Dienstags-Interview : Rückzug aus der Politik

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Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Klimach-Dreger tritt nicht mehr zur Kommunalwahl an und legt alle politischen Ämter nieder. Die EZ fragte nach.

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30. Januar 2018, 06:23 Uhr

Eckernförde | Seit zehn Jahren prägt der gebürtige Hamburger Martin Klimach-Dreger als Fraktionsvorsitzender die Politik der SPD in der Eckernförder Ratsversammlung. Jetzt hat er sich für einen Ausstieg aus der Politik entschieden. Die Eckernförder Zeitung hat nachgefragt. Klimach-Dreger lebt seit 1990 in Eckernförde und ist seit 1994 kommunalpolitisch aktiv. Beruflich leitet der 61-Jährige die Schuldner- und Insolvenzberatung der AWO in Aukrug.

Herr Klimach-Dreger, uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie zur Kommunalwahl am 6. Mai nicht wieder als Spitzenkandidaten der SPD antreten wollen. Können Sie das bestätigen?
Martin Klimach-Dreger: Das kann ich bestätigen.


Heißt das, dass Sie gar kein politisches Mandat mehr übernehmen möchten und komplett aus der Kommunalpolitik aussteigen?
Ja. Ich habe im vergangenen Jahr schon meine Ämter auf Kreisebene abgegeben, und werde nun auch auch in Eckernförde der Kommunalpolitik nicht mehr zur Verfügung stehen. Das gilt für alle Parteifunktionen in der SPD, ich werde nichts mehr machen.


Gibt es dafür einen aktuellen Anlass, oder was hat Sie zum Ausstieg veranlasst?
Der zeitliche Aufwand ist ein sehr hoher gewesen, und wer mich kennt, weiß, dass ich immer mit ganzem Herzen dabei war. Ich möchte jetzt Zeit für mich haben. Zudem bin ich auf Bundesebene nicht so ganz einverstanden, dass wir wieder in eine Große Koalition gehen, weil wir in den vergangenen Jahren Chancen verpasst haben, eine sinnvolle Bürgerversicherung durchzusetzen zur Sicherung der sozialen Systeme auch in der Zukunft.


Mit Ihnen verlässt der wohl erfahrenste Kommunalpolitiker die SPD-Fraktion. Wie haben Ihre Fraktion und Ihre Partei Ihren Schritt aufgenommen?
Es wurde durchaus mit Bedauern aufgenommen. Das schließe ich daraus, dass bis zum Schluss viele Kolleginnen und Kollegen versucht haben, mich umzustimmen. Das werte ich mal als positiv zugetan.


Wie geht es jetzt personell an der Spitze der SPD-Fraktion weiter?
Wir haben durchaus einige Personen, die größere Verantwortung tragen könnten. Da seien die Ratsmitglieder Jörg Meyer, Frauke Piechatzek oder Jürgen Neumann genannt, die ja tragende Figuren in der Fraktion sind. Sie werden lernen müssen, das durch das Ausscheiden der bisherigen Nummer 1 entstehende Vakuum zu füllen.

Wann steht fest, wer Nachfolger wird?

Spätestens mit der Aufstellung der Liste für die Kommunalwahl in der Jahreshauptversammlung am 22. Februar. Aber – das bleibt festzustellen – die konstituierende Ratsfraktion wählt den neuen Fraktionsvorsitzenden aus ihrer Mitte.


Wie fällt Ihr Fazit nach 24 Jahren als Kommunalpolitiker und Entscheidungsträger aus?
Positiv. Wir haben viel erreicht, vieles, was mir auch am Herzen lag. Dazu gehörte zum Beispiel das Ostsee Info-Center, da war ich zusammen mit Wilhelm Siemsen maßgeblich an der Konzeption beteiligt. Die Nooröffnung ist zu nennen, als uns 1995 alle für verrückt erklärt haben, dass wir aus dem Arbeitskreis Hafen heraus so etwas andächten. Die Schulsozialarbeit habe ich maßgeblich zum Laufen gebracht, und es gibt noch viele kleinere Dinge wie den Erhalt der Alten Fischereischule, die eben nicht an einen Investor verkauft wurde, sondern zu einer sozialen Einrichtung wurde.


Welche Entwicklungen oder Entscheidungen haben Sie am meisten bewegt oder gefreut?
Neben der Schulsozialarbeit die Nooröffnung. Ich halte es nach wie vor für richtig, dass das Projekt nach so vielen Jahren endlich in Gang gekommen ist. Die Nooröffnung ist sehr wichtig für die Zukunftsfähigkeit der Stadt und hat auch Impulse gegeben für andere wichtige Entwicklungen wie den Bebauungsplan Nr. 69 am Bahnhof.


Gibt es auch Ereignisse, wo Sie sagen würden, da haben wir Fehler gemacht?
Ja. Da fällt mir der zu lange Weg zur Lösung an der Hafenspitze ein. Und natürlich auch der handwerkliche Fehler, dass wir die Entwicklung des Bebauungsplans Nr. 69 am Bahnhof zwischendurch ja mal gestoppt hatten, weil wir zuviel Bahn einkalkuliert hatten, und dann die Bücher bis zur Neuaufnahme der Gespräche zugemacht hatten.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie die Ratsversammlung?
Ein bisschen Wehmut ist natürlich dabei. Ich kann nicht verhehlen, dass kommunalpolitische Arbeit sehr, sehr viel Spaß macht, und es natürlich auch Freude bereitet, mitzuerleben, wie Dinge sich realisieren.

Ist Eckernförde auf einem guten Weg?

Ja. Allerdings muss man sehr viel Wert darauf legen, dass Eckernförde strukturell sauber aufgestellt ist und in erster Linie die Bevölkerungsstruktur stimmt, also die Mischung zwischen Alt und Jung. Davon ist abhängig, wie sich alles andere in der Stadt gestaltet, und wir ein lebensfähiges System erhalten.


Es ist ja nicht immer ganz einfach gewesen mit der oft schwierigen Entscheidungsfindung. Gibt es etwas, was Sie den künftigen Ratsmitgliedern für die nächsten fünf Jahre mit auf den Weg geben möchten?
Es ist für eine Demokratie wichtig, dass man für Mehrheiten streitet, wirklich diskutiert und versucht, gemeinsame Lösungswege zu finden. Notwendig ist aber auch, dass getroffene Mehrheitsentscheidungen auch akzeptiert werden ...

... und nicht ständig wieder auf den Prüfstand gestellt werden ...

... weil es der Meinung Einzelner entspricht. Zur Demokratie gehört aber auch Folgendes: Wenn sich Personen oder Gruppierungen finden, die meinen, bessere Ideen zu haben, sollten sie nicht nur per Leserbrief oder in zweiter Reihe in Erscheinung treten, sondern so viel Mut aufbringen und sich den Entscheidungsprozessen verantwortlich stellen.


Und was macht Martin Klimach-Dreger künftig mit seiner neu gewonnenen Freizeit?
Ich bin mal in einem Jahr auf über 250 ehrenamtliche Termine gekommen, neben meiner Vollzeittätigkeit. Fragen Sie mich nicht nach den Stunden. Es gibt jedenfalls kein Vakuum. In der Vergangenheit habe ich das eine oder andere Bild ausgestellt oder habe an der einen oder anderen Lesung teilgenommen. Ich werde mehr Zeit zum Schreiben und Malen haben und auch mit meinem Hund spazieren gehen und reisen.


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