Fleckebyer Weinlese : Roter und Weißer aus dem Hirschholm

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Der Fleckebyer Hobby-Winzer Dr. Reiner Herzog und Weinbauer Andreas Hammerich sprechen von einem guten Weinjahr. Etwa 15 Flaschen haben sie von der neuesten Weinlese abgefüllt.

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06. November 2013, 06:50 Uhr

Warm haben es die vier Rebstöcke, zwei rote und zwei weiße, unter dem Terrassendach bei Andreas Hammerich. Dort wachsen sie geschützt und bekommen dennoch viel Licht. Die Erde ist leicht und sandig. Perfekte Bedingungen also für eine ertragsreiche Ernte. Gemeinsam mit Dr. Reiner Herzog hat Andreas Hammerich vor fünf Jahren erstmals aus den Trauben Wein gekeltert. 2010 war „Andis Roter aus dem Hirschholm“ dann reif für den Ausschank. Nach einem eher mäßigen Ertragsjahr 2012, rechnen Herzog und Hammerich jetzt wieder mit deutlich mehr. Um die 15 Liter sollen am Ende abgefüllt werden. „Eigentlich war der Weinstock anfangs nur als natürlicher Sonnenschutz gedacht“, sagt Gemeindearbeiter Andreas Hammerich.

Mit Ananaswein wagte sich Herzog 2007 erstmals an die Weingewinnung. „Der Fruchtgehalt war sehr hoch“, erinnert er sich. Aber auch aus Quitten, Erdbeeren und Äpfeln stellte der Diplom-Pädagoge Wein her. „Brombeere und Zwetschgen waren besonders lecker, Stachelbeere war ein Reinfall.“

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, dann beginnt bei Hammerich die Traubenernte. Die Trauben werden gepflückt und gezupft. Für die weitere Verarbeitung ist dann bei Herzog zu Hause alles vorbereitet. In einem herkömmlichen Mixer werden die Trauben zerschlagen. „Alles ist naturbelassen, auch die Kerne werden mit zerschlagen“, sagt Herzog. So entsteht die Maische. Dann wird gemessen – der Säuregehalt – nicht zu niedrig, am besten so bei sieben, empfiehlt er. Auch auf die Süße kommt es an, den so genannten Oechsle-Grad. Dieser bestimmt die Dichte, das spezifische Gewicht des Weines. „Am besten ist ein Wert so um die 70“, sagt Hobby-Winzer Herzog. Bei der Gärung wird der Mostzucker in Alkohol umgewandelt. Dadurch erlauben die Oechsle-Grade auch Rückschlüsse auf den Alkoholgehalt des zukünftigen Weines.

In einem Ballon, einer bauchigen Flasche wird der Wein angesetzt. Herzog fügt die Hefe in die Maische, die den Zucker in Alkohol und Kohlensäure verwandelt – die Gärung. Die Kohlensäure wird über ein kleines Rohr ausgestoßen. Damit sich keine Fruchtfliege in das Röhrchen verirrt, füllt Herzog dieses mit ein paar Tropfen Wodka auf, das hielt die Tierchen bislang ab. Auch etwas Nährsalz und Antigeliermittel kommen in die Maische hinzu. Die Gärung dauert etwa zehn bis 14 Tage. „Ein Winzer würde zu einem bestimmten Zeitpunkt die Gärung durch Zugabe von Schwefel abbrechen und den Reifeprozess vorzeitig abbrechen. Das macht Reiner Herzog nicht. Er lässt den Gärprozess durchlaufen, bis der Wein durchgegoren und kein Zucker mehr vorhanden ist. Dadurch liegt der Alkoholgehalt des Weines auch bei rund 16 Prozent.

Anschließend setzt sich der Jungwein vom Trüben ab. Hefen und Pflanzenteile sinken zu Boden und bilden einen Satz. Etwas Traubensaft behält Herzog immer zurück. Damit kann er gegebenenfalls nachsüßen und den Alkoholgehalt etwa senken. Nach rund zwei Wochen wird der geklärte Wein in Flaschen abgefüllt, verkorkt und senkrecht gelagert. „Dann kann er reifen“, sagt Herzog, „mindestens ein halbes Jahr.“ Regelmäßig muss der Fleckebyer im Weinkeller seine Flaschen im Blick haben. Werden die gläsernen Korken aus den Flaschenhälsen herausgedrückt, ist der Wein verunreinigt und nicht mehr genießbar.

Reiner Herzogs Vater stammt aus Ungarn, erzählt Herzog, dessen Großvater und Onkel in Ungarn sowie Süddeutschland als Weinbauern tätig waren. Beigebracht hat er sich das Keltern über die entsprechende Fachliteratur. Das Zubehör, wie Ballon, Messröhrchen und Hefe gibt es im Fachhandel.

„Der Wein ist allein für den Eigenverbrauch“, betont Herzog. Verkauft werde er nicht. Der erste Schluck gehört natürlich den beiden Winzern, die in einer kleinen gemütlich Ecke die Jahrgänge probieren.

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