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Domscheit-Brüder : Schafzüchter aus Leidenschaft

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Finn und Matthis Domscheit aus Loose gehören zu den jüngsten Schafzüchtern im Land. Zwölf Zuchtschafe brachten im Frühjahr 25 Lämmer zur Welt.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 07:34 Uhr

Loose | Kaum dass die Türe zum Stall an der alten Mühle in Loose sich öffnet, ist drinnen lautes Geblöke zu hören. Es ist Futterzeit für zwölf Zuchtschafe, 25 Lämmer und einen Bock. Matthis (20) und Finn (27) Domscheit haben Milch und Futter für ihre Schafe dabei. Die Brüder gehören zu den jüngsten Schafzüchtern im Land. "Davon waren wir auch überrascht", berichtet Finn Domscheit, als ihre Dachorganisation, der Schleswig-Holsteinische Schafzuchtverband, ihnen dies mitteilte. Für die Brüder gehören Schafe schon lange zu ihrem Alltag.

Alles fing mit Emma und Commander an. Die beiden Texelschafe fanden vor rund 13 Jahren den Weg zu Finn Domscheit. Er war da noch Jugendlicher und fand Gefallen an den gutmütigen und neugierigen Tieren. Liebe zur Landwirtschaft habe er schon immer gehabt. Erst kümmerte er sich alleine um die Tiere, bis auch sein Bruder Matthis infiziert war und das Hobby mit ihm teilte. Ihre ersten Schafe ließen sie noch auf dem Texelschafhof bei Klaus Koch in Loose decken, einen eigenen Bock hatten sie da noch nicht. "Klaus hat uns echt viel geholfen, gab immer Tipps und half, wenn wir Fragen hatten", berichtet Finn Domscheit. Und so wurden es immer mehr Tiere, in der Spitze bis zu 20 weibliche Tiere. Doch das war den beiden neben Schule und Studium zuviel. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten. "Wir wollen züchten, und darum kümmern wir uns jetzt zu 100 Prozent. Weniger Tiere bedeutet für uns mehr Qualität", meint Finn Domscheit. Dabei achten sie genau auf die Zuchtmerkmale, die der Verband vorgibt.

Aus den hohen Geburtenraten ihrer Tiere, ihr Durchschnitt liegt bei über zwei Geburten je Tier, landesweit liegt er bei 1,8 Geburten, schließen sie darauf, dass es den Tieren gut geht. Alleine in dieser Wurfzeit, die kurz vor Weihnachten begann, die letzten Tiere wurden vor rund sieben Wochen geboren, zählten sie 25 Lämmer. Es gab drei Drillingsgeburten, sieben Zwillingsgeburten und zwei Einzelgeburten. Dass sie nicht alle Tiere behalten können, ist den beiden klar. So werden nicht nur die Wolle verkauft, sondern auch besonders zur Osterzeit Lämmer - die Nachfrage sei groß. Außerdem versuchen sie auf dem großen Texel-Schafmarkt in Husum im August, ihre starken Lämmerböcke zu verkaufen. Im Vorjahr brachten sie mit 100 Kilogramm das schwerste Tier auf den Markt.

Durch den Verkauf können sie einen großen Teil der Kosten decken. Ganz allerdings nicht, deshalb sei es ja auch ein Hobby. Die Schäferei zum Beruf und die Zucht als Haupterwerbsbetrieb machen, das wollen sie nicht. Es soll ein Hobby bleiben, das inzwischen durch die Anmeldung eines Gewerbes durch Finn Domscheit zu einem Nebenerwerbsbetrieb wurde.

Im Hauptberuf möchte der 27-Jährige Agrarwissenschaftler werden. Nur noch seine Abschlussarbeit fehlt ihm. Bereits jetzt arbeitet er als Selbstständiger auf verschiedenen Höfen in der Region. Und Matthis möchte in die Luft gehen. "Mein Ziel ist es, bei der Bundeswehr Hubschrauberpilot zu werden und im SAR-Dienst zu arbeiten", sagt er. Auch wenn er dafür vermutlich Loose und seine Schafe verlassen müsse. "Ich komme ja immer wieder zurück", sagt er. Komisch sei das schon, wenn man die Tiere ein paare Tage nicht sieht, ergänzt sein Bruder. Er war fünf Tage weg, in der Zeit kamen ihm die Lämmer gewaltig gewachsen vor. Das sind sie auch. Wenigstens drei Monate lang werden sie mit Ersatzmilch, jeden Morgen frisch mit Pulver und Wasser angerührt, gefüttert, die sie aus Eimern mit Schnullern saugen. Die ersten Wochen werden sie sogar mit der Flasche gefüttert, damit alle satt werden. Später gibt es für sie Silage und Kraftfutter. In diesem Jahr mussten die Brüder extrem lange Trockenfutter geben, die Wiesen an der Mühle waren lange braun, Schnee und Frost verzögerten das Graswachstum.

Der Winter ist die arbeitsreichste Zeit, aber auch die Zeit, wo die Züchter mit Freude die Geburten ihre Lämmer beobachten. "Die Tage der Geburten kann man ziemlich genau berechnen", erklärt Finn Domscheit. Die Tragezeit dauert 145 Tage. Zwei bis drei Tage vorher beginnen sie regelmäßig nach den Tieren zu schauen. Auch nachts wechseln sich die Brüder ab und schauen fast stündlich nach den trächtigen Muttertieren, es können immer Komplikationen auftreten. Wird es draußen grün, kommen die Tiere raus auf die Koppel. Dann nimmt der Arbeitsaufwand deutlich ab. Dann ist Zeit, Zäune zu kontrollieren und am Stall Ausbesserungen vorzunehmen.

In einem separaten Stall stehen Emma, Commander und ein weiteres Schaf. Von ihnen trennen sie sich nicht. Sie werden nicht mehr zur Zucht verwendet, sie sind als Gebrauchsschafe im Einsatz. Sobald es draußen dauerhaft warm genug ist und die Wiesen sattes Gras bereit halten, werden sie abwechselnd auf zwei Koppeln in Schuby und Pommerby als lebende Rasenmäher eingesetzt. Dann kommen sie erst wieder im Herbst zurück nach Loose.

Wenn Matthis und Finn Domscheit die Wahl hätten, sie würden ihr Hobby wieder auswählen. Inzwischen ist es auch ruhig geworden im Stall, alle Schafe sind satt und wollen jetzt raus in den Frühling.

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