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1000 Fische ausgesetzt : Sattmacher für den Eisvogel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Nabu-Ortsverein hat 1000 Moderlieschen in die Gewässer am Goossee als Nahrungsgrundlage für den heimischen Eisvogel ausgesetzt.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 06:28 Uhr

Kleiner als ein Star, mit einem auffallenden blau-roten Gefieder: Die Chancen, einen Eisvogel in Schleswig-Holstein zu beobachten, stehen zurzeit gar nicht schlecht. Der Eisvogel ist bei uns heimisch und gilt für viele Menschen als Symbol für kristallklare Fließgewässer. Für den „Nahrungsspezialisten“ besteht die Hauptnahrung aus kleinen Schwarmfischen wie etwa Stichling oder Moderlieschen. Weil der Eisvogel kaum noch natürliche Nistmöglichkeiten findet, zählt er zu den von der Existenz bedrohten Arten. Er baut sein Nest in Prall- oder Steilufer an Bächen und Seen. Durch eine circa 70 Zentimeter lange Röhre erreicht er die Nistmulde im Erdreich. „Durch die Flurbereinigung und wasserbauliche Maßnahmen sind bei uns aber fast alle Bachläufe begradigt oder sogar unterirdisch in Rohren verschwunden“, erklärt Jürgen Schmidt vom Nabu Eckernförde.

Um in Eckernförde Abhilfe zu schaffen, hat der Nabu-Ortsverein bereits 2004 erste Nisthilfen in Form nachgebildete Prallufer gebaut und an geeigneten Gewässern aufgestellt. „Seitdem konnten 28 Eisvögel beringt werden, 14 weitere sind ohne Beringung flügge geworden“, berichtet Schmidt.

Doch ein Problem bleibt: die Standorttreue des Eisvogels. „Wenn unsere Gewässer mit einer Eisschicht bedeckt sind, können viele Tiere ihre Beute nicht mehr erreichen und als Nahrungsspezialisten innerhalb weniger Tage verhungern“, so Schmidt. Das sei vor allem in den vergangenen vier Jahren der Fall gewesen. Jährlich könnten im Sommer am Eimersee und am Goossee neu zugewanderte Eisvögel beobachtet werden – für eine Brut sei es dann in den meisten Fällen aber schon zu spät.

Damit die Eisvögel Kleinfische in den Teichen erkennen können, befreien Mitglieder des Nabu Eckernförde in aufwendiger Arbeit jedes Jahr im Herbst die Gewässer in den Wiesen am Goossee vom Bewuchs. In diesem Jahr haben sie dabei festgestellt, dass der Bestand der Kleinfische deutlich zurückgegangen sein muss. Neben der Reinigung wurden am vergangenen Wochenende deshalb in einer bisher einmaligen Aktion circa 1000 Moderlieschen in vier Kleingewässern zur Verbesserung der Nahrungssituation der Eisvögel ausgesetzt. „Nun hoffen wir auf einen milden Winter, damit die diesjährige Generation der Eisvögel nicht wieder verhungern muss und 2016 zur Brut schreiten kann“, so Schmidt. Die Moderlieschen hat der Nabu von einer Zuchtanlage in Aukrug erworben.

Mit Hilfe der ausgesetzten Fische soll sich der Bestand nun so erholen, dass ein ausreichenden Nahrungsnagebot für den Eisvogel zur Verfügung steht. Im April und Mai nächsten Jahres wollen sich Schmidt und seine Nabu-Kollgen davon überzeugen, ob und in welchem Ausmaß sich die Moderlieschen reproduziert haben. Erst dann wollen sie entscheiden, ob es einer zweiten Aussetz-Aktion bedarf.


 

 

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