Interessante Begegnung : Rolf Zacher – kokett, aber immer mit Herz

Gab im Ratssaal Einblicke in sein bewegtes Leben: der Schauspieler Rolf Zacher.
Gab im Ratssaal Einblicke in sein bewegtes Leben: der Schauspieler Rolf Zacher.

LesArt bringt den berühmten Schauspieler in den Ratssaal / Programm leidet unter der Akustik

Avatar_shz von
28. Juli 2014, 06:00 Uhr

Eckernförde | Eine interessante Erscheinung ist dieser Rolf Zacher, der gut gelaunt in den Ratssaal tänzelt und den Applaus augenzwinkernd genießt: „Das kenn ich aber noch ganz anders...“ Volles, dunkles Haar, olivfarbener Teint, feiner Zwirn, dunkelblauer Schal, elegante Brille – so gut gekleidete Herren sucht man, gerade im Sommer, in der kleinen Stadt am Meer vergeblich. Und so freche vielleicht auch: „Zuhause sind 38,5 Grad. Ich dachte, ich ruf’ hier an und sage, wir treffen uns lieber am FKK-Strand.“ Na ja, hat er dann doch nicht ...

Genau solche Schnacks haben die Menschen, die an diesem heißen Abend in den nüchternen Ratssaal gekommen sind, sicherlich erwartet. Das Bild, das die (teilweise völlig bescheuerten – da muss man nur mal eben in Youtube schauen) Medien von Rolf Zacher in letzten Jahrzehnten gezeichnet haben, verheißt einen Abend voller Anekdoten, verschmitzter Anspielungen, Überraschungen. Und in der Tat – der Mann, der in über 200 Filmen mit allem was Rang und Namen hat, vor der Kamera stand und zwei wichtige Filmpreise gewann, beginnt die Lesung mit einem Rückblick auf die Kindheit.

Er habe sich im Stall bei den Tieren immer wohl gefühlt, die Harmonie gespürt, gerne auf dem Heuboden gespielt. „Dort erfuhr ich mit sechs Jahren das erste Doktor Pillermann Aufklärungsspiel.“ Und: Die Bauern in seinem Dörfchen seien nicht so nett gewesen, die wollten immer was von seiner Mutter. Aber die hätte ja schon ein Verhältnis mit dem Förster gehabt. Er amüsiert sich: „Ich rede in meinem Buch eigentlich nur über Sexualität!“ Zacher verdient und bekommt seine Lacher – hätten ihn denn nur alle im Saal verstanden.

Fortwährende Probleme mit Pulthöhe und Mikro stellen die Zuhörer auf eine Geduldsprobe – den armen Zacher ebenso: „Ich schwitze jetzt, aber nicht aus Stress oder Angst...“ Seine in Filmen für Ganovenrollen so herrlich nuschelnde Sprache macht es an dem Abend schwer, zu folgen. Nuscheln, rutschendes Buch und ungünstiger Abstand zum Mikro manchmal unmöglich. Atemlose Stille füllt die Pausen bei der Suche nach den Abschnitten, die er lesen möchte. Die Geschichten, die dann kommen, sind lustig; ihre Pointen sind zum Piepen. Immer sei er aus der Schlange gepickt worden, wenn er über die DDR-Grenze nach Berlin wollte. „Die mit der umhäkelten Klorolle, dem Kissen mit aufgesticktem Nummernschild und dem Wackeldackel auf der Ablage, die durften durch.“ Aber – auch der Westen stand der DDR in Sachen Zacher-Kontrolle in nichts nach: „Als man die Baader-Meinhof-Bande suchte, war es immer ich, der rausgeholt wurde ...“ Der leidenschaftliche Liebhaber, auch von PS-starken Automobilen, nimmt das Publikum im Porsche mit auf einen Trip nach Biarritz, wo er auf dem Weg zu einem Dreh, welch Zufall, im Ritz übernachtet und dann, mit den schönen Badelatschen, dem Bademantel und den Handtüchern mit Ritz-Schriftzug in seinem Koffer den Porsche, seinen Rücken und auch fasst seinen Freund zu Schrott fährt. Sieben Jahre Morphium, dann Heroin gegen die Schmerzen sollten folgen. „Ich kam runter davon. Die meisten schaffen das nicht. Da kann man auch mal ein bisschen applaudieren ...!“ Ja, er ist kokett, sein Herz aber klingt immer durch.

Bekannte Namen wie Sami Molcho, Peter Lilienthal, Boy Gobert, Anita Ekberg, Hans Werner Henze, Uschi Obermeier, Rainer Werner Fassbilder, Peter Sellers oder Carlos Saura begegnen ihm auf seinem Werdegang, den er mit Dreistigkeit und Biss vorantreibt. Was er über seine diversen Beziehungen sagt, könnte irgendwie auch für den Abend gelten: „Ich musste immer mal wieder raus – wie eine Schlange, die sich häutet, weil sie wächst.“ Augenzwinkernde, gedachte Regieanweisung (sie sei uns vergeben) in Anlehnung an seine Zeit mit dem großen Lilienthal: „ ,Ok Zacher, Sie gehen jetzt noch mal raus, dann kommen Sie wieder rein und dann kommen Sie richtig in Fahrt, sprechen lauter und klarer.’ ‚War das gut?’ ‚Ja. Aber davon das Doppelte.’“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen