St.-Nicolai-Kirche : Sanierung und neue Erkenntnisse

Der verpackte und niedergelegte Christus im Altarraum ist bestens gegen Staub und Schmutz geschützt. Fotos: Kühl
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Der verpackte und niedergelegte Christus im Altarraum ist bestens gegen Staub und Schmutz geschützt. Fotos: Kühl

Die St.-Nicolai-Kirche wird derzeit kernsaniert. Kunstwerke sind verpackt oder ausgelagert. Kirchendecke bald in himmelblau?

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20. Juli 2018, 06:54 Uhr

Wer Freude an großen, gut gemanagten Großbaustellen hat, ist in der St. Nicolai-Kirche genau richtig. Überall Gerüste, im Kirchenschiff, im Altarraum und oben direkt unter der Decke auf einer Arbeitsplattform. Die bedeutenden Kunstwerke sind entweder ausgelagert oder sorgsamst verpackt, das Riepenau-Epitaph bereichert sogar das Rijksmuseum in Amsterdam als Leihgabe und zählt dort zu den Hauptwerken, neben Arbeiten des Museum of Modern Art (Moma) aus New York (darüber mehr in der morgigen Ausgabe). Die St. Nicolai-Kirche ist ausgeräumt, um von Grund aus saniert zu werden. Alles wird angefasst, begutachtet und bearbeitet – vom Altarraum über die Grüfte bis hin zur Decke, die besondere Geheimnisse preisgibt und möglicherweise in der entdeckten Ursprungsfarbe Himmelblau – statt weiß wie bisher –, gestrichen wird. Heute findet dazu ein letztes Abstimmungsgespräch mit der Landeskirche und dem Landesdenkmalamt statt (auch dazu mehr in der morgigen Ausgabe).

Die lebensgroße, ans Kreuz genagelte Christusfigur, die sonst vor dem berühmten Meisteraltar des Eckernförder Schnitzers Hans Gudewerdt aus dem Jahr 1640 hängt, liegt derzeit – frisch von Schimmel und Schmutz befreit –, hermetisch verpackt und flach auf Böcken gelagert im Altarraum. Die beiden Restauratorinnen Ursula Lins und Uta Lemaitre haben das große Triumphkreuz verpackt wie einst Christo den Berliner Reichstag. Ebenso die Kanzel und die großen Kunstwerke an den Wänden. In staubfreien Kammern aus Konstruktionsholz und speziellen Folien lagern Kronleuchter, der brennende Dornbusch und auch das Klavier, das Turmcafé ist Lager und Restaurationsstätte in einem. Im Kirchenschiff herrscht ein ganz neues Raumgefühl – die Kirchenbänke sind abgebaut und lagern in einer Gutsscheune. Pastor Dirk Homrighausen findet großen Gefallen an der neuen Weite im Raum. Man denke über eine flexiblere Bestuhlung nach, um die Vorzüge des gewaltigen Raumes besser nutzen zu können, sagte er gestern Nachmittag bei einer Begehung mit Architekt Dietrich Fröhler.

Neue Ideen werden überall kreiert. Die alte, imposante Tür der Gruft neben dem Altarraum, heute die Sakristei, soll dort wieder als Innentür zum Einsatz kommen. Die handwerklich und künstlerisch hochwertig gestaltete Pogwisch-Gruft, in der sich schon längst keine Sarkophage und Särge mehr befinden, soll entweder das neue Stuhllager oder ein WC werden – das jetzige ist nur über den Altarraum zugänglich. Die Kassettenmalerei und die kunsthistorisch wertvolle Tür mit innenliegender Schablonenmalerei soll ebenso erhalten bleiben wie das erste große Meisterwerk von Hans Gudewerdt II aus dem Jahr 1634 – der schlafende Engel, der auf der Gruft thront.

Am 28. Oktober soll die St. Nicolai-Kirche wieder geöffnet werden.

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