zur Navigation springen

3. Handball-Liga : „Schade, dass viele Spielerinnen die HG verlassen haben“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Däne Vagn Hansen will jede Spielerin besser machen. Das, und weitere interessante Dinge verrät er im EZ-Interview.

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Owschlag | Mit dem Dänen Vagn Hansen hat die neu gegründete HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen (OKT) einen erfahrenen Trainer für seine Drittliga-Handballerinnen verpflichtet. Der Coach steht vor der großen Aufgabe, die Fusion dreier Vereine in sportlichen Erfolg umzusetzen. Im Interview spricht er über die ersten Eindrücke von seiner neuen Mannschaft und die Ambitionen eines Aufstiegs in die 2. Liga.

 

Herr Hansen, Sie sind im Kreis Rendsburg/Eckernförde gänzlich unbekannt. Auf welche Art von Trainer müssen sich die Spielerinnen der HG OKT einstellen?
Ich besitze die dänische A-Trainer-Lizenz und bilde mich ständig fort. So bin ich zum Beispiel fast jedes Jahr bei einer Veranstaltung, die sich Top-Trainer-Symposium nennt, an dem auch viele ausländische Trainer teilnehmen. Ich selbst würde mich als freundlich und offen beschreiben. Aber ich kann auch recht stur sein. Ich weiß, was ich will und versuche das umzusetzen. Und ich verliere nicht gerne. Ich will immer jedes Spiel gewinnen, aber das wollen andere auch. Deshalb ist es wichtig, dass man permanent an sich arbeitet, um besser zu werden. Ich fordere von meinen Spielerinnen sehr viel Selbstdisziplin, immerhin spielen wir ja auch in der dritthöchsten Liga. Auf der anderen Seite sollen sich die Spielerinnen aber auch auf das Training freuen und mit Begeisterung ihren Sport ausüben.

Welche Spielphilosophie verfolgen Sie?
Ich bevorzuge den skandinavischen Ansatz, also das schnelle Spiel mit technisch gut ausgebildeten Spielerinnen. Wichtig sind für mich auch Entscheidungsverhalten und Antizipationsvermögen. Und ich lasse gerne offensiv decken mit dem Fokus auf dem Ball und nicht auf dem Gegner.

Sie haben in der vergangenen Saison noch die weibliche Jugend C der SG Oeversee/Jarplund-Weding trainiert. Nun übernehmen Sie einen Drittligisten im Frauenbereich. Ist der Sprung nicht ziemlich groß?
Nein. Der größte Sprung war, eine weibliche C-Jugend zu trainieren. Da war das erste Mal überhaupt, dass ich so etwas gemacht habe. Ich war zuvor als Vereinstrainer nur im Seniorenbereich tätig. Ich wollte in Oeversee ja eigentlich auch gar nicht die weibliche Jugend C trainieren. Die SG hatte Kontakt zur mir aufgenommen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Männermannschaft zu trainieren. Ich bin dann nach Oeversee gefahren, doch dann ging es in den Gesprächen gar nicht mehr um die erste Herren, sondern um die C-Mädchen. Ich hatte zuletzt in Dänemark nur noch als Talentcoach gearbeitet. Das heißt, ich habe Einzeltraining mit jungen Spielern gemacht. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass mir die Arbeit als Teamcoach fehlte. Deshalb habe ich dann bei der SG zugesagt, auch die kleinen Mädchen zu trainieren. Und letztlich war das eine tolle Erfahrung. Deshalb war ich froh, als die HG OKT angefragt hat.

Wie kam der Kontakt mit der HG OKT zustande?
Der Verein hat mich angesprochen. Wie die auf mich kamen, weiß ich nicht. Ich wurde jedenfalls zunächst gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Zweite der HG OKT in der Oberliga zu trainieren. Ich hatte Interesse. Letztlich ist es aber an den Fahrtkosten gescheitert, weil ich in Aabenrade wohne und der Aufwand zu groß gewesen wäre. Nachdem Thomas Blasczyk sein Amt bei der Ersten kurzfristig niedergelegt hat, wurde ich wieder kontaktiert und der Verein und ich sind uns dann schnell einig geworden.

Was reizt Sie an der Aufgabe?
Es ist spannend, so ein Projekt mit auf die Beine zu stellen. Ich habe eine Fusion von zwei Vereinen schon einmal in Ribe und Esbjerg mitgemacht, habe also Erfahrung in solchen Dingen. Das hilft mir und der HG OKT in dieser Situation sicherlich. Die Gleichung, dass zwei gute Mannschaften automatisch eine sehr gute Mannschaft ergeben, stimmt so leider nicht. Ich versuche, meine Erfahrung und meine Ideen in dieses Projekt mit einfließen zu lassen, so dass wir vielleicht irgendwann doch eine sehr gute Mannschaft haben.

Was sind die vorrangigen Ziele?
Erst einmal muss der Kader für die beiden höherklassigen Mannschaften stehen. Es ist schade, dass viele Spielerinnen den Verein verlassen haben. Bis jetzt haben wir 18 Spielerinnen für das Drittligateam und das Oberligateam. Hinzu kommen noch Talente aus der Dritten und der A-Jugend. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir noch die eine oder andere gestandene Spielerin bekommen würden. Ideal wäre es, wenn wir die beiden höchsten Mannschaften mit jeweils 14 Spielerinnen besetzen könnten. Doch selbst wenn es bei dem jetzigen Stand bleibt, haben wir immer noch eine hohe Qualität. Ich hoffe nur, dass es nicht noch mehr Abgänge gibt, wenn die eine oder andere Spielerin nicht den Sprung in das Drittligateam schafft. Ich werde in den nächsten Wochen Einzelgespräche führen, um mit den Spielerinnen kurzfristige Ziele festzulegen.


Welchen Eindruck haben Sie bisher von Ihrer neuen Mannschaft gewinnen können?
Der Eindruck ist sehr positiv. Da sind einige sehr gute Spielerinnen dabei. Vor allem technisch sind sie sehr stark. Und es sind viele dabei, die ihr Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft haben. Das ist dann meine Aufgabe, sie auf ein höheres Niveau zu bringen.

Welche sportlichen Ziele peilen Sie an?
Über konkrete sportliche Ziele zu sprechen, macht noch wenig Sinn. Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich, dass es mindestens ein halbes Jahr dauert, bis alle Rädchen in so einem neuen Gebilde greifen. Erst danach wird man sehen, was möglich ist. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn wir gleich im ersten Jahr oben mitspielen könnten. Wenn uns das gelingt, dann sollte man im zweiten Jahr den Aufstieg in Angriff nehmen. Vorausgesetzt, es läuft optimal und alle Spielerinnen bleiben zusammen. Auf Sicht muss es das Ziel der HG sein, den Sprung in die zweite Liga anzupeilen. Dafür müssen dann aber auch im Vorfeld die organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert