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Arbeitsmarkt 2013 : „Saisonbezirk“ trotzt Winter und Stau

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Arbeitsagentur zieht Bilanz: Die Region Eckernförde hat die Widrigkeiten des vergangenen Jahres mit dem langen Winter und dem Dauerstau auf der A 7 gut verdaut. „Es hätte deutlich schlimmer kommen können“, sagte Agenturchef Carsten Ludwig.

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erstellt am 06.Feb.2014 | 06:58 Uhr

Eckernförde | Der Arbeitsmarkt im Kreisteil Eckernförde hat den langen Winter und den Dauerstau auf der A 7 bemerkenswert gut verkraftet. Trotz des bis in den Mai hineinreichenden Winters und der monatelangen Sperrung der maroden Rader Hochbrücke für Lkw hat die Wirtschaft funktioniert und sich nach Worten der Leiters der Agentur für Arbeit Neumünster, Carsten Ludwig, „robust“ gezeigt. Eckernförde ist aufgrund der Küstenlage und touristisch geprägten Infrastruktur der „Saisonbezirk“ der Arbeitsagentur und hat die Nackenschläge des Vorjahres gut weggesteckt: Die Arbeitslosigkeit ist nur leicht von 6,0 auf 6,3 Prozent gestiegen. Ludwig wertete das unter den gegebenen Umständen als Erfolg und gutes Zeichen für das laufende Jahr. „Es hätte deutlich schlimmer kommen können, die Osterferien waren ja total weggebrochen“. Wenn solche Störfaktoren 2014 ausbleiben, blickt Ludwig optimistisch in die Zukunft, die auch durch die wirtschaftliche Dynamik gespeist wird.

Weniger dynamisch hat sich der Arbeitsmarkt gezeigt – in beide Richtungen: Es haben sich weniger Menschen neu arbeitslos gemeldet, aber auch weniger aus der Arbeitslosigkeit in Richtung Beschäftigung verabschiedet. Im Jahresschnitt waren im Bezirk Eckernförde (Gebiet des Altkreises) 2030 Menschen arbeitslos – 121 mehr als 2012 (+ 6,3 %). 40 Prozent bezogen Arbeitslosengeld, 60 Prozent Arbeitslosenhilfe (Hartz IV) über das Job-Center. 34 Prozent der bei der Agentur arbeitslos gemeldeten Menschen sind Langzeitarbeitslose (über zwölf Monate beschäftigungslos). 2013 haben sich in der Region Eckernförde 5173 Menschen neu oder wieder arbeitslos gemeldet – 85 weniger als 2012. Im Gegenzug konnten 5084 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden – 39 weniger als 2012.

Eine maßgebliche Zahl für die Beurteilung der Nichterwerbstätigkeit in einer Region ist die sogenannte Unterbeschäftigung. Darunter fallen neben den Arbeitslosen auch diejenigen, die sich in sogenannten Maßnahmen – Weiterbildung, Ein-Euro-Jobs, etc. – befinden und damit aus der Arbeitslosenstatistik fallen. Die Unterbeschäftigung im Kreis Rendsburg-Eckernförde – eine Statistik für Eckernförde gibt es nicht – ist 2013 von 9716 auf 9703 leicht gesunken. Zum Vergleich: die Arbeitslosenquote im Kreis liegt bei 5,7 Prozent, die Unterbeschäftigtenquote bei 7,1 Prozent. Arbeitslose gehen mit 75 bis 80 Prozent in diese Statistik ein.

Eine wichtige Aufgabe für die Arbeitsagentur ist es nach Worten Ludwigs, gerade für jüngere Menschen zwischen 25 und 35 Jahren berufliche Perspektiven zu entwickeln und sie für ihr noch langes Arbeitsleben vorzubereiten, zu stärken und zu qualifizieren. Häufig fehle es den Jüngeren an Selbstvertrauen und Motivation, oft auch an einer abgeschlossenen Berufsausbildung, sagte der Agenturchef. Eine fehlende Berufsausbildung sei der Haupthinderungsgrund für qualifizierte Beschäftigung: 40 Prozent der Arbeitslosen habe keine Berufsausbildung, beim Job-Center sind es über 50 Prozent.

Die Arbeitsagentur bietet auch Umschulung an, um zielgerichtet für den Markt auszubilden, wie der Eckernförder Geschäftsstellenleiter Enrique Ruiz Hampel ausführte. Das lässt sich die Agentur im Einzelfall zwischen 10 000 und 80 000 Euro kosten, und zwar nicht nur für die 25- bis 35-Jährigen. Viel Geld, das volkswirtschaftlich aber dennoch Sinn macht. „Wir haben kein Problem, Betriebe zu finden. Wir müssen nur die geeigneten Bewerber finden“, sagte Ruiz Hampel.

Beklagenswert sei, so Agenturchef Ludwig weiter, dass die Betriebe 2013 in der Region Eckernförde deutlich weniger Stellen angeboten hätten: 745 Meldungen – 237 oder knapp 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch: „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zeigt eine grundsätzlich positive Entwicklung“, sagte Agenturchef Ludwig. Kreisweit sei die Zahl um zwei Prozent auf 69 519 gestiegen. Die meisten Beschäftigten arbeiten im Gesundheits- und Sozialwesen (17,1%), gefolgt vom Handel (15,2%) und dem verarbeitenden Gewerbe (13,5%). Der Anteil der Zeitarbeit beträgt lediglich 0,4 Prozent.

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