Eckernförde : "Roald Amundsen" ist wieder daheim

Langsam näherte sich die Brigg gestern dem Liegeplatz vor der 'Andreas Gayk' im Hafen. Fotos: Post
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Langsam näherte sich die Brigg gestern dem Liegeplatz vor der "Andreas Gayk" im Hafen. Fotos: Post

Traditionssegler ist von einem Fünf-Monats-Törn zurückgekehrt / Über den Winter war das Schiff bei den Kapverden und den Azoren unterwegs

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31. März 2012, 07:21 Uhr

Eckernförde | Die Brigg "Roald Amundsen" ist zurückgekehrt. Nach einer Reise über fünf Monate bis zu den Kapverdischen Inseln hat sie gestern um 13.20 Uhr im Hafen festgemacht. Zuvor war sie unter Motor in die Eckernförder Bucht eingelaufen. "Wir hatten keine Segel oben, weil der Wind von vorne kam", erklärte Kapitän Hugo Bauer (70) nach der Ankunft. Das war auf dem gesamten Törn jedoch selten der Fall: "Wir hatten guten Wind", so Bauer. Auf dem Kai wurde das Schiff von einigen Schaulustigen und Mitgliedern des Vereins "Leben lernen auf Segelschiffen" begrüßt, dem der Traditionssegler gehört.

Hugo Bauer sprach von einer schönen Reise, auf der er sich mit fünf anderen Kapitänen abwechselte. "Sonnig, aber kalt" sei die letzte Etappe des langen Törns gewesen. Diese und die erste Etappe Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte er übernommen, beide dauerten jeweils eine Woche nach und von Oostende in Belgien. In den Nächten sei die Temperatur auf bis zu drei Grad gefallen. "Durch den Wind war es aber gefühlt kälter", sagte er. Dazu habe es oft Nebel gegeben. Das bestätigte Susanne Axt aus München. Die Architektin war zum ersten Mal als Trainee auf dem Segler dabei. "Die Kälte hat uns ganz schön zu schaffen gemacht", sagte sie. Die Deckswache über vier Stunden konnte dann besonders nachts sehr lang werden. Trotzdem: "Die Reise war ein einzigartiges Erlebnis", sagte sie.

Die Crew besteht aus 48 Mitgliedern, 17 davon gehören zur Stammbesatzung, die den Trainees das Segeln beibringen. Teilnehmen kann jeder ab 14 Jahren. "Auf der Roald Amundsen wird traditionelle Seemannschaft gelehrt. Wir können nur segeln, wenn alle mitmachen", sagte die Vorsitzende des Vereins, Birgitt Lüeße.

Insgesamt elf Etappen hat die "Roald Amundsen" mit jeweils wechselnder Besatzung hinter sich gebracht. Sechs Länder hat der 50 Meter lange Zweimaster dabei besucht. Am 28. Oktober 2011 ging es los über Oostende, über Lissabon in Portugal, über Malaga und Ceuta zunächst nach Santa Cruz auf der Kanarischen Insel La Palma in Spanien. Von dort nahm die "Roald Amundsen" südwestlichen Kurs auf die Kapverden, einer Inselgruppe im Atlantik, etwa 460 Kilometer von der Küste des Senegals entfernt. Dann ging es auf Kurs Nord ohne Stopp über 1300 Seemeilen zu den Azoren. Die Inselgruppe gehört zu Portugal. "Der Wind war gut, das Schiff ist auf dieser Strecke nur 80 Seemeilen unter Motor gelaufen", sagte Hugo Bauer. Von dort aus nahm das Schiff wieder östlichen Kurs auf Lissabon, um durch die Biskaya, Nord- und Ostsee wieder in kältere Gefilde gen Eckernförde zu segeln. "Die Biskaya zeigte sich atypisch: Dort war Flaute auf dem Rückweg", sagte Hugo Bauer über das schwierige Segelrevier. "Da hatten wir auf der Ostsee vor Eckernförde mit sieben Windstärken mehr Wind."

Nun folgt nach der heutigen Mitgliederversammlung die erste Werftzeit für dieses Jahr: Die "Roald Amundsen" bleibt noch bis Gründonnerstag, 5. April, im Hafen. Dort betreiben die Vereinsmitglieder Windjammerpflege. "Es wird nur etwas gepinselt, denn auf dem Törn ist nichts kaputtgegangen", sagte Hugo Bauer.

Für Trainee Susanne Axt steht fest: "Ich bin mir sicher, dass ich noch einmal mitfahren werde, es hat mir sehr gut gefallen."Unter www.sailtraining.de lassen sich die Törns dieses Jahres mit freien Plätzen abrufen. Der Verein ist unter Tel. 726074 zu erreichen.

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