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Schutzstreifen : Sauerstraße: Verkehrswacht soll helfen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der einseitige Schutzstreifen für Fahrradfahrer in der Sauerstraße bleibt ein Thema: Die Stadt kündigt eine Aufklärung der Verkehrsteilnehmer unter Einbindung der Verkehrswacht an.

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erstellt am 20.Feb.2016 | 06:34 Uhr

Eckernförde | Der einseitige Schutzstreifen für Fahrradfahrer in der Sauerstraße zwischen Schulzentrum Süd und Kreisel Hörst bewegt die Eckernförder weiter. Im Hauptausschuss am Donnerstagabend warf der Ausschussvorsitzende Martin Klimach-Dreger (SPD) das Thema in die Diskussion. Beim jüngsten SPD-Workshop habe der neue und bei vielen bis heute umstrittene Schutzstreifen einen „unerwartet großen Raum“ eingenommen. Klimach-Dreger nutzte die Gelegenheit, das auch emotional aufgeladene Thema erneut zu erörtern.

Unbestritten sei dabei die rechtliche Beurteilung, hieß es von allen Rednern. Die Verwaltung habe auf Grundlage der Straßenverkehrsordnung agiert, mit der Einrichtung des Schutzstreifens werde geltendes Recht umgesetzt. „Selbst wenn wir wollten, könnten wir den Schutzstreifen nicht rückgängig machen, weil wir dann einen Rechtsbruch begehen“, sagte Matthias Huber (Bürger-Forum). „Wenn wir den Radweg im Wissen, dass es nicht zulässig ist, wieder in die Gegenrichtung öffnen und dann etwas passiert, haben wir ein Problem“, betonte Bürgermeister Jörg Sibbel. „Die Verwaltung hat alles richtig gemacht“, sagte Heinz-Michael Kornath (CDU), „was noch fehlt, ist der Lerneffekt“.

Und dieser „Lerneffekt“ soll jetzt den Autofahrern und Fahrradfahrer mithilfe einer öffentlichen Aufklärung mit Unterstützung der Verkehrswacht – ein Vorschlag Kornaths – erfolgen. „Wir müssen den Verkehrsteilnehmern erklären, wie es zu funktionieren hat“, sagte Kornath, der die Sauerstraße mehrmals täglich befährt. Seiner Beobachtung nach würden immer mehr Radfahrer den verpflichtenden Schutzstreifen auch nutzen. Zumindest gestern um kurz nach 13 Uhr war davon allerdings wenig zu sehen: Bis auf eine Radfahrerin befuhren ausnahmslos alle Schüler den Radweg wie gewohnt in die entgegengesetzte Richtung. Und ausnahmslos jedes Auto befuhr den freien Schutzstreifen zwischen Schulzentrum und Kreisel. Eine Momentaufnahme, mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Rainer Bosse (SSW) wies auf die veränderten Vorgaben in der Straßenverkehrsordnung hin. Demnach müsse die abzüglich Schutzstreifen für den Kfz-Verkehr verbleibende Fahrbahnbreite für den „gefahrlosen Begegnungsverkehr“ mindestens 4,50 Meter betragen – die Sauerstraße ist nach Auskunft der Verwaltung ohne Schutzstreifen zwischen 4,50 und 4,70 Meter breit. Bosse riet zu einer Überprüfung und einem Abgleich mit den „neuen Bestimmungen“. Susanne Molt (FDP) meinte, „gefühlt ist es total eng“. Der Schutzstreifen dürfe aber selbstverständlich auch von den Autofahrern befahren werden. Radfahrer könnten in einem angemessenen Anstand überholt werden, gehe dies aufgrund des Gegenverkehrs nicht, müssten die Autofahrer sich gedulden und hinter den Radfahrern herfahren.

Der Forderung nach einer besseren Kommunikation, die unter anderem auch von Reiner Bunte (SPD) erhoben wurde, war Bürgermeister Sibbel bereits insofern nachkommen, als dass er einen Flyer in Auftrag gegeben hat, in dem die Rechtslage und Nutzung des Schutzstreifens mit den entsprechenden Verhaltenshinweisen erläutert wird. Obwohl die Verwaltung die Schulen bereits im Oktober angeschrieben habe und auch im letzten Bauausschuss nochmal ausführlich informiert habe, „muss jetzt etwas mehr passieren“, so Sibbel. Wichtig sei es zudem, so Ausschussvorsitzender Klimach-Dreger, neben der Aufklärung auch auf die Emotionen zu reagieren. „Wissen trifft auf Emotionen“, umschrieb er die augenblickliche „Gemengelage“.

Wilfried Lüthge, Polizeibeamter a.D., ist Vorsitzender der Verkehrswacht Eckernförde. Er hat unzählige Fahrradprüfungen abgenommen und kennt sich mit der Materie bestens aus. Lüthge ist ein Verfechter der gar nicht mehr so neuen Regelung, dass Fahrradfahrer wo immer es möglich ist als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer auf der Straße fahren. Das gelte auch für die Sauerstraße, die überdies Tempo-30-Zone ist, in der Räder ohnehin auf die Straße gehörten, so Lüthge. Diesen müssten die Fahrradfahrer hintereinander – und ausdrücklich nicht im Pulk – benutzen, weil das linksseitige Fahren auf dem Radweg mit hohen Risiken verbunden sei. „Das Problem ist: Wie bringe ich es den Kindern und Jugendlichen bei?“ Im Grunde sei die Lage klar: Der Schutzstreifen müsse genutzt werden, die Fahrradfahrer düften nicht im Pulk fahren, die Autofahrer, für die ein Rechtsfahrgebot gelte, dürften den Schutzstreifen befahren und müssten beim Überholen und Hinterherfahren auf die Radfahrer Rücksicht nehmen. Man müsse sich an die neue Situation gewöhnen, sagt Lüthge gegenüber der EZ. Es sei eine Rechtsunsicherheit eingetreten, weil die meisten die Rechtslage nicht kennen würden oder sich nicht daran hielten.

Auch Fahrlehrer Holger Meyer plädiert grundsätzlich dafür, dass Fahrradfahrer auf der Straße besser aufgehoben sind als auf Radwegen, weil sie dort vom Autofahrer besser wahrgenommen würden. Das Recht müsse angewandt werden, allerdings müsse im Einzelfall abgewogen werden, ob es für alle Verkehrsteilnehmer auch die sicherte und damit beste Lösung ist. Wenn ein Schutzstreifen angelegt wird, muss daneben noch genügend Raum für die Fahrzeuge sein. Eine verbleibende Straßenbreite von 4,50 Meter wie in der Sauerstraße „ist machbar, es ist aber sehr eng“, so Meyer. Seinen Fahrschülern erläutert er, dass der freie Schutzstreifen befahren werden kann, Radfahrer im ausreichenden Abstand überholt werden können oder bei Gegenverkehr hinterhergefahren wird.

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