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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 06:43 Uhr

Gesundheit : Reha trainiert für den Alltag

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Erste Patienten haben die neue Reha-Fachabteilung für Nephrologie der Helios Rehaklinik Damp besucht / 40 Betten stehen zur Verfügung

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 06:00 Uhr

Damp | Jan Prodöhl (35) und Johannes Schmid (35) sind schwer krank, aber sie können lachen und auch wieder Sport machen. Es geht ihnen gut, auch wenn sie eine Spenderniere haben oder ihre eigene Niere nie wieder gesund wird. Die beiden sind Patienten in der erst am 1. Februar eröffneten Fachabteilung für Nephrologie in der Helios Rehaklinik Damp. Bundesweit zählt die Abteilung mit 40 Betten zur derzeit einzigen Klinik, die speziell auf Nierenkranke abgestimmte Rehabilitationsprogramme anbietet und von der Deutschen Rentenversicherung Bund die Zulassung hat.

Die beiden Patienten, die in dieser Woche ihren vierwöchigen Reha-Aufenthalt beenden, sind begeistert. „Ich habe hier Sachen wieder erlernt, die ich nie geglaubt hatte, wieder zu schaffen“, sagt Schmid. Seit 21 Jahre trägt er eine Spenderniere, und hat schon viel über Niereninsuffizienz gehört. Dennoch nimmt der Ingenieur nun ganz viel mit zurück nach Stuttgart. Von der Beratung zur Ernährung, zur körperlichen Belastungsfähigkeit bis zur rechtlichen und psychosozialen Beratung, er habe umfassend viel gelernt, um seinen Alltag noch besser zu gestalten.

Für Professor Dr. Matthias Köhler, Ärztlicher Direktor der Helios Rehaklinik Damp und Chefarzt Prof. Dr. Harald Schmöcklmann (beide Fachärzte für Nephrologie) sind das ebenso erfreuliche Nachrichten. Fast drei Jahre dauerte es, bis die Rehaklinik die Zulassung für die Fachabteilung für Nephrologie durch die Krankenkassen und die Rentenversicherung erhielt, berichtet Köhler. Bereits seit elf Jahren werden in der Rehaklinik Nierentransplantierte, Patienten mit beginnender Nierenschädigung und Bluthochdruck sowie Dialysepatienten betreut. Doch diese hatten immer viele Fragen, die bisher nur am Rande betrachtet werden konnten, so Köhler.

Nun stehen den Patienten, die entweder in einer Anschlussheilbehandlung nach der Akutklinik oder zum Heilverfahren aus dem ambulanten Bereich anreisen, zahlreiche Fachleute zur Verfügung, um speziell auf ihre individuellen Bedürfnisse ein Rehaprogramm zu gestalten. Dies sei besonders wichtig, da viele Patienten in Folge der Nierenschädigung über zahlreiche Beeinträchtigungen im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems und der Orthopädie, aber auch durch Medikamente, verfügen, wie Prof. Dr. Schmöcklmann ergänzt. In enger Absprache mit Physio-, Sport- und Ergotherapeuten, mit der Ernährungsberatung, Pflegekräften und auch dem Sozialdienst, können die Patienten lernen, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten und damit auch ihre Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben zu erhalten. Dabei wird auch eine psychosoziale Beratung angeboten, weil einige Patienten mit der Diagnose einer Nierenerkrankung nur schwer umgehen können, sagt Schmöcklmann, der seit dem 1. Februar in Damp ist.

Positiver Effekt von mehr Bewegung und auch richtiger Ernährung sind oft geringere Medikamentendosen und bessere Blutwerte. So stellten sowohl Schmid als auch Prodöhl fest, dass sich ihre Blutwerte und auch der Blutdruck deutlich verbesserten. „Ich brauche jetzt zwei Medikamente weniger und fühle mich viel besser“, sagt Prodöhl, der seit etwas mehr als einem Jahr dreimal die Woche für fünf Stunden an die Dialyse muss. Er habe sich Damp als Rehaort ausgesucht, da dort eine Dialyseanlage im Haus vorhanden ist, das spart Zeit. Dass ihn eine so umfassende Betreuung erwartete, hätte er nicht gedacht. Er hat entdeckt, dass er trotz seiner Krankheit Tennis und Badminton spielen kann und auch im Kraftraum verschiedene Geräte nutzen kann. Und Schmid stellt glücklich fest: „Ich habe Blutwerte, wie ich sie seit dem Abitur nicht mehr hatte.“

Beide Patienten haben ihre Zeit sehr genossen. Dabei haben sie vor allem auch gelernt, wie sie zuhause ihr Leben genießen können, ohne Sorge wegen ihrer Nieren zu haben. „Meine Lebensqualität ist noch viel besser geworden“, sagt Schmid. Prodöhl, der aus Löhne stammt, steht schon auf der Warteliste für eine Spenderniere. Das kann drei Jahre dauern aber auch sieben Jahre. Bis dahin sorgt er dafür, dass sein Körper möglichst gut vorbereitet auf die Transplantation ist. Dabei hilft die Reha und das Gelernte auf jeden Fall sehr, sagt er. Dank der interdisziplinären Betreuung und der Seminarangebote können die beiden die Zusammenhänge ihrer Nierenerkrankung viel besser verstehen. „Wenn ich weiß, dass ich auf die Menge von Kalcium und Phosphat im Essen achten muss, dann kann ich mich darauf einstellen und meine Spielräume besser nutzen“, sagt Schmid. Er ist Mitbegründer eines Vereins für junge Nierenkranke, dort wird er von seinen Erfahrungen berichten.

Infos www.junge-nierenkranke.de.

Chronische Nierenerkrankung Fakten

Bundesweit sind mindestens zwei Millionen Menschen von chronischer Niereninsuffizienz des Stadiums ab Stufe drei (mit moderater Funktionseinschränkung) betroffen.

Nur 28 Prozent  dieser Betroffenen wissen dies.

Von den 28 Prozent sind nur zwei Drittel in ärztlicher Behandlung. Deutschlandweit gibt es derzeit etwa 80000 Dialysepatienten und etwa 23000 Nierentransplantierte. Quelle Helios-Rehaklinik Damp
 

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