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Ein abschied nach maß : Scheidender Kripo-Chef wird in Handschellen abgeführt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rolf Petersen erlebte am Dienstag zum Beginn seines letzten Arbeitstages als Kripo-Chef einen turbulenten Auftakt. Kollegen nahmen ihn nach Drogenfund in seinem Auto kurzerhand fest.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 18:40 Uhr

Eckernförde | Es ist noch dunkel, als eine Polizeistreife den Wagen von Rolf Petersen in der Schleswiger Straße anhält. Dieser ist auf dem Weg zur Wache – sein letzter Arbeitstag als Kripo-Chef sollte in wenigen Minuten beginnen. Ende des Monats geht der 60-Jährige in den Ruhestand (wir berichteten). Gestern wollte er sich von seinen Kollegen in Ruhe verabschieden. Und genau das war so ohne Weiteres nicht möglich, hatten seine Kollegen doch einiges für ihren Chef vorbereitet.

Einmal die Rolle eines Verdächtigen einnehmen – dazu hatte Rolf Petersen gestern früh reichlich Gelegenheit. Die Scheinwerfer eines Feuerwehrfahrzeuges der Eckernförder Wehr beleuchtete die Szenerie, als die Polizeikommissare Hans-Joachim Heide und Joachim Kommorovski Petersens Auto anhielten. Bei Minusgraden hieß es „Fahrzeugkontrolle“, „Papiere“ und „Aussteigen bitte“. Eine Tüte Kaninchengras auf dem Boden des Vordersitzes ließ die Beamten aufmerksam werden. Diese schien so verdächtig zu sein, dass die Polizeiobermeisterin Daniela Jaschinski die Drogenhündin Amber zwecks intensiver Durchsuchung in das Auto schickte. Rund 15 Kollegen ließen es sich trotz der Eiseskälte nicht nehmen mitanzusehen, wie ihr Chef zur Feststellung der Personalien in den Mannschaftsbus musste. Dort hatte er einen Fragebogen zur Führerscheinprüfung auszufüllen, um seine Befähigung zum Führen eines Gefährts mit Verbrennungsmotor festzustellen.

Ehefrau Maren durfte ebenfalls Zeugin dieser denkwürdigen Verabschiedung werden, die aufgrund des Fundes selbstverständlich einen Drogenschnelltest beinhaltete. Kollegen hatten sie zu Hause in Kappeln-Ellenberg abgeholt.

Das Ergebnis der Überprüfung ergab, dass Rolf Petersen verdächtig genug war, um ihm wegen Fluchtgefahr Handschellen anlegen und auf die Wache überführen zu können.

Dort erwartete den angehenden Pensionär der gesamte Apparat der polizeidienstlichen Erkennung. Kriminalkommissar Axel Bannick nahm ihm die Fingerabdrücke auf dem Fingerabdruckblatt ab – ganz nach altbewährter Methode mit viel Druckerschwärze an den Fingern. Kriminalhauptkommissar Robert Biesel erstellte am Computer die Personenbeschreibung und erfasste seinen Chef auch im Bild. Zuvor wurde selbstverständlich wie bei jedem Tatverdächtigen die Größe gemessen und das Gewicht ermittelt.

Zur Belohnung für diese Prozedur am frühen Morgen erhielt Rolf Petersen eine kleine Akte als Erinnerung an sein kurzes Verbrecherdasein und als Dank, verbunden mit guten Wünschen für die Zukunft , für sein Wirken als Kripo-Chef – bevor es in einem warmen Raum zum wohlverdienten Frühstück mit allen Kollegen ging.

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