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Friedhof : Rieseby startet Verfahren für eigenen Friedhof

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gemeinde lehnt volle Übernahme des aufgelaufenen Friedhofsdefizits ab / Gesprächsbereitschaft bleibt bestehen

von
erstellt am 08.Jul.2017 | 16:47 Uhr

Rieseby | Vor einer Woche wurde im Bürgerpark noch das traditionelle Ringreiten der Dorfwoche ausgetragen, ab 2019 könnte dort nach Vorstellung der Gemeinde Rieseby der neue gemeindliche Friedhof eingerichtet werden. Die Gemeinde sieht sich in der Pflicht, einen eigenen Friedhof anzulegen, nachdem die Kirchengemeinde Rieseby zum 31. Dezember 2018 die Trägerschaft des bestehenden Simultanfriedhofs an der St.Petri-Kirche gekündigt hatte (wir berichteten).

Die Gemeindevertretung unter Leitung von Bürgermeister Jens Kolls beschloss Donnerstagabend einstimmig, einen Beschluss zur Änderung des F-Plans im Bereich Petriweg/Bürgerpark/Schäferkoppel für einen Aufstellungsbeschluss zu fassen. Zugleich soll ein Planungsbüro beauftragt werden und Bodengrunduntersuchungen erfolgen. Liegen alle Ergebnisse vor, werden die Fraktionsvorsitzenden und der Bürgermeister in einer Einwohnerversammlung die Ergebnisse vorstellen.

Leicht hätten sie sich die Entscheidung nicht gemacht, hieß es mehrfach und „wir sind auch weiterhin gesprächsbereit“, erklärte Kolls. Gespräche gab es bis zuletzt, aber es habe sich nichts bewegt. Angebote der Gemeinde zur Kostenbeteiligung an dem aufgelaufenen Defizit des Friedhofsbetriebes hatte die Kirchengemeinde abgelehnt. Sie besteht auf die volle Übernahme des Defizits durch die Gemeinden Rieseby und Loose, so Kolls. Derzeit macht das Defizit rund 74  000 Euro aus, informierte Amtsdirektor Gunnar Bock.

Darüber hinaus hatte es die Kirchengemeinde abgelehnt, der Gemeinde Rieseby einen Teil des bestehenden Friedhofs zum Weiterbetrieb zu überlassen. „Ganz oder gar nicht“, hieß es dazu, so Kolls. Aus Sicht von Amtsdirektor Bock sei die Gemeinde ab dem Zeitpunkt des Betriebs des eigenen Friedhofs von der Verpflichtung zur Beteiligung am ehemaligen Friedhof befreit. Bestehen bliebe aber noch eine Beteiligung an dem Defizit bis zu dem Zeitpunkt des neuen Friedhofes.

„Ich finde das nicht gut und sehr schade, wenn es soweit kommt“, stellte Gemeindevertreterin Waltraut Folge fest. Sie sei als Mitglied der Kirchengemeinde nicht zu der Kündigung der Trägerschaft des bestehenden Friedhofs gefragt worden. „Es gibt keine Kompromissbereitschaft“, merkte sie an.

Dr. Tjark Kunstreich, Mitglied des Kirchengemeinderates und Mitglied des Friedhofsausschusses, stellte auf Nachfrage der EZ fest, dass er sehr überrascht über den Beschluss der Gemeinde sei. Sie hätten der Gemeinde Rieseby eigene Angebote unterbreitet und seien relativ zuversichtlich gewesen, eine Lösung für die Kirchengemeinde und die politische Gemeinde zu finden, sagte er. In jedem Fall stehe man noch in Verhandlungen und bleibe gesprächsbereit, so Kunstreich.

Beschlüsse:

Für die Bauleitplanung zur Erweiterung des Baugebietes Schulenkrug (B-Plan 20) wird nach einer Änderung im Baugesetzbuch keine F-Planänderung mehr benötigt. Daher hob die Vertretung das Verfahren dafür auf. Zugleich wurde der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan 20 gefasst.

Standpunkt:

Ist ein neuer Friedhof nötig?


Planungen Riesebys für einen eigenen Friedhof


Er ist ein Ort der Ruhe, der Besinnung und der Erinnerung. Auch wer nicht in einer Kirche Mitglied ist, findet den Weg zum und auf den Friedhof. Gerade auf dem Land ist die Verbundenheit zur örtlichen Kirchengemeinde groß, der Gang zum Friedhof oft ein Ritual. Gräber werden über Generationen weitergeführt und gepflegt. Sie werden schon zu Lebzeiten ausgesucht und vertraglich gesichert. Man will schließlich wissen, wo und neben wem man zu liegen kommt.

Wie kann es passieren, dass so ein geschichtsträchtiger und kultureller Friedhof wie in Rieseby an der St.-Petri-Kirche plötzlich nicht mehr weitergeführt werden soll? Dieses Szenario hat die Kirchengemeinde mit der Kündigung der Trägerschaft zum 1.1. 2019 in Gang gesetzt. Was wird aus den Familiengräbern, was wird aus den langjährigen laufenden Verträgen für Gräber und was sagt man den Kirchenmitgliedern und Vertragspartnern, die bereits ihre eigene Beisetzungsstelle (hoffentlich erst in vielen Jahren) neben ihrem Partner fest eingeplant haben?

Es ist ein höchst emotionales Thema, das in Rieseby auf zwei Vertragspartner trifft, die sich zwar treffen, aber nicht mehr eine Sprache sprechen, sondern sich abwechselnd den Schwarzen Peter zu schieben.

Ich denke, jeder sollte sich bewegen, damit weder die Bürger noch die Gemeindeglieder auf der Strecke bleiben. Dass sich die Bestattungskultur in unserer Gesellschaft geändert hat, dafür kann weder die Kirchengemeinde noch die politische Gemeinde etwas. Es zwingt aber dazu, das System wieder auf ein tragfähiges und kostendeckendes Fundament zu stellen – am besten gemeinsam. Dass die Gemeinde dabei mitreden und entscheiden möchte, wenn sie an den Kosten beteiligt ist, ist verständlich. Sollte es keine Bewegung geben, und ein zweiter Friedhof näher rücken, müsste vielleicht ein Gericht für Klarheit sorgen. Ein Urteil, auf das vermutlich viele andere Gemeinden gespannt schauen werden.

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