Sauer & Sohn: Neuer Betriebsrat und ein Termin in Bremen

Fritz Jahn
Fritz Jahn

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24. Juli 2009, 10:06 Uhr

Eckernförde | Die Beschäftigten des Waffenherstellers Sauer & Sohn haben bei den Betriebsratswahlen am vergangenen Dienstag der Kernmannschaft des alten Betriebsrats ihr Vertrauen ausgesprochen. 57 Prozent machten ihr Kreuz bei der Liste mit den "Alt-Kandidaten". Somit gehören sechs der neun Betriebsratsmitglieder, die am 23. März aus Protest gegen die Haltung der Geschäftsführung mitten in den Verhandlungen über den Interessensausgleich und den Sozialplan geschlossen zurückgetreten waren, wieder der neuen neunköpfigen Mitarbeitervertretung an. "Wir sind mit diesem Ergebnis sehr zufrieden", sagte der frühere und wohl auch künftige Betriebsratsvorsitzende Fritz Jahn auf EZ-Anfrage. Für ihn und seine Mitstreiter sei das Ergebnis vor allem deshalb eine Genugtuung und Bestätigung der Arbeit, "weil die Geschäftsführung den Eindruck zu vermitteln versuchte, die Belegschaft würde nicht hinter uns stehen."

Falls es bis heute keine Einwände gegen die Wahl gibt, setzt sich der Betriebsrat in den kommenden vier Jahren nach der in Kürze stattfindenden konstituierenden Sitzung wie folgt zusammen: Fritz, Jahn, Alfred Schneider, Michael Kollmetz, Rolf Rohde, Sabine Gerwien und Regina Nielsen (alle Mitglieder des alten Betriebsrats) sowie Michael Riedel, Kai Demant und Nicole Schuster. 84 Prozent der 380 Mitarbeiter hätten an der Wahl teilgenommen, sagte Jahn. Erstmals wählten die Beschäftigten nicht einzelne Kandidaten, sondern gaben ihre Stimme einer der drei Bewerberlisten. Während die "Betriebsratsliste" 57 Prozent der Stimmen erhielt (entspricht sechs Mitgliedern), kam die nächstplatzierte Liste auf 34 Prozent und entsendet drei Mitglieder in den neuen Betriebsrat. Liste drei kam auf nur neun Prozent und geht nach dem DHondtschen Höchstzahlenverfahren bei der Besetzung der Arbeitnehmervertretung leer aus.

Da Beschlüsse im Betriebsrat mit einfacher Mehrheit zustande kommen, wird sich an der grundsätzlichen Ausrichtung und inhaltlichen Positionierung zur Umstrukturierung sowie zum Interessensausgleich und Sozialplan kaum etwas verändern. Da der bisherige Vorsitzende Fritz Jahn auf Platz 1 der mehrheitlich gewählten Liste stand, ist es so gut wie sicher, dass er erneut als Vorsitzender den Betriebsrat führen wird, dem er bereits seit 1983 angehört.

Schon heute wird der Betriebsrat seine Positionen zur Umstrukturierung des Unternehmens vor der Einigungsstelle vorstellen. Aufgrund der Anreise von Vertretern der L&O Holding - die Holding der Sauer-Inhaber Michael Lüke und Thomas Ortmeier − wird die Sitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten des Hamburger Arbeitsgerichts, Dr. Ilbert Albers, in Bremen stattfinden. "Wir haben ein schlüssiges Konzept und werden dies plausibel machen", sagt Jahn. "Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz." Man werde unter anderem dafür plädieren, ausgelagerte Arbeit wieder ins Unternehmen zurückzuholen, die zentrale Lauffertigung sowie die Griffstück- und Verschlussfertigung auf hohem Niveau zu stabilisieren und mittelfristig durch Neuproduktionen wie der des Sturmgewehrs, der Sportpistole und des Revolvers so viele Arbeitsplätze wie möglich am Standort Eckernförde zu halten. Nur wenn Betriebsrat und Geschäftsführung dem späteren Vorschlag der Einigungsstelle zustimmen, komme die Einigung über den Interessensausgleich zustande, sagt Jahn.

Nach letztem Stand soll die Jagdwaffenproduktion von Eckernförde nach Isny ins Allgäu verlagert werden, 250 der rund 400 Arbeitsplätze sollen in Eckernförde nach den Vorstellungen der Geschäftsführung abgebaut werden. Die vom Betriebsrat als fehlerhaft und unausgewogen kritisierte Kündigungsliste sei nach Worten Jahns vom Tisch. Solange verhandelt wird, werde es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

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