Wirtschaftsboykott : Russische Importsperre für Holtseer Käse

Gähnende Leere herrscht in dem Lager, wo noch bis vor kurzem ausschließlich der für den Export nach Russland bestimmte Käse lagerte.
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Gähnende Leere herrscht in dem Lager, wo noch bis vor kurzem ausschließlich der für den Export nach Russland bestimmte Käse lagerte.

Russland hat von einem Tag auf den anderen eine Einfuhrsperre von Käse der Meiereigenossenschaft Holtsee-Ascheberg verhängt. Die Suche nach neuen Absatzmärkten hat begonnen.

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11. März 2014, 06:57 Uhr

Die Importsperre, die Russland gegen Produkte aus schleswig-holsteinischen Meiereien verhängt hat, und die auch die Meiereigenossenschaft Holtsee-Ascheberg eG trifft, hat erste Auswirkungen (wir berichteten). Wurde der Käse bislang in zwei Schichten, einschließlich des Wochenendes, hergestellt, wurde die Produktion jetzt auf eine Schicht ohne Wochenendbetrieb umgestellt. In den riesigen Regalen, in denen noch bis zum 27. Februar ausschließlich Käse für den Export nach Russland bis zu seinem Transport lagerte, herrscht jetzt gähnende Leere.

Seit den 90er Jahren beliefert die Meierei in Holtsee den russischen Markt mit ihren Käseerzeugnissen. Begehrt bei den Russen sei besonders der Brotkäse, Tilsiterbrot in der Folie gereift, gewesen, der dort sehr guten Absatz gefunden habe, sagte Dirk Jaschner, Produktionsleiter. Russland war ein sehr wichtiger Handelspartner für die Meierei. Allein 40 Prozent der Produktion wurde nach Moskau und St. Petersburg exportiert. Von dort fand die Verbreitung durch Importeure im gesamten Land statt. So betrug die Lieferung im letzten Jahr rund 4000 Tonnen.

Die Handelssperre beruht auf einem Besuch eines Teams des russischen Veterinärdienstes Mitte Dezember in der Meierei. Rund neun Stunden hätten die Russen die Anlagen, Produktion und Lagerung kontrolliert, so Jaschner. Die Russen hätten nicht die Produkte selbst kritisiert, sondern die amtliche Überwachung, deren Praktiken nicht mit den russischen übereinstimmten. Zwar liege kein Abschlussbericht vor, aber von einem auf den anderen Tag habe Moskau eine Einfuhrsperre für die Produkte aus Holtsee erlassen, so Jaschner. Einziges Zugeständnis – die Erzeugnisse aus den Lagerbeständen durften noch exportiert werden.

122 Millionen Kilogramm Rohmilch werden jedes Jahr in Holtsee zu Käse verarbeitet. Die Handelssperre hat bislang noch keine konkreten Auswirkungen auf die 120 Arbeitsplätze. Bislang wurde noch niemand entlassen. Doch vier Mitarbeiter der Käserei, die sich in der Probephase befanden, seien aufgrund dieser Entwicklung nicht übernommen worden, erklärte der Produktionsleiter.

Jetzt müssen Alternativen zu Russland und seinen Verbrauchern gefunden werden. Hartmut Kittler, Geschäftsführer der Meiereigenossenschaft, will mithilfe des Vertriebssystems Gut von Holstein neue Exportmärkte in Skandinavien, Spanien und Nordafrika schaffen. Die Verhandlungen laufen bereits. Aber man sei ohnehin unabhängig von diesem Boykott stets bemüht, neue Märkte zu erschließen , erklärte der Geschäftsführer. Landwirte müssen nicht befürchten, dass ihre Milch keine Abnahme in der Meierei findet.

Nur in der ersten Woche nach Verhängung der Importsperre sei die Rohmilch vermehrt in die Flüssigkeitsverarbeitung gelangt. „Jetzt stellen wir Produkte für andere her, die wir bislang nicht bedienen konnten“, so Kittler.

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