kanalkataster liegt vor : Riesebys Kanalnetz marode: Sanierung kostet eine Million

Auch die Schächte des Kanalnetzes sind sanierungsbedüftig. Wie die Schmutzwasserrohre, die bislang gefilmt wurden, stammen auch sie größtenteils aus den 70er Jahren.
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Auch die Schächte des Kanalnetzes sind sanierungsbedüftig. Wie die Schmutzwasserrohre, die bislang gefilmt wurden, stammen auch sie größtenteils aus den 70er Jahren.

Kurios: Die Regenwasserkanäle sind im Kanalkataster nicht erfasst. Bislang erhebt die Gemeinde keine Regenwassergebühr, sondern finanziert dieses Netz durch den allgemeinen Haushalt.

shz.de von
20. Januar 2015, 06:07 Uhr

Das Riesebyer Kanalnetz ist in die Jahre gekommen und weist massive Schäden auf, die dringend saniert werden müssen. Größtenteils stammen die Schmutzwasserkanäle, Haltungen und Schächte noch aus den 70er Jahren und weisen Risse, Absackungen oder Löcher auf. Das ist das Ergebnis des Kanalkatasters, das Björn Oelvitz vom Kieler Ingenieurbüro Hauck im Rahmen der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Bau- und Wegeausschusses im Riesby Krog vorstellte. Besonders die Kanäle im Dorf, so beispielsweise im Greensweg, Tamsweg, Sonderbyer Weg, Hufeisenweg und in der Dorfstraße, weisen große Schäden auf, die sanierungsbedürftig sind. Das hat die Filmung der Schmutzwasserkanäle, der Haltungen und der Schächte ergeben. Nach ersten Schätzungen durch das Ingenieurbüro belaufen sich die Kosten auf rund 960  000 Euro brutto ohne Baunebenkosten.

„Das ist der Hammer, was da auf uns zukommt“, macht Heino Stüve, Vorsitzender des Bau-, Wege- und Umweltausschusses deutlich, „und das betrifft nur die Schmutzwasserkanäle. Denn die Regenwasserkanäle sind nicht gefilmt worden.“

Dabei seien die Regenwasserkanäle aller Erfahrung nach sanierungsbedürftiger als die Schmutzwasserkanäle, da sie in der Regel älter seien, erklärte Jan Andresen, Mitarbeiter und Ingenieur beim Bauamt der Amtsverwaltung. Sie seien besonders durch Betonkorrosion angegriffen, da sie oftmals das aus den damaligen Drei-Kammer-Kläranlagen überfließende Abwasser aufgenommen hätten.

Rieseby verfüge innerhalb des Amtes über ein „absolutes Alleinstellungsmerkmal“, so Andresen. „Rieseby begrenzt seine Abwassergebühr allein auf das Schmutzwasser.“ Die anderen 18 amtsangehörigen Gemeinden erheben sowohl eine Schmutzwasser- als auch eine Regenwasser- und Grundgebühr, mit deren Einnahmen sie Unterhaltungen und notwendige Sanierungen der Kanäle finanzieren. In Rieseby wird die Unterhaltung der Regenwasserkanäle bislang aus den allgemeinen Steuermitteln beglichen.

Sowohl Andresen als auch Oelvitz vom Ingenieurbüro Hauck rieten der Gemeinde dringend, auch die Regenwasserkanäle filmen zu lassen und in den Kanalkataster aufzunehmen. Zum einen, um nicht nur auf Schätzungen in Bezug auf den Zustand der Regenwasserleitungen angewiesen zu sein und den tatsächlichen Zustand zu erfahren, zum anderen werde die Gemeinde im Zuge der Einführung des doppischen Haushaltes den tatsächlichen Vermögenswert des Regenwasserkanalnetzes ermitteln müssen.

Die Kosten für die Filmung der Regenwasserkanäle belaufen sich auf rund 125  000 Euro. Zwar verfüge die Gemeinde in ihrer Abwasserrücklage über 328  000 Euro, so Andresen. Es stelle sich aber die Frage, ob die Gemeinde die Kosten für die Filmung dieser Kanäle aus der Abwasserrücklage begleichen dürfe, da sie nicht in der Abwassersatzung enthalten seien und demzufolge aus dem allgemeinen Haushalt zu finanzieren seien. Eine Frage, die angesichts des maroden Haushalts der Gemeinde an diesem Abend jeden Anwesenden interessierte, die aber niemand beantworten konnte. „Ich nehme das mit als Auftrag für die nächste Sitzung mit“, versprach Stüve für Aufklärung zu sorgen. Sein Hauptanliegen sei es vor allem, bei den Bürger für Offenheit und Transparenz zu sorgen: „Wir werden dieses Thema in aller Offenheit diskutieren und die Bürger auf das vorbereiten, was auf sie zukommen könnte.“

Dass eine Sanierung der Schmutzwasserkanäle dringend geboten ist, zeigt die Vielzahl der maroden Stellen in der hohen und höchsten Dringlichkeitsklasse (Objektklasse vier und fünf), die im Kataster aufgeführt sind. Die Summe für ihre Sanierung beläuft sich auf 593  000 Euro. Die Objekte in der Klasse drei (mittlere Dringlichkeit) schlagen mit 369  000 Euro zu Buche. Knapp die Hälfte aller Kanäle, Schächte und Haltungen kann repariert, in den größeren Teil muss neu investiert werden. Nach Auskunft von Oelvitz gebe es ein Einsparpotenzial bei den Schächten, wenn nur diejenigen saniert werden würden, die sich negativ auf den Betrieb auswirkten. Seinem Vorschlag, die Gesamtsumme von 962  000 Euro auf 80 bis 100 Jahre abzuschreiben, mochte vor allem der Vorsitzende des Finanzausschusses, Jürgen Kühl, nicht folgen. Er zweifelte eine derart lange Haltbarkeit der Steinzeug- oder auch PVC-Rohre an. „Es ist die Frage, ob die Rohre so lange halten. Auch erfolgt bei einer so langen Abschreibung eine Problemverlagerung auf die nächste Generation“, sagte Kühl. Hinsichtlich der Erstellung einer Regenwassersatzung reiche seiner Meinung nach eine Schätzung der betroffenen Kanäle aus. Es existierten alte Pläne, auf die man zurückgreifen könne.

Der Bauausschuss empfahl einstimmig, einen Planungsauftrag für die Abstellung der aufgelisteten Schäden zu erteilen. Er wird als Stufenauftrag verhandelt und enthält zunächst die Leistungsphase zwei, die Vorplanung. Mit vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung stimmte der Finanzausschuss dieser Empfehlung zu.

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