40. damper schülertreffen : Rechnen lernen mit Socken zählen

Beim 40. Damper Schülertreffen wurden viele Erinnerungen an die Schulzeit ausgetauscht. Viele der Teilnehmer hatten eine längere Anreise aus Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen hinter sich. Nach der Besichtigung des ehemaligen Schulgebäudes stand eine kurze Andacht in der Kapelle auf dem Programm.
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Beim 40. Damper Schülertreffen wurden viele Erinnerungen an die Schulzeit ausgetauscht. Viele der Teilnehmer hatten eine längere Anreise aus Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen hinter sich. Nach der Besichtigung des ehemaligen Schulgebäudes stand eine kurze Andacht in der Kapelle auf dem Programm.

Roswitha Bibelwitz organisiert das Treffen ehemaliger Damper Volksschüler. Die Erinnerungen an die Schulzeit sind überwiegend positiv.

shz.de von
29. Mai 2015, 04:22 Uhr

Erika Priebe erinnert sich noch genau, wie sie das Rechnen in der Grundschule Damp gelernt hat. Als die 74-Jährige aus Remscheid nach so vielen Jahrzehnten ihren ehemaligen Klassenraum betritt, kann sie genau beschreiben, wo die Leine gespannt war, an der die Lehrerin sowohl ihre eigenen Socken als auch die ihres Mannes aufhing. „So lernte ich das Rechnen. Stets kam eine Socke hinzu: eine Socke und eine Socke waren zwei Socken“, erzählt die Rentnerin. So schlecht könne der Unterricht nicht gewesen sein – schließlich sei sie kaufmännische Angestellte geworden.

Die Remscheiderin war eine von rund 70 Teilnehmern am 40. Damper Schülertreffen, das Roswitha und Gerhard Bibelwitz organisiert hatten. Höhepunkt des Tages waren der Besuch der ehemaligen Schule und der Kapelle in Vogelsang-Grünholz. Direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges platzte die kleine Dorfschule aufgrund der vielen Flüchtlingskinder aus dem Osten aus allen Nähten. In zwei Klassenräumen wurden bis zu 40 Schüler unterrichtet. Erwin Thurau steht im Klassenraum, in dem die Klassen eins bis vier unterrichtet wurden. Der 78-Jährige fand als Kind besonders die Pausen schön, in denen Völker- und Schlagball gespielt wurde. Der ehemalige Landarbeiter auf Gut Damp kann sich auch noch gut an den Stock erinnern, den der Lehrer so manches Mal benutzt hat.

Noch bis 1971 seien Kinder in der kleinen Dorfschule unterrichtet worden, erzählt Roswitha Bibelwitz den Besuchern, dann sei sie geschlossen worden. Heute ist eine Kindertagesstätte der Kirchengemeinde in den Räumen untergebracht.

Gertrud Stach hat besonders den Donnerbalken in Erinnerung. Diese Form der Toilette befand sich draußen in einem Schuppen. „Im Winter musste es immer ganz schnell gehen, weil es eiskalt war“, erinnert sich die 70-Jährige. An den Stock kann sich die Altenholzerin gar nicht entsinnen. Die Schulzeit hat sie trotz Donnerbalken und Enge im Klassenraum als „nur schön“ in Erinnerung. „Es herrschte im Vergleich zu heute überhaupt kein Stress“, so die ehemalige Lehrerin.

An die jährlichen Kinder- und Weihnachtsfeste können sich viele ehemalige Damper Schüler erinnern. Von 1945 bis 1953 hat Alfons Packmohr die Damper Schule besucht. „Ich bin einmal Schützenkönig geworden“, erzählt der ehemalige Elektriker, der heute in Recklinghausen lebt. Als er das Schulgebäude verlässt und die Gruppe von Pastorin Kirsten Erichsen zu einer Andacht in der gegenüberliegenden Kapelle des St. Johannisstifts empfangen wird, gerät der 75-Jährige ins Schwärmen: „Zwischen Schule und Kapelle lagen die Preise draußen auf Tischen. Und alles war schön geschmückt.“

Aber nicht nur Schreiben, Rechnen und Lesen wurde in der Dorfschule gelehrt. Herbert Ehrich hat die Schule von 1944 bis 1946 besucht. Der ehemalige Eisenhütteningenieur erhielt nach dem Unterricht am Nachmittag von Lehrer Leinemann Geigenunterricht. Die Schulzeit in Damp hat der 79-jährige Krefelder positiv in Erinnerung.

Wurden im ersten Klassenraum wie früher in den Dorfschulen die Schüler der Klassen eins bis vier unterrichtet, lernten die Kinder der Klassen fünf bis neun im zweiten Klassenraum. Heutzutage unvorstellbar, so die Feststellung aller Anwesenden. In der Hochzeit, kurz nach Kriegsende, wurden über 100 Jungen und Mädchen in der kleinen Schule unterrichtet. Zeitweise mussten einige Kinder in eine eigens für diesen Zweck errichtete Baracke ausweichen, weil die Raumkapazität erschöpft war. Bis Mitte der 50er Jahre sank die Schülerzahl, da viele Kinder mit ihren Familien abwanderten.

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