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Autofahrer Aufgepasst !! : Rehe auf riskanter Wanderschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Maisernte, Zeitumstellung und Brunftzeit führen dazu, dass viele Tiere die Straßen queren / Autofahrer sollten auf Anzeichen achten

von
erstellt am 01.Okt.2015 | 06:56 Uhr

Wenn in wenigen Wochen der Mais geerntet wird, erhöht sich die Gefahr für Wildunfälle auf den Straßen. Der Grund dafür: Die Tiere suchen Deckung in den Feldern. Wenn sie abgeerntet werden, bleibt als letzte Zuflucht der Wald. „Zu dieser Zeit sind viele Tiere in Bewegung, und es besteht erhöhte Unfallgefahr“, so Hans Popp, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rendsburg-West.

Generell wechselt Wild ganzjährig, um von Deckung zu Deckung zu gelangen, auf der Nahrungssuche und zur Paarungszeit. Dabei gehören Straßen für die Tiere zu ihrem Lebensraum – vor allem, wenn sie früher ungestörte Reviere zerschneiden. Dennoch gibt es zeitliche Schwerpunkte, wann es zu Unfällen kommt. „Neben der Erntezeit zum Beispiel nach der Zeitumstellung im Frühjahr und im Herbst. Die Tiere haben eine innere Uhr und stellen sich auf die Hauptverkehrszeiten ein“, berichtet Popp. Verändert sich diese wegen der Uhrenumstellung, gerät der Rhythmus des Wildes aus dem Takt. Auch die Brunftzeit führt dazu, dass Reh-, Damwild und Co. vermehrt die Verkehrswege der Menschen queren.

Die meisten Unfälle im Zuständigkeitsbereich der Kreisjägerschaft Rendsburg-West ereignen sich mit Rehwild. „Das liegt daran, dass es davon viele Tiere gibt, die noch dazu oft über Straßen ziehen“, erklärt Hans Popp. Zwischen dem 1. April 2014 und dem 31. März 2015, dem vergangenen Jagdjahr, kamen in dem Gebiet 521 Rehe bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im Vergleich: Im selben Zeitraum ereigneten sich sieben Unfälle mit Rotwild, 13 mit Schwarzwild und sechs mit Damwild. Wie groß der Eingriff durch Verkehrsunfälle ist, belegt auch folgende Zahl: In den vergangenen zehn Jahren betrug der Anteil des Rehwildes, das durch Verkehrsunfälle getötet wurde, rund 40 Prozent der durch die Jäger erlegten Tiere. Beim Damwild sind es sogar 63 Prozent.

Obwohl sich selten Schwerstunfälle durch Wildwechsel ereignen, bedeutet doch fast jeder Unfall zumindest einen Blechschaden und ein getötetes Tier. Denn mit dem Leben kommt es nie davon: „Als Jäger fühlen wir uns verpflichtet, das Wild von seinem Leid zu erlösen. Im Fall der Fälle suchen wir ihm bei Wind und Wetter und bei jeder Uhrzeit nach“, sagt Popp. Weil der Kreis Rendsburg-Eckernförde auf die Jagdsteuer verzichtet, haben sich die Jäger im Gegenzug verpflichtet, bei Unfällen zur Stelle zu sein und die getöteten Tiere auch zu beseitigen. In den Verzehr darf das Wildbret aber nicht gelangen – weil die Innereien und das Fleisch der Tiere bei dem Zusammenstoß meist einen großen Schaden nehmen und somit ungenießbar sind. „Meistens geben wir es der Natur zurück, wo dann Füchse und Krähen davon profitieren“, so Hans Popp.

Um Wildunfälle zu vermeiden, appelliert der passionierte Jäger an die Autofahrer: „Man sollte immer auf die Verkehrszeichen sowie die blauen Reflektoren an den Leitpfosten achten. Die stehen da nicht ohne Grund und sind ein Indikator für das gehäufte Vorkommen von Wild an dieser Stelle.“ Die Reflektoren streuen das Licht der Scheinwerfer und schrecken die Tiere ab, weil die Farbe in der Natur nicht vorkommt. Viele Verkehrsteilnehmer würden auch Schilder, die auf eine ganz aktuelle Gefährdung durch Jagd und dadurch aufgeschrecktes Wild hinweisen, komplett ignorieren. „Wenn wir diese Schilder aufstellen, geht es uns um das Wohl und das Leben der Autofahrer“, mahnt der Jäger. Von jetzt bis Dezember finden Ernte- und Drückjagden statt, bei denen das Wild in Bewegung gebracht wird. Läuft einem ein Tier vor das Auto oder steht am Straßenrand gilt: Auf keinen Fall ausweichen, Fernlicht ausschalten, kontrolliert bremsen und hupen. Ein Sicherheitsabstand zum Vordermann sowie zum rechten Straßenrand sollte eingehalten werden. Und immer bedenken: Ein Tier kommt selten allein.

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