Rote Null und teure Kröten

porträt kühl 1

von
04. Juli 2015, 06:34 Uhr

Seit vergangenen Dienstag kennen wir den Unterschied zwischen einer schwarzen und einer roten Null. Damit sind in diesem Fall nicht Politiker gemeint, sondern die Eckernförder Finanzen. Aus 372  000 Euro Plus werden aufgrund diverser Teuerungen durch den 1. Nachtragshaushalt 117  500 Miese. Differenz rund 490  000 Euro. Wieder was dazu gelernt. Immerhin geht die Toleranz von Bürgermeister Jörg Sibbel soweit, diese kleine Finanzwende als Nuller zu bezeichnen, weil Eckernförde einen Haushalt von knapp 40 Millionen Euro schreibt. Und da sind 490  000 Euro zwar auch Geld, aber eben nur schlappe 1,2 Prozent.

Allemal ärgerlich sind aber die Positionen, die Eckernförde dieses Minus beschert haben. Da sind wieder einmal das Technik- und Ökologiezentrum (TÖZ) als Experimentalbau und auch das fragile, extrem sanierungsanfällige und teure Schulzentrum Süd, wo nun sogar ein Klebeband für die Notabdichtung der Fassade herhalten muss – und das kostet mal eben 200  000 Euro. Dafür kriegt man ein Einfamilienhaus. Oder einen kleinen Verbindungsgang zwischen dem Verwaltungstrakt und den Unterrichtsräumen der Richard-Vosgerau-Schule. Die verschalte und verglaste Konstruktion über vielleicht zehn Meter kostet die Steuerzahler erstmal 189  000 Euro statt der vom Bauamt ermittelten Kosten von 137  000 Euro, was auch schon kein Schnäppchen war. Nun haben die Firmen richtig hingelangt und den Preis hochgepusht. Da die Stadt den Gang sonst sperren müsste, wird sie diese teure Kröte wohl schlucken, zumindest meint das der Finanzausschuss. Und wer weiß, was in der Nachkalkulation noch alles präsentiert wird.

Ein Blick in die mittelfristige Finanzplanung verheißt kaum Besserung, im Gegenteil. Die Sanierung der Treppenhausfassade – natürlich des Schulzentrums – kostet 2016 weitere 1,2 Millionen Euro. Im Klärwerk steht der Umbau der Belebung, so heißt es wirklich, für knapp 2 Millionen an. Und so weiter. Unterm Strich 9 Millionen Euro, die 2016 investiert werden.

Und dann gibt es noch ein Liste mit Projekten und Wünschen, die buchhalterisch noch nicht verplant sind. Darunter befindet sich auch die Neupflasterung der Kieler Straße und des Gänsemarkts. Ein Millionenprojekt, das Eckernförde sich eigentlich nicht leisten kann. Warum auch. Nachbesserungen im Bestand zur besseren Begehbarkeit reichen völlig.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen