Votivschiff : Rettung in letzter Sekunde: Wie Peter Rinke die „David“ vor dem Zerfall rettete

Alles bis ins Detail originalgetreu aufgearbeitet.  Fotos: Kühl
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Alles bis ins Detail originalgetreu aufgearbeitet.

In 300 Stunden hatte Peter Rinke das 176 Jahre alte Votivschiff „David“ restauriert. Vor elf Jahren. Jetzt wurde es bei den Sanierungsarbeiten erneut heruntergenommen – der Zustand ist immer noch top.

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21. Juli 2018, 06:48 Uhr

Eckernförde | „Der Holzwurm hatte schon die Kanonen weggefressen, es gab viele Löcher im Oberdeck und das Schlimmste: Der Bug war links und rechts vollkommen porös und bestand quasi nur noch aus Holzmehl.“ So beschreibt der pensionierte U-Boot-Fahrer und passionierte Schiffsmodellbauer Peter Rinke den Zustand der „David“, der 176 Jahre alten Nachbildung einer dänischen Fregatte, die seit dem 2. November 1842 als einziges Votivschiff in der St.-Nicolai-Kirche hängt. „Es war alles kaputt“, so Rinke, rund 10 000 Bohrlöcher hatten das Schiff in ein Sieb verwandelt. Mit Kunstharz, Folie und Holz hat der 76-Jährige die Schäden behoben und diverse originalgetreue, handgemachte Neuteile eingesetzt. Die kleinen, mit einer Mischung aus Gold-, Kupfer- und Messingfarben gestrichenen Kanonen sehen aus, als wären sie aus Metall. Jedes einzelne Seil hat Peter Rinke aus gedrilltem Garn in der entsprechenden Stärke und Struktur gebunden.

Kirchenwächter Karl Friedrich Schinkel war es, der im Jahr 2007 beim Blick nach oben entdeckt hat, das man durch das Schiff hindurch gucken konnte. Das war das Jahr der Rettung der „David“ durch die dann folgende fachkundige Arbeit des ehrenamtlichen Schiffsrestaurators. Peter Rinke hat sich des etwa einen Meter langen und 20 Kilogramm schweren Votivschiffes angenommen, es mit in seine Werkstatt genommen, vermessen und in knapp 300 Arbeitsstunden von September 2007 bis zum 16. April 2008 komplett zerlegt und repariert. An diesem Tag wurde die runderneuerte „David“ wieder an ihrem Haken in luftiger Höhe des Kirchenschiffes aufgehängt. Blitzblank, frisch gestrichen, mit etlichen Neuteilen bestückt – viele Kanonen mussten neu gedrechselt werden, auch der lederne Fender wurde wieder hergestellt –, und mit neuem „Tauwerk“ und neuer Takelage versehen, sah das Schiff aus wie neu. Das Schiff trägt die Schleswig-Holstein-Flagge, was sechs Jahre vor der Erhebung gegen Dänemark 1848 sehr bemerkenswert ist.

Seit der Aufarbeitung sind über zehn Jahre vergangen, und jetzt, nach der Abnahme im Zuge der Innensanierung, wird der Wert der gründlichen Arbeit von Peter Rinke noch deutlicher: Das Schiff befindet sich in einem hervorragenden Zustand, es muss nur von Staub und Schimmel befreit werden. Zur Wiedereröffnung der St.-Nicolai-Kirche am 28. Oktober wird die „David“ – eine Schenkung von Eckernförder und Kappelner Fischern und Kaufleuten unter Federführung des Eckernförder Gärtners David Horchfeil –, ihren Stammplatz wieder eingenommen haben.

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