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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 15:49 Uhr

Zeitreise : Reise in längst vergangene Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Peter Schoß und Elisabeth Tietz betreuen mit viel Wissen und Liebe das Museum und Archiv der Gemeinde Noer

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2016 | 06:24 Uhr

Noer | München hat das Deutsche Museum, Hamburg das Museum für Hamburgische Geschichte und Kiel sein Stadt- und Schifffahrtsmuseum. Dass es sich auch für kleine Gemeinden lohnt, ein Museum einzurichten, zeigt eindrucksvoll die Gemeinde Noer. Auch dort kann man in längst vergangene Zeiten reisen.

Begonnen hatte es 1976, als Peter Schoß in den Noerer Ortsteil Lindhöft zog. In Gesprächen mit Nachbarn und anderen Bewohnern kristallisierte sich heraus, dass ein Interesse an einem Museum und einem örtlichen Archiv bestand. Also begann Schoß in Gesprächen zunächst Informationen, später dann auch Bilder, Dokumente und Gegenstände zu sammeln, die er zunächst zuhause im Keller und im Arbeitszimmer lagerte. Als 1996 auf Beschluss der Gemeindevertretung ein Sanitärtrakt an das Sportheim angebaut wurde, entstand auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Erwin Thomsen darüber ein zusätzlicher Raum für das Gemeindemuseum und -archiv, welches dann im Jahre 2000 eröffnet wurde. Aber jeder, der etwas sammelt, kennt es: Irgendwann reicht der Platz nicht mehr. Deshalb wurde mit dem Abschluss der energetischen Sanierung des Sportheims dem Museum und Archiv ein weiterer Raum zur Verfügung gestellt, der im Februar dieses Jahres eröffnet wurde und wofür Peter Schoß dem Sportverein mehr als dankbar ist.

Im neuen Raum im Erdgeschoss, den die frühere Dekorateurin Elisabeth Tietz eingerichtet hat und für ihn auch verantwortlich zeichnet, werden seitdem Exponate zu den Themen Haushalt und Einrichtung, Kleidung sowie Gesundheit und Hygiene präsentiert. Während bei den älteren Besuchern angesichts Fleischwolf, Telefon aus Bakelit und Teppichklopfern Erinnerungen hochkommen, fangen die Jüngeren bei Stopfpilz und Kohleneimer eher an zu rätseln, wobei angesichts der recht überdimensionalen Damenunterhosen wohl ein Schmunzeln die Generationen wieder eint. Dass die Elektrogeräte wie Radios oder auch Musiktruhe funktionsfähig sind, dafür sorgt Elisabeth Tietz Ehemann Michael.

Im oberen Raum sind neben technischen und landwirtschaftlichen Geräten – vom Treibholz der Reetdachdecker über Brustleier und Schafschere bis hin zu alten Schreibmaschinen – auch eine alte Schulbank aus der Lindhöfter Schule zu sehen oder der „Brotkasten“, der Commodore C 64, mit dem so mancher die ersten Berührungspunkte mit dem Computer verbinden dürfte.

An den Wänden kann anhand von Bildern und Dokumenten die Geschichte der Gemeinde und ihrer Bewohner verfolgt werden. Einerseits die des Adels, der von der Familie von Ahlefeld im Jahre 1417 bis 2012, im Alter von 105 Jahren verstarb Gräfin Ehrengard zu Rantzau, deren Kardätsche (Reisehaarbürste) im Erdgeschoss zu finden ist. Andererseits auch die Geschichte der „eenfachen Lüüd“ wie Holzvoigt, Postboten oder Landarbeiter. Unzählige Ordner und Hefter des Archivs beinhalten unter anderem Geschichten einzelner Familien, Wissenswertes über den Bauernaufstand in Lindhöft 1803 oder über die Hexenverfolgung im Dänischen Wohld. Auch Kurioses gibt es zu entdecken. So beispielsweise Schnitzarbeit, die drei Männer zeigt, denen die Arme fehlen. Da es sich laut Inschrift um ein Geschenk an den Gauleiter Hinrich Lohse handelt, vermutet Peter Schoß, dass die Arme ursprünglich zum „Hitlergruß“ erhoben waren und später abgebrochen wurden. Besondere Exemplare unter den insgesamt über 1  500 Exponaten werden im Tresor verwahrt, so auch ein Buch von 1861, welches die Aufzeichnungen von Friedrich Emil August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, dem Prinzen von Noer, enthält.

Peter Schoß Dank gilt neben dem Sportverein, der Gemeinde und allen Unterstützern insbesondere auch den Stiftern der Exponate, ohne die das Museum nicht realisierbar wäre, wie der ehemalige Sonderschulrektor betont. Deshalb legt er großen Wert darauf, dass bei den Beschreibungen der jeweiligen Ausstellungsstücke auch der Name der Spender erwähnt wird. Ein Besuch des Museums oder auch des Archivs lohnt allemal – entweder um in Erinnerungen an frühere Zeiten zu schwelgen, etwas über den Ort sowie seine Geschichte und die Bewohner zu erfahren oder um herauszubekommen, wozu denn nun ein Stopfpilz gebraucht wird.

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