Neue Kostenschätzung für die Stadthalle : Sanierung kostet 6 Millionen

Sanierung oder Neubau? Noch steht der Sanierungsbeschluss der Ratsversammlung – Größenordnung 6 Millionen Euro.
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Sanierung oder Neubau? Noch steht der Sanierungsbeschluss der Ratsversammlung – Größenordnung 6 Millionen Euro.

Die Projektsteuerer legen nach Untersuchung neue Zahlen vor: 2,15 Millionen Euro mehr als zuletzt genannt. Politiker kalt erwischt.

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27. Januar 2018, 06:00 Uhr

Eckernförde | Die Projektsteuerer vom Büro Dress & Sommer aus Kiel haben die Vorplanung zur Sanierung der Stadthalle abgeschlossen. Joachim Lenschow und Alexander Dabringhausen haben alle notwendigen Arbeiten und Kostenpositionen zu Papier gebracht und stellten ihre Ergebnisse am Donnerstagabend im Bauausschuss vor. Und daraus geht hervor: Die Sanierung der Stadthalle wird deutlich teurer als die in der energetischen Studie veranschlagten und als Projektbudgetobergrenze festgelegten 3,333 Millionen Euro.

„Eine Unterschreitung der Projektbudgetobergrenze von 3 333 000 Euro brutto ist nicht möglich. Derzeit zeichnet sich eine deutliche Projektbudgetüberschreitung ab“, heißt der entscheidende Satz in ihrem Dossier. Konkret: Die Projektsteuerer mussten eine erhebliche Korrektur der 2014/15 taxierten Kosten um 2,15 Millionen Euro auf 5,47 Millionen Euro vornehmen. Rechnet man die Preissteigerung bis März 2017 hinzu, ergibt sich eine Kostendifferenz von 3,54 zu 5,47 Millionen Euro. Maßgebend und Grundlage aller weiteren Überlegungen ist die Kostenprognose zum Zeitpunkt der angepeilten Auftragsvergaben Ende 2018: Laut Projektvorgabe wären 3,909 Millionen Euro fällig, laut neuer Kostenschätzung vom 8. Januar 2018 würde die Stadthallensanierung dann 6,065 Millionen Euro kosten – 2,156 Millionen Euro mehr gegenüber dem Projektbudget.

Andererseits liegt die jetzt festgestellte Sanierungssumme in Höhe von rund 6 Millionen Euro exakt in der bereits im November 2014 vom Bauamt prognostizierten Höhe. Die aufgezeigte Neubau-Alternative würde demnach 12,3 Millionen Euro kosten. Das war 2014. Basierend auf dieser Grundlage hat das Projektsteuerungsbüro die Summe mit einer jährlichen Kostensteigerung von 8 Prozent bis 2019 hochgerechnet: Eine Sanierung würde die Stadt demnach 8,82 Millionen und ein Neubau 18,75 Millionen Euro kosten.

Nach bisherigem Stand soll die Sanierung der Stadthalle innen und außen von März bis September 2019 erfolgen, dies ist auch mit den Nutzern so abgestimmt und solange reicht die Gewährleistung des Statikers für die Tragkraft der provisorisch angebrachten Holzbohlen zur Sicherung der maroden Attika an der Außenfassade der Stadthalle.

Die Projektsteuerer Lenschow und Dabringhausen begründeten die Kostenüberschreitung unter anderem mit zu niedrig angesetzten Preisen in der Studie, fehlenden Ansätzen für Nebenleistungen, neu hinzugekommenen Maßnahmen und Erkenntnissen wie der Erneuerung des Pavillons der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH für 323 000 Euro, der Dachentwässerung und der Lüftung für den Wintergarten des Restaurants. Nicht in der Kostenrechnung enthalten sind etwaige Maßnahmen zum Hochwasserschutz, für den Bau einer Brandwand zum Restaurant (soll anderweitig kompensiert werden) und für die Entsorgung von im Teppichkleber enthaltenen Asbest im Saal und den Clubräumen. Letzteres würde aber erst freigesetzt und entsprechend entsorgt, wenn der Boden ausgetauscht werde, sagte Joachim Lenschow, der auch noch auf einige „Risiken und Unwägbarkeiten“ bei der Umsetzung der Dach- und Fassadenarbeiten sowie der Innensanierung hinwies. Fest steht für die Experten, dass eine alleinige Attikaerneuerung ohne Einbeziehung von Teilen der Fassade und des Daches (Dachrand) „nach aktuellem Planungsstand nicht möglich ist“.

Es gab besorgte Nachfragen vor allem von denen, die den bisher vorgelegten Zahlen schon immer misstraut und abgesicherte Zahlen vor der Grundsatzentscheidung Sanierung oder Neubau verlangt hatten. Wie die Grünen. Sören Vollert freute sich, dass „jetzt wahre Zahlen auf dem Tisch liegen“, die seien allerdings „schockierend“. Die Kostensteigerung war Wasser auf die Mühlen von Matthias Huber (Bürger-Forum). Er schlug erneut vor, die Stadthalle aufzugeben und das Grundstück an einen Hotelinvestor zu verkaufen. Sein Vorschlag: einen Saal von 30 mal 40 Metern an das am Bahnhof geplante Kino „anzudocken“. „Wir brauchen nur eine Stadthalle als Veranstaltungsstätte, aber kein Restaurant und keine Kegelbahn.“ Für die Stadtbücherei und die ETMG müssten Alternativen gefunden werden. Huber bat Bürgermeister Jörg Sibbel, mit der Investorengruppe des Bahnhofsareals zu sprechen, ob sie nicht „auf zehn Wohnungen“ zugunsten eines Veranstaltungssaales verzichten könnten. „Die Investorengruppe nimmt das mit Kusshand“, ist sich Huber sicher, und „der Bürgermeister könnte das in den Gesprächen schaffen“.

Bürgermeister Sibbel betonte, dass allein der Bau einer neuen Stadtbücherei ohne Grundstück 4,65 Millionen Euro kosten würde, eine neue ETMG weitere rund 3 Millionen Euro, wobei beide zentral untergebracht werden müssten. Als Größenordnung für einen Verkauf des 3344 Quadratmeter großen Stadthallengrundstückes nannte Sibbel einen Verkaufspreis von rund 5 Millionen Euro.

Nach diesen neuen Erkenntnissen ist die Politik gefordert, das Projekt Stadthallensanierung entweder weiterzuführen oder den Ratsbeschluss zur Sanierung der Stadthalle vom 17. Dezember 2014 wieder aufzuheben. Die Projektsteuerer gaben den Politikern eine sportlich bemessene Frist für ihre Entscheidungsfindung mit auf den Weg: „Es wäre schön, wenn wir innerhalb der nächsten vier Wochen eine Entscheidung hätten.“

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