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Küstenschutz : Sandaufschüttung irritiert die Bürger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dunkel gefärbter und leicht faulig riechender Sand aus Aschau wird als Küstenschutzmaßnahme am Eckernförder Strand eingearbeitet. Viele Passanten zeigten sich irritiert.

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erstellt am 10.Feb.2017 | 06:00 Uhr

Eckernförde | Der feine, helle Eckernförder Sandstrand zwischen dem Ostsee Info-Center (OIC) an der Hafenspitze und der Nixe vor dem Ruderclub wird seit gestern mit dem schwarz-grauen und leicht faulig riechenden Aushubmaterial aus Aschau bedeckt. Die Sandaufschüttung mit insgesamt 6000 Kubikmetern Sand stammen von den Ausbaggerungsarbeiten vor der Messstelle der Wehrtechnischen Dienststelle 71 an der Aschau-Lagune in der Eckernförder Bucht. Sie sollen verhindern, dass die Strandpromenaden an den immer schmaler gewordenen Strandabschnitten Am Dang und vor dem Kurpark vor Hochwasser und dem Unterspülen schützen. Die Strandaufschüttung und -verbreiterung ist eine Küstenschutzmaßnahme und mit dem Landesamt für Küstenschutz (LKN) abgestimmt, der Sand aus Aschau sei nach Angaben des städtischen Bauamtes vom LKN mehrfach verprobt worden und „unkritisch“, wie Tiefbauchef Axel Sperber gestern erneut feststellte.

Der leicht faulige Geruch entstehe durch die Zersetzungsprozesse organischer Stoffe wie Laub, Algen und abgestorbene Seegras unter Sauerstoffabschluss und verflüchtige sich in freier Umgebung schnell. Gleiches gelte für die dunkle Färbung des Sandes, die von den organischen Bestandteilen herrührten, die im Laufe der Zeit vom Regen und Seewasser ausgewaschen werden, erläuterte Sperber gestern. Die Maßnahme sei mit der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH abgestimmt.„Am Montag wurde uns organisches Material mit Sand geliefert, jetzt haben wir Sand mit organischem Material“, wies Axel Sperber auf den Unterschied zur abgelehnten Lieferung am Montag hin (wir berichteten). Der Geruch und die Verfärbung des Sandes seien vorübergehender Natur. Er vertraut auf die Beprobung durch das Landesamt für Küstenschutz, in denen keinerlei Belastung durch Schwermetall oder toxische Verbindungen gefunden worden seien.

Das LKN hat auf Anfrage unserer Zeitung die Aussagen des Bauamtes bestätigt. Das Sediment in Aschau sei im Vorwege an drei Stellen beprobt worden. Die Abstimmung der Probestellen sei in Abstimmung mit dem Umweltministerium erfolgt. „Die sedimentologischen Untersuchungen zeigten bei allen Korngrößenanalysen eine zu 99 % sandige Struktur des Sediments. Eine chemische Untersuchung wäre für dieses Baggergut nicht zwingend erforderlich gewesen, wurden aber dennoch durchgeführt. Im Ergebnis liegen alle Schadstoffkonzentrationen unterhalb der Richtwerte der ’Gemeinsamen Übergangsbestimmungen zum Umgang mit Baggergut in Küstengewässern’. Der Anteil an organischem Kohlenwasserstoff lag unter 0,1 %.“ Das Baggergut, das nicht nach Eckernförde kommt, werde in der Kieler Bucht verklappt.

Bei vielen Passanten auf der Strandpromenade kam die Aktion gestern nicht gut an. Mit ungläubigen Blicken, Kopfschütteln und bissiger Kritik reagierten sie auf die Einarbeitung der fast schwarzen Sandes in den hellen Sandstrand. Der immer dunkelgrauer werdende Fläche erinnerte die Spaziergänger mehr an einen Strand auf der Vulkaninsel Lanzarote denn an den gewohnten feinen, hellen Eckernförder Sandstrand. Wie gesagt – dieser Zustand soll nach Auskunft des Bauamtes nur vorübergehender Natur sein. „Das hoffen wir mal, sonst bleiben die Touristen weg“, sagte eine Frau. „Das ist ja unglaublich“, schüttelte ein Eckernförder Einzelhändler den Kopf. „Die sind bescheuert, die Eckernförder“, meinte ein anderer. Jemand anderes fand es „unfassbar“, dass die übel riechenden Haufen am Montag ohne Prüfung am Strand abgekippt und keine Kontrollproben gezogen wurden.

Claus Müller, Leiter des OIC, sprach nach einer ersten Inaugenscheinnahme des Materials von einem natürlichen und unbedenklichen Vorgang. Das vom Meeresgrund geborgene Material werde seinen leicht fauligen Geruch in wenigen Stunden bis Tagen verlieren, der grünliche Schimmer – Schwefelbakterien, die beim Zersetzen der organischen Bestandteile ohne Sauerstoff auskommen – und die dunklen organischen Bestandteile würden ausgeweht oder - gespült. Sorge bereite ihm vielmehr die Verklappung des übrigen Aushubs, weil dadurch die Dorschbrut gefährdet werden könne.

„Das Dunkle wäscht sich raus“, ist Marnie Schäfer von der ETMG überzeugt. „Von der Struktur her ist das schöner Sand, wenn auch nicht ganz so fein.“ Die Küstenschutzmaßnahme sei wichtig, „wenn wir nichts machen, haben wir bald keinen Sand mehr.“ Der Sand sei beprobt und unbelastet. „Ostern sieht das schon ganz anders aus.“

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