon mit einigen vergänglichen, dauerhaften oder wiederkehrenden Naturkunstwerken für Aufsehen gesorgt, darunter der im Frühjahr erblühende Krokusfluss an der Strandpromenade oder die Steinspirale am Eimersee. Auch bei seinem aktuellen Klimakunstwerk hat sich Rüdiger Ziegler wieder bewusst für den Einsatz von Naturmaterialien entschieden: „Das Material sollte nicht dauerhaft und statisch sein. In der Natur ist auch alles in Bewegung. Natürlich rechne ich damit, dass sich auch mal spielende Kinder den einen oder anderen Halm heraus nehmen oder der Wind Teile wegweht. Das ist ja das Spannende daran, später zu sehen, was daraus geworden ist.“ Auch der Abstand zwischen den Halmen sei gewollt, um ein Hindurchgehen zu ermöglichen: „Jedes Mal, wenn jemand die Linie zwischen den Halmen überquert, symbolisiert das einen Grenzüberschritt im Umweltschutz, wie er tagtäglich von den Großmächten, aber auch dem Einzelnen begangen wird“, schildert der Künstler seine Idee.

Zum dritten Mal erhält Rüdiger Ziegler bei einem Projekt Unterstützung von Michael Packschies, Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Eckernförde. Der 57-Jährige fördert Aktionen dieser Art gern: „Alles, womit man die Öffentlichkeit erreicht, ist gut. Mit wissenschaftlichen Studien packt man niemanden.“ Michael Packschies stand Rüdiger Ziegler für Borderline mit Rat, besonders aber mit Tat, zur Seite. „Mit einem sogenannten Nivelliergerät habe ich vom heutigen Wasserstand aus einen Meter hochgepeilt und alle paar Meter Punkte am Strand ausgemessen, wo sich die Wassergrenze dann befinden müsste. Das schwankt ja stark“, erläutert Packschies. Denn da die aktuelle Wassergrenze nicht schnurgerade und auch der Strand nicht ebenmäßig ist, verläuft die symbolische Wassergrenze aus Schilfhalmen kurvig. Der kleinste Abstand zwischen Borderline und Wasser beträgt so etwa fünf Meter, der größte 15 Meter.

Laut wissenschaftlichen Studien soll der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 zwischen einem Meter und 1,5 Metern ansteigen. Rüdiger Ziegler möchte mit Borderline wachrütteln: „Diese Halme symbolisieren die Grenze. Wenn sie erreicht ist, gibt es kein Zurück mehr. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden, das will ich den Menschen begreiflich machen.“

>Zum Thema Klimawandel findet außerdem rund um die Eckernförder Promenade am 14./15. Juli die „Klimale“ statt. Die Veranstaltungsreihe macht mit Kunst und Kultur auf den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Ostseeküste aufmerksam.


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