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Traditionssegler : „Roald“ bleibt Eckernförde erhalten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Was keiner wusste: Der Traditionssegler Roald Amundsen stand bis vor 14 Tagen kurz vor der Zwangsvollstreckung. Doch dann hat der Verein das Schiff gekauft und erhält Eckernförde die Brigg.

Seit 2005 in Eckernförde beheimatet, gehört der als Brigg getakelte Traditionssegler „Roald Amundsen“ zwischen seinen Reisen inzwischen zum gewohnten Hafenbild. Betrieben vom Verein „LebenLernen auf Segelschiffen e.V.“ geriet das seit 1993 in Dienst gestellte Schiff in diesem Frühjahr in stürmisches Fahrwasser, als einer der beiden Eigner, die es aus ehemaligen NVA-Beständen kauften, in finanzielle Bedrängnis geriet. Zur Schuldbegleichung drohte die Zwangsvollstreckung und damit die Teilversteigerung des Schiffes. „Wir waren der Sache völlig ohne Schuld ausgeliefert“, berichtet Vereinsvorsitzende Birgitt Lüeße. Seit Mai dieses Jahrs klebte der „Kuckuck“ an der Kapitänskajüte, große Reisen konnten nicht mehr vorgenommen werden, damit die Auflage, innerhalb von 14 Tagen zur Vollstreckung in Hamburg zu sein, erfüllbar blieb.

Im Raum stand eine sechstellige Summe, die dem Verein mit 1200 Mitgliedern die Grundlage entzogen hätte, inklusive vier festen Arbeitsplätzen in Eckernförde, die dann hinfällig gewesen wären. „Das ist nun vom Tisch, seit zwei Wochen ist der Verein vertraglich abgesichert, offizieller Besitzer des Schiffes“, entwarnte die Vorsitzende gestern erleichtert. Nach zähen Verhandlungen kommt der Verein für die Gläubigersumme auf, darf diese über einen längeren Zeitraum begleichen.

Ursprünglich als Hochsee-Fischlogger 1952 gebaut, zu DDR-Zeiten als Kraftstoffversorger betrieben, hatten die beiden Eigner Detlev Löll und Hanns Tamme das Schiff Anfang der neunziger Jahre gekauft und in zwei Jahren in Wolgast zur Brigg umbauen lassen. Zur unentgeltlichen Nutzung überließen sie es dem Verein, der sich wiederum verpflichtete, für sämtliche Betriebs- und Instandsetzungskosten aufzukommen. Viel wurde durch den Verein investiert, Auflagen der Seeberufgenossenschaft erfüllt und der technische Standard permanent angepasst und nicht zuletzt tausende von ehrenamtlichen Stunden in die Instandhaltung investiert. „Das sorgt im Monat für gut 35 000 Euro Betriebskosten“, bestätigt Lüeße, einen Betrag der lediglich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden bestritten wird.

Rund 500 „Trainees“, die Stammbesatzung nicht mit eingerechnet, segeln über das Jahr auf dem Schiff, das im Sommer in der Ostsee und in den Wintermonaten auch weltweit unterwegs ist, dabei die Karibik oder die Großen Seen in den USA anläuft. „Es ist das einzige Schiff, das in Eckernförde beheimatet ist und die Stadtflagge weltweit präsentiert“, bestätigt Michael Koch, ehemaliger Marinenoffizier und Steuermann der Stammbesatzung. Auch ihm fällt ein Stein vom Herzen, dass es weitergeht und die angesagten Reisen zu den Kanarischen und Kapverdischen Inseln wie geplant durchgeführt werden können.

>Weitere Infos unter ww.sailtraining.de


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