zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 11:55 Uhr

Rost, Risse und Reglementierungen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bei Attika denken Bau-Laien zunächst an die frühere Zigarettenmarke (die allerdings mit einem “t“ auskam), und dann vielleicht noch an die Region in Griechenland. Attika als Konstruktionsbezeichnung für den Übergang von der Fassade zum Dach ist weniger geläufig. Und ausgerechnet die macht nun ernsthafte Probleme. 600  000 Euro soll die Reparatur der Stadthallen-Attika kosten, weil die salzige Meeresluft den Fassadenplatten aus Waschbeton zugesetzt hat und auch schon die tragende Betonkonsolen dahinter in Form von deutlich sichtbaren Rissbildungen angenagt hat. Der Problembereich ist zwar schon seit 2008 unter Beobachtung, nach der jüngsten Untersuchung vor Wochenfrist war dann aber Ende im Gelände: Die Schäden sind erheblich, eine Sanierung unumgänglich. Im Bauausschuss wurde das Thema öffentlich, kommenden Dienstag soll der Finanzausschuss ein erstes Zeichen geben, ob die Gelder am 12. Mai von der Ratsversammlung freigegeben werden.

Vermutlich ja, denn eine Alternative gibt es eigentlich nicht, wobei man mit dieser Ansage in Eckernförde ja vorsichtig sein muss. Jedenfalls dürfte die marode Attika und die weiteren im Raum stehenden Sanierungskosten – abzüglich der wohl unumgänglichen 600  000 Euro für die Attika werden Summen zwischen 2,6 und 5,4 Millionen genannt – bei dem einen oder anderen Abrissphantasien für die Stadthalle neu entfachen. Ein Neubau – vielleicht am Grünen Weg, vielleicht aber auch woanders –, wäre nach großer Kostenschätzung der Stadt und Stand heute für 14 Millionen zu haben, wobei die Erlöse aus der Vermarktung des attraktiven Baugrundstücks der jetzigen Stadthalle mit Meerblick und die theoretisch möglichen Synergieeffekte im Falle einer Kino-Integration in oder an so ein Großgebäude gegengerechnet werden könnten. So stellt sich zumindest das Bürger-Forum das Ganze gedanklich und bar jeder Konkretisierung als eine zu prüfende Möglichkeit vor. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Immerhin: Die marode Attika bringt Bewegung in die Sache.

Nun also doch ein Bebauungsplan für die Käthe-Kollwitz-Straße. Nachdem der Gestaltungsbeirat sich in die ihrer Anschauung nach einzigartige Siedlung verliebt hat und am liebsten sofort unter Denkmalschutz mit Rückbauoptionen gestellt hätte, haben Politik und Verwaltung das Ganze wieder ein wenig geerdet. Statt einer Gestaltungsfibel soll die Siedlung nun mit Hilfe eines B-Plans und integrierter Ortsgestaltungssatzung in eine einheitliche Zukunft geführt werden. Die Eigentümer der kleinen Doppelhaushälften haben streng reglementierte Auflagen einzuhalten, wenn sie an ihren Häuser herumwerkeln. Vor allem müssen sie die Einheitsfarbe Rot für Fassaden und Dächer wählen, helle Häuser, und seien sie auch noch so hochwertig, sind künftig tabu.

Fensterrahmen dürfen hingegen kunterbunt und Fassaden mit Plastikschindeln verkleidet werden.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Apr.2016 | 06:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen