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Osdorf: Reformationsjubiläum : Reformator in lebensechter Größe

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Osdorfer Grundschüler basteln XL-Figuren aus der Luther-Zeit. Es ist ein gemeinsames Projekt mit der Kirche – die Werke werden ausgestellt.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 06:51 Uhr

Osdorf | Martin und Katharina Luther sowie Philipp Melanchthon geben ein Gastspiel in der Osdorfer Grundschule: Es handelt sich um Bastelarbeiten in Lebensgröße zum Reformationsjubiläum – 500 Jahre, nachdem Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht hat. Yvonne Heik, Ehefrau des Osdorfer Pastors, hatte die Figuren ausgesägt und bemalt. Die Idee von Pastor Thomas Heik, ein gemeinsames Reformationsprojekt auf die Beine zu stellen, stieß bei Religionslehrerin Mara Tiedemann auf Begeisterung.

Mit den Dritt-und Viertklässlern der Grundschule behandelte sie das Thema Reformation. Die Kinder befassten sich mit Martin Luther, dessen Ehefrau Katharina und seinem Weggefährten Melanchthon. Auf der nicht bemalten Rückseite der drei Holzfiguren haben die Kinder Informationen aus dem Leben der drei Persönlichkeiten zusammengetragen und aufgeklebt. Jetzt stehen sie mit ihrer Biografie im Rücken in der Schule. Am Reformationstag sind sie in der Vater-Unser-Kirche in Osdorf zu sehen. „Wahrscheinlich werden sie miteinander sprechen“, kündigt Heik an, der die Figuren in den Gottesdienst einbinden möchte.

Gern gaben die Viertklässler jetzt einen Einblick in ihr Wissen über Katharina Luther und Philipp Melanchthon, das ihnen im Religionsunterricht vermittelt wurde. Besonders fasziniert waren die Schüler von der selbstbewussten Katharina. Lasse berichtete, dass sie bereits mit sechs Jahren ins Kloster kam. Ihre Eltern seien zu arm gewesen, um sie zu ernähren. Sie flüchtete aus dem Kloster. Luther wollte sie verheiraten – doch Katharina erklärte, sie wolle ihn als Mann.

Sie setzte sich bekanntermaßen durch, brachte Ordnung in den chaotischen Männerhaushalt. „Und sie braute Bier“, wie Schüler Anton berichtete. Zudem legte sie einen Fischteich an und betrieb Viehzucht, ergänzte Matz. „Sie war eine toughe Frau“, sagte Mirija. Täglich beköstigte sie um die 40 Personen – neben ihren Kindern und Pflegekindern vor allem Wittenberger Theologiestudenten. „Bei Luthers Tischreden durfte Katharina dabei sitzen“, erklärte Sophia. Was damals keine Selbstverständlichkeit gewesen sei. Ebenso ungewöhnlich fürs 16. Jahrhundert: Katharina habe sich an den Gesprächen beteiligt.

An Philipp Melanchthon beeindruckte die Grundschüler, dass er bereits mit zwölf Jahren zum Studium an die Universität ging. Zehn Monate nach Luthers Thesenanschlag wurde er mit gerade mal 21 Jahren Professor in Wittenberg. Leni berichtete, dass er wegen seiner Größe (1,50 Meter) zunächst nicht ernst genommen worden sei. Doch seine Antrittsrede in der Schlosskirche habe für große Begeisterung gesorgt, dass die Vorbehalte gegen seine Person verschwanden. Thalia bewunderte an dem Wittenberger Professor und Weggefährten von Luther, dass er „ganz viel gelernt hat und dass er so schlau ist“.

„Ich habe einen Film über Luther gesehen, aber Frau Tiedemann hat uns das viel besser erklärt“, lobte Leni die Lehrerin. Nach dem Reformationsgottesdienst sollen Martin und Katharina Luther sowie Philipp Melanchthon in drei Osdorfer Geschäften aufgestellt werden.

Pastor Heik erhofft sich von der Aktion Aufmerksamkeit – „und dass die Leute, die im Geschäft in der Schlange stehen, ganz nebenbei etwas über die Reformation erfahren“. Wo werden die Figuren zu sehen sein? „Das wird noch ausgelost“, so Heik. In den Geschäften sollen sie bis 1. Advent bleiben.

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