zur Navigation springen

Das war’s : Rauteck löst sich auf – und zahlt 550 Prozent Rendite

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Schülerunternehmen zahlt den Anteilseignern 65 Euro aus. Die Kerngruppe denkt über einen Fortbestand nach.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2015 | 06:17 Uhr

Eckernförde | Das war’s: Die Schülerfirma Rauteck hat sich aufgelöst, knapp zehn Monate nach ihrer Gründung und ihrem beispiellosen Erfolg. Die 24 Jungmannschüler haben im Rahmen des Junior-Wettbewerbs des Instituts der Deutschen Wirtschaft Flaschenöffner aus den Verschlüssen ausgemusterter Auto-Sicherheitsgurte gebaut und verkauft. Später kamen Taschen aus Sicherheitsgurten hinzu. Sie gewannen gegen andere Schulen im Landesentscheid, überzeugten auch auf Bundesebene und wurden schließlich sogar Europameister. Am Donnerstagabend hielten sie ihre letzte Versammlung in der Aula der Jungmannschule ab, zu der alle Förderer und Anteilseigner eingeladen waren.

Letztere können sich besonders freuen: Vor einem Jahr haben sie 10 Euro für einen Anteilsschein bezahlt, um den Schülern ein Grundkapital zu verschaffen. Jetzt bekamen sie 65 Euro ausgezahlt – das bedeutet eine Rendite von 550 Prozent. Dabei gingen die Schüler bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten, machten knapp 5000 Euro Gewinn nach Steuern und lagen damit an der Grenze zum Kleinunternehmertum.

Mit viel Humor erinnerten die Schüler vor ihren Investoren, Sponsoren und Wirtschaftspaten an die Anfänge, als ihr Lehrer und Schulpate Axel Bürger ihnen die Teilnahme an dem Wirtschaftsspiel vorschlug. Neben Zahncremespender, Schokoladenfedertaschen, einem Tier-Ausführservice und sogar Voodoo-Puppen der Jungmannlehrer setzte sich am Ende der Vorschlag durch, aus alten Autozubehörteilen Flaschenöffner herzustellen. Die Idee dazu war dem Schüler Jörn Holler gekommen, der auf dem Rückweg vom Hurricane-Festival noch genügend Durst aufbrachte, um auf dem Rücksitz des Autos eine Flasche Bier zu trinken. Die Gurtschnalle diente ihm dabei als Flaschenöffner. „Die Gurtschlösser sind wie dafür gemacht“, sagte Rauteck-Marketingleiter Bjarne Klockemann. „Es ist mir ein Rätsel, weshalb noch nie jemand auf die Idee gekommen ist.“ Ein Businessplan wurde erstellt, Kooperations- und Wirtschaftspartner gesucht und die ersten Förde-Öffner gebaut. Dabei sollte die Gurtschnalle zunächst andersherum benutzt und der Kronkorken aufgehebelt werden – ähnlich wie beim Öffnen einer Flasche mit einem Feuerzeug. Doch es kam alles anders. Schließlich kam die Produktion von Taschen aus Autogurten hinzu. Insgesamt wurden fast 1200 Flaschenöffner in vier verschiedenen Variationen und 164 Taschen und Mäppchen verkauft. Insgesamt 6277 Stunden hat die Schülercrew in dem Geschäftsjahr gearbeitet – das ist so viel, wie ein Mensch in dreieinhalb Jahren bei einem Acht-Stunden-Tag und einer Fünf-Tage-Woche arbeitet. Ein Schüler brachte es allein auf über 600 Stunden. Dabei haben die Schüler sich selbst einen Stundenlohn von 27,5 Cent gezahlt.

Lob gab es von allen Seiten, sowohl vom Junior-Vertreter des Instituts der Deutschen Wirtschaft als auch vom Vertreter des Landesbildungsministeriums. Aber vor allem dankten die Schüler ihren vielen Partnern und Förderern. Sie hätten in dem Jahr unwahrscheinlich viel gelernt. Allein ihre Präsentation und ihr professionelles Auftreten waren Beweis dafür.

Bleibt die Frage nach der Zukunft: „Wir wollen weitermachen“, lautete die Antwort. Zwar nicht im großen Team, aber immerhin 15 der 24 Schüler. Sie wollen noch offene Fragen wie die Gewerbeform klären und sich beraten lassen. Im nächsten Jahr kommt das Abitur hinzu.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen