Schlei : Sackkarre voller Postkarten

7000 Postkarten wechseln den Besitzer:  OFS-Geschäftsführer Max Triphaus (r.) überreicht  sie dem Staatssekretär aus dem Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Dr. Frank Nägele (2.v.r.). Einen Nachschlag gibt es von  Dr. Sabine Sütterlin-Waack (li.). Die Bundestagsabgeordnete   erläutert Moderator  Frederik Erdmann von der IHK, dass auch alle Bürgermeister der 26 Schleigemeinden die Petition unterschreiben haben.
7000 Postkarten wechseln den Besitzer: OFS-Geschäftsführer Max Triphaus (r.) überreicht sie dem Staatssekretär aus dem Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Dr. Frank Nägele (2.v.r.). Einen Nachschlag gibt es von Dr. Sabine Sütterlin-Waack (li.). Die Bundestagsabgeordnete erläutert Moderator Frederik Erdmann von der IHK, dass auch alle Bürgermeister der 26 Schleigemeinden die Petition unterschreiben haben.

Die Interessensgruppe zum „Erhalt der Bundeswasserstraße Schlei“ übergibt dem Kieler Staatssekretär aus dem Wirtschafts- und Verkehrsministerium Dr. Frank Nägele 14 000 Unterschriften.

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10. Juli 2014, 06:00 Uhr

Auf einer Sackkarre stapeln sich fünf kleinere und fünf größere Kartons. Alle gefüllt mit unterschriebenen Postkarten für den Erhalt der Schlei als Bundeswasserstraße. Dazu kommen noch 7000 Unterschriften per Online-Petition. Insgesamt hat die Lenkungsgruppe zum „Erhalt der Bundeswasserstraße Schlei“ in rund einem Jahr 14 000 Unterschriften gesammelt.

„Das Ergebnis ist großartig. Es haben sich bei weitem nicht nur Menschen von der Schlei, sondern aus Schleswig-Holstein und ganz Deutschland an der Aktion beteiligt. Sogar Zuschriften aus Österreich, Schweiz, Australien, Ägypten, Mexiko und den USA haben uns erreicht“, sagt Stephan Jung von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WiReg). Die Wireg, die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Ostseefjord-Schlei GmbH, die maritime Wirtschaft, Kommunen und andere sind in der Lenkungsgruppe zum „Erhalt der Bundeswasserstraße Schlei“ vertreten. Nun wollen die Mitglieder der Gruppe passenderweise auf einer Schlei-Ausflugsfahrt an Bord der „SchleiPrincess“ die Unterschriften dem Kieler Staatssekretär im Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Dr. Frank Nägele, überreichen.

Max Triphaus, Geschäftsführer des lokalen Tourismusdienstleisters OstseefjordSchlei GmbH (OFS), erläutert den rund 80 Gästen, dass die Lenkungsgruppe nicht nur die Unterschriftenaktion gestartet, sondern Ende 2012 auch ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, das auch das Bundesministeriums erhalten habe. Laut diesem Gutachten muss die hiesige Tourismuswirtschaft bei einer Herabstufung der Schlei allein im Tourismusgeschäft mit mindestens jährlichen Umsatzeinbußen von elf Millionen und in der Sportboothafenwirtschaft von rund fünf Millionen Euro rechnen. Hinzu kommen jeweils noch der Verlust an Arbeitsplätzen und kommunalen Steuereinnahmen.

Doch soweit soll es nun nicht kommen, heißt es. „Der Bund wird den Unterhalt der Schlei nicht nur im Jahr 2014 fortführen, sondern selbstverständlich auch in den Folgejahren. Davon gehe ich aus“, sagt Staatssekretär Nägele und beruft sich dabei auf eine Zusicherung des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt. Das Land werde eine Herabstufung der Schlei nicht zustimmen. „Die Schlei ist eine der für den Tourismus im Land wichtigsten Lebensadern“, so der Staatssekretär. Dazu gebe es wirtschaftliche Interessen wie die der Fischer.

Die 14 000 Unterschriften nannte Nägele eine geballte Unterstützung für das Anliegen. „Die Schlei versteht sich als eigene Region, das hat mich besonders beeindruckt. Wo, in Deutschland gelingt es 40 Kilometer zu einem Raum zu organisieren? Hier ist das gelungen.“ Dieses Zusammenstehen sei der Schlüssel für den Erfolg.“ Dabei lässt Nägele durchblicken, dass der Bund die im Frühjahr durchgeführten Ausbaggerungsarbeiten womöglich um ein Jahr verschoben hätte, wenn keine Reaktion vor Ort gekommen wäre. „Doch jetzt ist der Bund in der Pflicht. Bei 14 000 Unterschriften kann sich der Bund nicht mehr wegducken“, so der Kieler Staatssekretär.

Ausbaggerungsarbeiten in der Schlei sind laut Thedje Ancker in gewissen Abständen nötig, weil einige Passagen künstlich seien und manche Engen zu Versandungen neigen. Obwohl es eine schriftliche Zusicherung weder aus Berlin noch aus Kiel gibt, haben die deutlichen Worte im öffentlichen Raum ihre Wirkung. „Die ganz große Angst ist jetzt weg“, sagt Ancker.

Auch Max Triphaus gibt sich wegen dieses öffentlichen Auftritts zuversichtlich. „Das Land steht an unserer Seite und es gibt positive Signale aus dem Bundesministerium“, sagt der OFS-Geschäftsführer zufrieden. Diese Angelegenheit habe gezeigt, wie erfolgreich man regional ein Thema besetzen könne. Und wenn doch der Erhalt der Schlei gefährdet ist, habe man nun Strukturen geschaffen, um schnell auf Entwicklungen reagieren zu können. „Wir werden uns weiter für den Erhalt der Bundeswasserstraße Schlei einsetzen“, verspricht Triphaus. Notfalls könnte auch die Unterschriftenaktion wiederbelebt werden. In der OFS-Zentrale soll es noch jede Menge Flyer und Postkarten geben.

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