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Eckernförder Zeitung

23. August 2017 | 14:29 Uhr

Schatten über der Schlei-Landschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Über die landschaftliche Schönheit der Schlei-Region und die zunehmende Gefährdung der reizvollen Landschaft

Ein Maler schrieb über unsere Landschaft, Zitat: „Wenn es so etwas wie eine ideale Landschaft gibt, dann ist es die an der Schlei. Sanfte grüne Hügel, im Frühling rapsgelb, Knicks aus Fliederbüschen und Heckenrosen, uralte Allen oder kleine Laubwälder. Dazwischen blitzt das Blau der Schlei als Vorbotin des offenen Meeres. Über allem aber der hohe nordische Himmel“. Ende des Zitats.

Dieses Lob erinnert sinngemäß an einen Gedanken, der sich wieder und wieder in der Literatur findet: „Auch ich war in Arkadien“. Dieser Ausdruck steht für das Bekenntnis, dass sie, die Dichter, auch einmal in ihrem Leben in einem solchen „Land des Glücks“, in Arkadien, gelebt haben.

Selbst wenn man sein Empfinden über das „Land des Glücks“ auf den Boden der Realität zurückführt, lebt doch etwas von jenem Glück hier bei uns weiter, so wie es Maler und die Dichter formulierten. Nicht von ungefähr entdeckte der Tourismus unseren Bereich. Er wirbt mit dem Motto „Weiter Himmel, grünes Land“. Unsere Landschaft vermittelt ihren Besuchern wie Bewohnern mehr, sehr viel mehr: sie prägt und fasziniert durch Farben, Formen unterschiedlichster Art. Wer offenen Sinnes durch die Landschaft geht empfindet „etwas“: Musiker, Maler und Dichter - sie können ihre Eindrücke anderen vermitteln - aber auch jeder andere nimmt jenes geheimnisvolle „Etwas“ genauso wahr versteckt im ganz persönlichem Empfinden.

Bleiben wir bei dem Sichtbaren. Was landwirtschaftliche Geräte vermögen, grenzt äußerlich betrachtet an künstlerische Bodengestaltung: die feinen Rillen nach eingebrachtem Saatgut oder frisch gepflügte Ackerfurchen lassen sich ohne weiteres als Bodengraphik lesen. Sie ziehen sich gleichmäßig über unendlich groß anmutende Felder, aufgelockert nur durch breitere Spuren. Wen faszinieren nicht die weiß eingehüllten Heuballen verteilt auf frisch abgemähten sattgrünen Wiesen im Frühjahr oder dann im Herbst die korngelb leuchtenden Strohballen. Nicht zu vergessen: das Frühjahrsgelb der Rapsblüten bedeckt wie ein Teppich weite Flächen. Alles zusammen formt sich zu einem ästhetischen Genuss.

Dabei wechselt die Landschaft ihre Darstellung je nah Wetterlage, Tagesstimmung und Lichtverhältnis. Es ist keine aufregende Landschaft, sondern eine, die zur Ruhe bringt, die Zeit lässt, sich Gedanken zu machen, Zeit zum Fühlen und zum Genießen. Man muss sich einfach darauf einlassen. Dann stellt sich ein Gefühl ein wie: Von hier will ich nicht wieder fortgehen.

An einem Sommertag auf der Schlei mit einem Schiff zu fahren, zählt zu den besonderen Vergnügen. Ständig wechseln die Eindrücke, bewaldete Ufer, Dörfer, dazwischen prachtvolle Herrenhäuser. Die vielen Hügel laufen wie die Dünung des nahen Meeres weiter durch das Land.

Doch etwas ist neu. Die Luft schmeckt hier manchmal anders als anderswo und der Energiehunger geht heute mit der Gier nach Profit ein ungutes Bündnis ein, das die Landschaft auf Jahrzehnte stark beeinträchtigen wird. Windmühlen beginnen die Landschaft zum Schaden aller zu entstellen.

Arkadien ist gefährdet.



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