Interview : Riesenerfolg für die Konzertkirche

Die Konzertkirche ist für ihn Passion: Pastor Frank Boysen.
Die Konzertkirche ist für ihn Passion: Pastor Frank Boysen.

Pastor Frank Boysen gelingt Engagement großartiger Künstler für 2015 / Wunsch, mit Programm noch mehr Menschen anzusprechen

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27. Januar 2015, 06:00 Uhr

Gettorf | Die St.-Jürgen-Kirche geht als Konzertadresse in ihr viertes Jahr. Pastor Frank Boysen hat sich der Organisation des Programms angenommen, das bereits berühmte Künstler wie René Kollo nach Gettorf führte. Über diese Aufgabe und die Akteure im neuen Jahr spricht er im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Boysen, im Juni 2011 wurde die mit Fördermitteln umgebaute St. Jürgen-Kirche als Konzertkirche eröffnet. Wie läuft es bisher?
Es läuft immer besser. Wir haben aber immer noch Ziele. Wir möchten noch bekannter werden und noch mehr Menschen ansprechen.

Nicht nur in der Region beheimatete Chöre treten hier gern auf, sondern auch musikalische Ensembles aus ganz Deutschland und der Welt. Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte bisher?
Höhepunkte sind für mich drei Konzerte gewesen. Zuerst Folk Balica, die hier waren. Das Konzert war so gut, dass sie die Zusammenarbeit mit uns fortsetzen wollen und im Mai wiederkommen. Dann das Harmonic Brass Ensemble, ein Weltklasseensemble aus München. Und die Latvian Voices, ein internationales Spitzenvocalensemble, das mit seiner Musikkultur verblüfft. Ich habe keine Berührungsängste mit unterschiedlichen Stilen. Klassik und Folk sind unsere Schwerpunkte. Und ich achte auf den Raum. Er bietet Vorteile für kleinere Ensembles. Sie können sich hier sehr gut durchsetzen. Es ist nicht anstrengend für sie, Musik zu machen.

Im vergangenem Jahr haben Sie Größen wie René Kollo, das kanadische Stringquartett The Fretless oder eben Folk Baltica nach Gettorf geholt. Wie machen Sie das?
Das hat auch viel mit persönlichen Kontakten zu tun. Ich kenne viele Musiker persönlich. Peter Boll war Geschäftsführer von Folk Baltica, wir haben uns mittlerweile angefreundet. Ich habe ihm versprochen, wir machen einen tollen Veranstaltungsort. Wir haben das Versprechen eingelöst. Daraufhin sind sie wieder gekommen. Aber die Hauptarbeit ist nicht die Organisation. Die Hauptarbeit ist der Nervenkrieg: Kommen die Musiker, kann ich sie bezahlen, kommen die Leute?

Und finanziell?
Wir machen das alle ehrenamtlich. Keiner kostet Geld bei uns. Weil wir nur sehr geringe Kosten haben, rechnet sich das. Einige Konzerte schließen wir schon mit Unterschuss ab, wenn die Künstler eine Mindesteinnahme brauchen. Da schießen wir zu. Aufs Jahresende gesehen aber ist immer ein gewisser Betrag übrig. Dennoch würde ich mir Sponsoren wünschen, so dass wir das Risiko bei hochkarätigen Künstlern, die eine höhere Gage bekommen, besser abfedern können. Harmonic Brass zum Beispiel müsste ausverkauft sein.

Das Publikum ist doch eher älteren Semesters. Sie haben durch Ihre Arbeit mit den Konfirmanden und Pfadfindern doch einen guten Draht zur Jugend. Wie könnte man das junge Publikum erreichen?
Wir fangen nicht an, Rockbands in die Kirche zu holen. Das passt nicht zum kirchlichen Raum und Auftrag. Aber wir werden auch in Zukunft versuchen, Musiker herzuholen, die die junge Generation ansprechen. Im September kommt Martin Buchholz, ein christlicher Künstler, Filmemacher, Kabarettist und Songpoet mit Liedern, die die jungen Leute singen. Mit dem kommen auch die Jugendlichen.
Ja, eine Kirche als musikalische Veranstaltungsstätte setzt Grenzen. Was ginge für Sie gar nicht in St. Jürgen?
Da gehen die Meinungen natürlich auseinander. Ich bin nicht ganz streng an dieser Stelle. Vieles, was ich bei meinen Konfirmanden höre, ist nicht geeignet. Die Folk-Ausrichtung passt ganz gut. Die spielen auf echten Instrumenten. Es ist keine künstliche Welt. Deswegen werbe ich dafür, die Folk-Geschichte auszubauen.
Die Organisation der Veranstaltungen, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Pflege der Kontakte zu den Musikern ist viel Arbeit. Was bedeutet Ihnen diese Aufgabe?
Das ist Passion. Es ist richtig Hobby für mich. Es ist ja auch ein Genuss, der Kontakt zu den Künstlern. Die Jungs von Fretless zum Beispiel haben alle bei uns zu Hause übernachtet. Die haben hier bis nachts um halb drei Musik gemacht. Das ist einfach ein Geschenk. Ich mache das, weil ich Lust habe auf Musik und auf den Kontakt zu Menschen, die sich Musik zur Lebensaufgabe gemacht haben. Und weil ich es schön finde, wenn sie zu uns in die Kirche kommen.
Im Februar sind die Bop Cats mit Jazz, im März Christian Braumann mit klassischem Klavier und im Mai Roger Tristao Adao mit spanischer und lateinamerikanischer Gitarrenmusik zu Gast in der Konzertkirche. Auf was dürfen wir uns in 2015 noch freuen?
Auf Kraja im Oktober. Das ist ein großartiges Vokalensemble aus Schweden. Für Kenner ist das etwas ganz Großes. Ein Geschenk des Himmels, das die angerufen haben. Und auf Helene Blum mit Harald Haugaard im Dezember. Sie ist in Dänemark berühmt, er gilt als bester Folk-Geiger in Nordeuropa. Dass die herkommen, das ist der Clou schlechthin, ein Riesenerfolg.

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