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erntebeginn : Rot und süß – vom Feld in den Mund

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Erdbeersaison im Land hat begonnen. Der Bioland Hof Großholz ist einer der wenigen Betriebe in Schleswig-Holstein, die Bioerdbeeren anbauen.

shz.de von
erstellt am 25.Jun.2015 | 05:18 Uhr

Sie heißen Polka und Korona. Ihre rote Farbe leuchtet noch etwas zaghaft in den grünen Pflanzen. Dorota Andrzejcak und Boguisa Mazur sitzen auf einem Pflückerwagen und schieben sich langsam durch die Reihen der Erdbeerpflanzen. Stets den Blick nach unten gerichtet auf der Suche nach reifen Früchten ernten sie Bioerdbeeren. Jetzt, wo die Saison endlich beginnt, arbeiten die beiden Polinnen acht Stunden am Tag. „Die Sonne und die Wärme fehlen“, erklärt Ilona Ebel vom Bioland Hof Großholz den vergleichsweise späten Erntebeginn.

Der Bioland Hof in Großholz ist einer der wenigen Höfe in Schleswig-Holstein, die Bioland-Erdbeeren anbauen. „Bioerdbeeren sind in Schleswig-Holstein eine Rarität“, sagt Wiebke Koppe vom Bioland Landesverband für organisch-biologischen Land- und Gartenbau in Schleswig, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Auf 0,6 Hektar werden die alten Sorten Polka und Korona angebaut. „Die Erdbeeren schmecken ohne jeglichen Zusatz bereits süß und fruchtig“, verrät die 53–jährige Gärtnermeisterin, die gemeinsam mit Gerd Boll (Landwirt) und Ruth Becker den 35 Hektar großen Betrieb leitet. „Unsere Sorten müssen frisch verbraucht werden, da wir alte Sorten anbauen, die noch auf Geschmack und Süße und nicht auf lange Haltbarkeit gezüchtet wurden“, erklärt Ilona Ebel.

Auf den Einsatz von schnell wirkenden chemisch-synthetischen Dünermitteln und Pestiziden wird in Großholz verzichtet. Stattdessen kommen Pferdemist und Kompost zum Einsatz. Mit dem Anbau von Leguminosen, wie Erbsen oder Lupine, erfolgt eine Verbesserung des Bodens. Diese Pflanzen gehen an ihren Wurzelknollen eine Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien ein und tragen dadurch zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. Auch die Bearbeitung des Bodens ist in Großholz eine andere. Arbeitspferde (Norweger) ziehen je nach Witterung ab März die Reihenhacker durch die Pflanzenreihen. „Das ist schonender für den Boden“, so Ebel.

Auch Schnecken lieben die Erdberen auf dem Biolandhof. Statt Schneckenkorn zu verwenden, trifft sich die Mannschaft morgens um 8 Uhr und sammelt die Weichtiere konsequent ab. Jeden Morgen, bis irgendwann keine Schnecken mehr da seien, sagt die Gärtnermeisterin. Es gebe eben noch keine Langzeitforschung in der Frage, wie weit sich Schneckenkorn auf die menschliche Gesundheit auswirke.

Zehn bis zwölf Tonnen werden pro Saison auf dem Erdbeerfeld geerntet. Boguisa Mazur ist eine von sieben Pflückerinnen, die in der Erntesaison auf dem Hof arbeiten. Die Polin ist bereits zum vierten Mal dabei. Um den Rücken der Pflückerinnen, die acht Stunden täglich die Ware frisch für die Vermarktung ernten, zu schonen, wurde eigens ein Pflückerwagen konstruiert, auf dem sich die Frauen sitzend durch die Reihen schieben. Sie alle sind Verwandte von Beschäftigten aus Polen, die schon jahrelang auf dem Biolandhof arbeiten.

Seit heute können Liebhaber der roten Früchte auch selbst aktiv werden und die Erdbeeren pflücken. Von 8 bis 20 Uhr steht ihnen das Feld offen. Eine Beschilderung an der Hofeinfahrt erleichtert den Weg. Die Pflücksaison endet Ende Juli. Neben der Frischvermarktung auf Wochenmärkten in Eckernförde, Altenholz und Kiel beliefert der Hof den Naturkostproduzenten „Zwergenwiese“ in Silberstedt. Mehr als die Hälfte, sechs bis acht Tonnen der Früchte, wird dort zu einem Erdbeer-Rhababer-Fruchtaufstrich verkocht.

Erdbeeren lassen sich auf die unterschiedlichste Weise verkosten. Ilona Ebel selbst bevorzugt sie frisch gepflückt vom Feld.

> Weitere Informationen über Höfe, die Bioerdbeeren anbieten, unter www.bioerdbeeren-sh.de. Neben Bioland Höfen bieten auch konventionell betriebene Höfe das Selbstpflücken der Früchte an: unter anderem auf dem Osterhof in Loose (www.obsthof-osterhof.de) und auf dem Gut Warleberg (www.warleberg.de).

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