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Eckernförder Beliebung : Rituale und launige Reden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der Generalversammlung der Eckernförder Beliebung haben acht Männer das Trinkritual als Aufnahmeprüfung bestanden. Sie mussten einen großen Pokal mit Malzbier „auf ex“ trinken.

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erstellt am 16.Jun.2017 | 06:01 Uhr

Eckernförde | „De Putt mut vull!“ fordert Lorenz Marckwardt energisch von Gastronomin und Gildeschwester Claudia Franz. Und tatsächlich: Der Willkomm-Pokal wird für das letzte Aufnahmeritual an diesem Nachmittag, wie vom Vorsitzenden der Borbyer Gilde „angeordnet“, höher befüllt als bei den sieben Vorgängern. Aber wer König der Borbyer Gilde ist, den lässt auch so ein flüssiges „Update“ kalt: Andreas Steffen setzt an, schluckt kräftig und ohne Aussetzer, bis der Pokal geleert ist – geschafft, großer Jubel im Mango’s.

Das traditionsreiche Aufnahmeritual war wie jedes Jahr der Höhepunkt der Generalversammlung der Eckernförder Beliebung von 1629, der Totenzunft, die wegen ihres Verzichts auf öffentliche Feierlichkeiten und Ummärsche auch Stille Gilde genannt wird. Alle acht Bewerber hatten sich an den Tipp des 1. Beisitzers und Moderators dieser Prüfung, Hermann Wolter, gehalten: „Halten, atmen, weiterziehen!“ Mindestens ein halber Liter Malzbier floss – begleitet von den anspornenden Rufen der Versammlung „he schafft dat, he schafft dat nich ...“ – auf diese Weise „auf ex“ durch die Speiseröhren der Prüflinge, die nach bestandener Prozedur mit großem Hallo in die Beliebung aufgenommen wurden: Andreas Kaiser, Karl-Heinz Köster, Jörg Lorenzen, Michael Pientka, Kay Wiese, Thomas Völz, Ingo Tiedemann und Andreas Steffen. Die neuen Gildeschwestern, die ohne Prüfung davonkamen und traditionell nicht an der Generalversammlung teilnehmen dürfen, aber zur anschließenden Gildefeier mit Essen geladen sind, heißen Gisela Fuchs, Christel Kankelfitz, Elke Möller, Alexandra Bimschas und Beate Bednarski.

Die einzigen Frauen, die der Generalversammlung beiwohnen durften, waren neben erwähnter Hausherrin kraft Amtes Bürgervorsteherin Karin Himstedt und ihre Stellvertreterin Anke Göttsch. „Eine kleine Zierde darf auch mal sein“, frotzelte Himstedt in bester Gildemanier, denn Spaß, Anekdoten und kleine Zoten sind bei aller Ernsthaftigkeit und Traditionspflege willkommene und notwendige Zutaten für eine gelungene Generalversammlung. Für sie sei es ein „echtes Privileg“, als Frau an der Männerversammlung teilnehmen zu dürfen. Weitere launige Grußworte kamen von Aribert Bramhoff, scheidender Präsident der Bürgerschützengilde von 1570, dem stellvertretenden Standortältesten, Fregattenkapitän Michael Blunck, Heiko Gauert, Vorsitzender der Plattdüütsch Gill, und Lorenz Marckwardt von der Borbyer Gilde. Er ließ es sich nicht nehmen, den wortgewaltigen Ehrenältermann, Arnold Metzger, ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Metzger sei zwar ein großer Verfechter der frauenlosen Generalversammlung, aber der erste, „de bi de Empfang int Rathus nich gau genog an de Boss vun de Börgervörsteherin kamen kun“. Die Retourkutsche kam prompt: Er bewundere „Lornes Beobachtungstaktik“, im Übrigen sei es wunderbar, „so einen loszulassen“, Lachen und Humor gehörten dazu.

Zwei Stunden zuvor hatte sich die Beliebung mit ihren Gästen noch vor dem Empfang im Rathaus an der 2015 gepflanzten Gildeeiche am Steindamm versammelt. Dort erinnerte Ehrenältermann Metzger in unnachahmlicher Art an den durch Fällung verursachten Eichenschwund in der Stadt und zählte die Standorte der letzten fünf verbliebenen Großeichen auf: Cäcilienstraße, Im Grund, Richard-Vosgerau-Schule, Willers-Jessen-Schule und Pastorat Borby. Die junge Gildeeiche symbolisiere den Zusammenhalt und das Wachstum der vier Eckernförder Gilden. Anschließend verlas Otto Schlotfeldt ein altes Gedicht über Eckernförde.

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