zur Navigation springen

Entwicklungshelfer aus Louisenlund : Ruanda: Louisenlunder bauen Schulen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schüler der Louisenlunder Ruanda-Gilde besuchten das ostafrikanische Land / Spendenaktionen für den Bau einer Grundschule

von
erstellt am 22.Jul.2017 | 06:58 Uhr

Louisenlund | Anstrengend und bedrückend seien die elf Tage in Ruanda gewesen, aber auch interessant und reich an vielen positiven Erfahrungen. Seit gut einer Woche sind die acht Schüler der Ruanda-Gilde der Internatsstiftung Louisenlund wieder zurück und die Eindrücke, die sie auf ihrer Reise durch den Norden des Landes gesammelt haben, sind vielfältig. Leiter der Gilde ist Hauke Nagel. Bevor er vor drei Jahren nach Louisenlund kam, arbeitete er unter anderem als Entwicklungshelfer, das 12 Millionen Einwohner Land Ruanda kennt er gut. „Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander“, sagt er. Viele Menschen in den Dörfern leben in desaströsen Verhältnissen, das Zentrum der Hauptstadt Kigali hingegen gleiche einer europäischen Metropole. „Aber ein Plastiktütenverbot gibt es in Ruanda“, sagt Nagel, die wahren Probleme des Landes würden die Regierenden nicht anpacken.

 

 

In der Ruanda-Gilde lernen die Schüler über Land und Menschen, aber auch über die Probleme Afrikas, die Entwicklungspolitik und wie sie nachhaltig wirken kann, aber auch, warum sie oft wenig zielführend ist.

Höhepunkt der Gilde, die vielmehr ein Entwicklungshilfe-Projekt ist, ist die Reise nach Ruanda. Im Mittelpunkt stand der Besuch des Dorfes Ntarama. Dort konnte dank vieler Spenden, auch aus Louisenlund, eine Vorschule errichtet werden. 120 Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen die Einrichtung, lernen dort rechnen, schreiben, lesen und Englisch – die Amtssprache Ruandas. „Wer die Sprache nicht beherrscht, kann nicht am öffentlichen Leben teilnehmen“, betont Nagel. Die Louisenlunder Gilde zahlt die Gehälter der drei Lehrer, umgerechnet 80 Euro pro Monat, damit gehöre man zu den privilegierten Bürgern. Auch für 60 Prozent der Schüler kann das Schulgeld von 3,50 Euro übernommen werden. Geld für das Partnerprojekt Louisenlunds konnte durch den 24-Stunden-Lauf und den Kaffeeverkauf (wir berichteten) eingenommen werden.

Neben vielen Exkursionen, bei denen die Internatsschüler die vielen Facetten es Landes kennen lernten, durften sie auch selbst ruandische Kinder unterrichten, sie organisierten ein Spielfest. „Die Kinder lieben die Schule“, sagt Nagel. Sie wüssten, dass sie nur über Bildung ihrem meist tristen Alltag entfliehen könnten. Alphabetisierung ist daher oberstes Ziel. Da gehöre auch viel Elternarbeit dazu. Das heißt, die Eltern müssten von der Bedeutung des Schulbesuchs ihrer Kinder überzeugt werden. Am fehlenden Schulgeld soll es dabei nicht scheitern. Wer wenig hat, packt mit an, hilft im Schulgarten, näht oder hilft beim Saubermachen.

„Mit Bildung macht man am wenigsten falsch“, betont Nagel, worauf es bei Entwicklungshilfe ankommt. Sie fördere die Lebensqualität. Viele Hilfen scheiterten an kulturellen Unkenntnissen oder technischer Überforderung.

 

 

Als „bedrückend“ empfand die 17 Jahre alte Emily den Aufenthalt in Ruanda. „Die Geschichte des Völkermords ist allgegenwärtig“, sagt sie. Zwei Gedenkstätten, die an den Völkermord von 1994 der Hutu an den Tutsi erinnern, besuchten die Schüler. „Jetzt müssen Opfer und Täter wieder zusammenleben“, schildert Nagel die schwierige Situation des Landes. Für Emily und Olympia, beide 18, war es beeindruckend, die Not vieler Menschen vor Ort zu erleben, gleichzeitig aber auch ihre Herzlichkeit.

Da der Bau der Vorschule abgeschlossen ist, steht bereits ein neues Projekt für die Louisenlunder an. „Es sollen vier Klassenräume einer Primarschule, Klasse eins bis sechs, in Ntarama errichtet werden“, sagt Nagel. Im März 2018 soll das Gebäude stehen. Der nahtlose Übergang von der Vor- und Grundschule wäre somit garantiert. Beim Entwicklungsministerium hat Hauke Nagel als zweiter Vorsitzender des Kinderhilfswerks Dritte Welt, einen Förderantrag gestellt. Weitere Gelder sollen wieder über Aktionen des Internats generiert werden. Im Mittelpunkt steht wieder der Verkauf des fair gehandelten Kaffees. Der Besuch einer Plantage stand auch in diesem Jahr wieder auf dem Programm. Dabei erfuhren die Schüler, dass es den Kaffeebauern durch den fairen Handel möglich ist, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Sie lernten aber auch die lange Tradition des Kaffeeanbaus kennen.

Schon im letzten Jahr kaufte die Gilde 300 Kilogramm handgepflückten und handsortierten edlen Hochlandkaffee von der Kaffeeplantage Gitesi. In Louisenlund wurde er dann verpackt und auf dem Weihnachtsmarkt als „Louisenlunder Nummer 2“ verkauft. Rund 2000 Euro kamen dabei für den Schulbau zustande. Zudem lernten die Schüler so eine sinnvolle und nachhaltige Entwicklungshilfe kennen. Die Kaffeebauern sind dabei nicht Hilfsempfänger, sondern Wirtschaftspartner auf Augenhöhe. „Jetzt haben wir mehr als doppelt so viel Kaffee gekauft“, berichtet Nagel, 720 Kilogramm. Als „Louisenlunder Nummer 2“ soll er Ende des Jahres für 14 Euro pro Pfund verkauft werden, 50 Prozent des Erlöses gehen an das Schulprojekt.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen