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Reformation : Reformation und was man daraus macht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Propst Sönke Funck blickt auf die Bedeutung und die Feier des 500. Jahrestages der Reformation

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 06:43 Uhr

Eckernförde | Kennen Sie noch den Werbeslogan der Bau-Industrie aus den 1980er Jahren: „Beton – es kommt drauf an, was man draus macht.“ Er ging mir in den letzten Monaten immer wieder durch den Kopf, je näher der 31. Oktober kam, der Reformationstag 2017, das große Reformationsjubiläum.

Dieser Tag, an dem sich Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg zum 500sten Mal jährt, ist Anlass und Zielpunkt gewesen für ein ganzes, prall gefülltes Jahr der Jubiläumsfeierlichkeiten und Veranstaltungen in Kirche und Gesellschaft, in unseren Gemeinden, in der Kultur und hoch-offiziell. Noch viel längere Vorbereitungen und Überlegungen gab es zu der Frage, was wir denn eigentlich feiern wollen an und mit diesem Jubiläumstag, oder ob es überhaupt etwas zu feiern gibt ...

Und nun ist dieser, mindestens für die evangelische Christenheit, bedeutsame Tag da, das Reformationsjubiläum, und es kommt drauf an, was man draus macht. Sicher können wir unser heutiges Leben im nordwestlichen Europa ohne die Erkenntnisse und Ereignisse der Reformation nicht angemessen verstehen – und es wäre auch nicht so wie es ist. Martin Luthers Wirken und das der anderen Reformatorinnen und Reformatoren haben nicht nur die christliche Kirche, sondern auch unsere Gesellschaft ganz wesentlich verändert und bis heute wirksam geprägt. Freiheit und Verantwortung, die Bedeutung des eigenen Gewissens für meine Lebensentscheidungen, das Verhältnis von Glaube und Vernunft, all das sind Stichworte für die großen geistesgeschichtlichen Umwälzungen, die wesentlich durch die Reformation angestoßen wurden und bis heute hoch aktuell sind. Und es ist mehr als angemessen, sich daran im Jubiläumsjahr historisch zu erinnern.

Aber entscheidender noch als die feierlichen Erinnerungen und Rückblicke ist, ob die Fragen, die Martin Luther und seine Zeit vor 500 Jahren bewegt haben, für unsere Gegenwart und Zukunft noch wichtig sind: Wie kann ich als Mensch heute ein gutes und verantwortliches Leben führen? Was heißt Gerechtigkeit? Was ermöglicht mir meine individuelle Freiheit – und wo wird sie aus Verantwortung vor anderen Menschen und deren Freiheit sinnvoll zu begrenzen sein? Und welche Rolle spielt dabei der Glaube?

Das große Erbe der Reformation ist uns im Jubiläumsjahr durch die Beschäftigung mit den Ereignissen und Personen damals, vor allem mit Martin Luther selbst, durch Ausstellungen, Bücher, Filme, Gottesdienste wieder deutlicher geworden. Wir wissen im Oktober 2017 wieder ein bisschen besser Bescheid.

Zu diesem reformatorischen Erbe gehört vor allem Luthers Grunderkenntnis, dass der Mensch im Letzten nicht aus eigener Leistung ein gerechtes Leben führen kann, sondern angewiesen ist auf die Liebe und Gnade Gottes. Und dass diese Gnade nicht verdient, und auch nicht verwirkt (!), sondern in aller Freiheit nur dankbar angenommen werden kann im Glauben – wie ein Geschenk. Diese Befreiung und Rechtfertigung allein aus Gnade ruft den Menschen aber auch in die Verantwortung für das eigene Leben. „Zur Freiheit hat Christus uns befreit“ (Galater 5,1), so las es Martin Luther im Neuen Testament der Bibel. Und der Reformator machte diese grundlegende Glaubenserfahrung für alle lesbar in seiner Bibelübersetzung ins Deutsche.

Freiheit und Verantwortung, das sind zu Zeiten Luthers und heute noch viel mehr die Begriffe, an deren Verhältnis zueinander sich erweisen wird, in welche Zukunft wir gehen werden, gesellschaftlich, kirchlich, politisch, menschlich.

Reformation – es kommt eben drauf an, was wir draus machen.

 Propst Sönke Funck

 

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