Waldorfschule : Reife Leistung eines jungen Orchesters

Solistin Pheline Janssen und das Oberstufenorchester unter Leitung von Gunnar Heise gaben ein beeindruckendes Jahreskonzert.
Solistin Pheline Janssen und das Oberstufenorchester unter Leitung von Gunnar Heise gaben ein beeindruckendes Jahreskonzert.

Oberstufenorchester der Waldorfschule bot am Wochenende einen außergewöhnlichen Konzertgenuss

shz.de von
13. März 2018, 06:49 Uhr

Eckernförde | Das 1992 gegründete Oberstufenorchester der Freien Waldorfschule ist ein ganz besonderes: Mit bis zu 70 Mitgliedern dürfte es eines der jüngsten Orchester Schleswig-Holsteins mit großer sinfonischer Besetzung sein. Die Teilnahme ist freiwillig: eine gute Voraussetzung für engagiertes Mitspielen und um große Herausforderungen anzunehmen. Weil regelmäßig Schüler der obersten Klassen ausscheiden, bleibt der niedrige Altersdurchschnitt erhalten. Das bedeutet auch eine Langzeitaufgabe für den Orchesterleiter und –lehrer Gunnar Heise. Mit viel Geduld, großem Einsatz und Enthusiasmus, viel Verständnis für die Schüler und die Werke, bereitete er sie auf das Jahreskonzert am Freitag- und Sonnabendabend in der Mehrzweckhalle der Waldorfschule vor. Ein Raum für fein durchhörbare Klänge und einer Klarheit, die nichts verbarg – und den Klang des groß besetzten Orchesters sehr gut vertragen konnte.

Bei allem Ehrgeiz war klar, dass dieses Oberstufenorchester mit seiner jungen Besetzung bei so einem großen und anspruchsvollen Programm durchgängig nicht die Qualität eines Berufsorchesters erreichen kann. Hier sind „Nebeneffekte“ des Orchesterspiels wie Konzentration als Übung von Gemeinschaft zur Entwicklung der Persönlichkeit wichtiger als absolute Fehlerfreiheit: Auf andere zu achten, Ausdauer und Ernsthaftigkeit, sich intensiv mit unbekannten Inhalten, auch in einer fremden Musiksprache, auseinanderzusetzen und zu meistern. Alles unter freundlicher Anleitung, aber noch mit der zusätzlichen Herausforderung eines romantischen Programms aus mehreren nationalen Schulen.

So war das Programm mit dem Kriegsmarsch der Priester aus „Athalia“ von Felix Mendelssohn bis hin zu seinen klangmalerischen „Die Hebriden“ spieltechnisch logisch aufgebaut. Darin gab es mit Jean Sibelius‘ „Karelia Suite“, Johannes Brahms‘ „Ungarischem Tanz Nr. 5“ und Jean Sibelius‘ „Valse Triste“ reichlich Herausforderungen, Orchesterkondition zu zeigen. Vom ruhigen Zusammenspiel (Sibelius) zum virtuosen Galopp von Streichern und Bläsern (Brahms) wurde nichts ausgelassen. Ob laut oder leise, einzeln oder in Gruppen – dieses Programm war nicht nur didaktisch gekonnt ausgewählt, jedes Werk forderte andere Gruppen auf andere Weise heraus. Am deutlichsten und musikalisch-technisch absoluter Höhepunkt waren Klangschönheit und Aussage im „Valse Triste“, in dem die von Gunnar Heise erzählte Hintergrundgeschichte zum Werk deutlich nachempfunden werden konnte. Der Dirigent als „lebendiges Programmheft“ hatte jeweils zuvor kurz in die Werke eingeführt.

Gleich aus mehreren Gründen zu Herzen ging das einzige Solo-Werk des Abends mit Pheline Janssen als Solistin mit der selten gespielten Romanze für Violine und Orchester vom norwegischen Komponisten Johan Svendsen. Einfühlsam gespielt, wurde sie mit verdient langem und heftigem Applaus für den Mut und das Können belohnt.

Auch hier blieb der Wunsch nach einer Zugabe nicht aus: Ein ernster Chorsatz („wir werden sterben“), im Stehen gesungen, mit langer Andachtsstille danach – bis nochmals heftiger Applaus der knapp 200 Besucher einsetzte. Ohne Instrumente können die auch feine Musik machen. Und wie!




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